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Tim Hunt : Der witzelnde Professor verliert seinen Posten

Machte in Korea einen eher mittelguten Witz: Sir Tim Hunt, Nobelpreisträger. Bild: Imago

Tim Hunt, Biochemiker und Nobelpreisträger, scherzt über Frauen im Labor – und auf Twitter geht es rund. Denn eine Unschuldsvermutung gibt es dort nicht. Der Sturm hat Folgen.

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          Eine Tischrede mit einem oft auf eigene Kosten gehenden Lacher zu beginnen ist Tradition im angelsächsischen Raum. Dort pflegt man mit der Maske der Ironie Distanz zu schaffen und sein Licht unter den Scheffel zu stellen, gemäß dem englischen Komment, sich bloß nicht zu beweihräuchern. Humor kann eine heikle Sache sein, und die einen beherrschen die Kunst besser als die anderen. Wie leicht der Schuss nach hinten losgehen kann, hat der britische Biochemiker Sir Tim Hunt zu seinem Leidwesen erfahren.

          Gina Thomas
          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Durch seinen Versuch, eine Mittagsrunde bei der Tagung des Weltkongresses der Wissenschaftsjournalisten in Südkorea zu unterhalten, ist der 72 Jahre alte Biochemiker, der 2001 für seinen Beitrag zur Krebsforschung den Nobelpreis erhielt, in den Augen seiner Widersacher zum Inbegriff des Chauvinismus in der naturwissenschaftlichen Welt geworden. Seine Verteidiger hingegen sehen ihn als Märtyrer der politischen Korrektheit.

          Rekonstruktion der Ereignisse durch Anwesende

          Hunts Bemerkungen über das Problem mit Frauen im Labor haben ihn um seine akademischen Ehrenämter gebracht. Seit Wochen tobt ein Sturm der Entrüstung, der durch immer neue Einwürfe geschürt wird und demonstriert, wie blitzschnell ein Ruf ruiniert werden kann, wenn Twitter das Gericht der öffentlichen Meinung mobilisiert, wo der Grundsatz der Unschuldsvermutung so wenig vorhanden ist wie in jeder Diktatur.

          Leider gibt es keine Mitschrift der Ansprachen bei dem Mittagessen am 8. Juni, so dass man bei der Rekonstruktion auf die Zeugnisse der Anwesenden angewiesen ist. Wie in dem berühmten Kurosawa-Film „Rashomon“, wo vier Sichtweisen auseinanderklaffende Versionen desselben Ereignisses produzieren, herrscht keine Einigkeit über den Vorgang.

          Unbestritten ist, dass Tim Hunt, der in der Vormittagssitzung der Tagung als einer der Hauptreferenten aufgetreten war, ebenso wie eine Mitrednerin, Deborah Blum, eine Pulitzerpreisträgerin, gebeten wurde, einige Worte an die Gäste zu richten. Die Akademikerin würdigte den wichtigen Beitrag von Frauen zur Naturwissenschaft, und Hunt soll zunächst in ähnlichem Sinne gesprochen haben, bevor er der Runde erklärte, was sein Problem mit „Mädchen im Labor“ sei: „Drei Dinge geschehen, wenn sie im Labor sind: man verliebt sich in sie, sie verlieben sich in einen, und wenn Sie sie kritisieren, weinen sie. Vielleicht sollten wir getrennte Labore für Jungen und Mädchen haben.“ Sir Tim weiß, wovon er spricht. Er hat seine Frau, Mary Collins, Professorin für Immunologie, im Labor kennengelernt.

          „Warum sind Briten im Ausland so peinlich?“

          Seine Aussage sei mit eisigem Schweigen quittiert worden, berichtete Connie St Louis, die an der City University in London einen Master-Kurs für naturwissenschaftlichen Journalismus leitet. Es war ihr Tweet, dem sie die Frage voranstellte, „Warum sind die Briten im Ausland so peinlich?“, der Tim Hunts „sexistische“ Bemerkungen in die Weltöffentlichkeit brachte. Wie inzwischen bekannt ist, war dies keine spontane Angelegenheit. Connie St Louis hat sich mit ihren amerikanischen Tischpartnern, Deborah Blum und Ivan Oransky, Leiter eines medizinischen Nachrichtendienstes und Gründer eines Blogs über den Widerruf von naturwissenschaftlichen Artikeln, abgesprochen: Sie solle ihrem Ärger in einem Tweet Luft machen, dem die beiden anderen durch Retweets Nachdruck verleihen würden.

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