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Tim Berners-Lee zum 60. : Der Vernetzer der Welt

Erfinder des WWW: Tim Berners-Lee, 1994 in seinem Büro am Forschungszentrum Cern in Genf. Bild: dpa

Am Anfang war es nur eine spannende Idee, geboren am Cern in Genf – doch mit ihr hat der britische Informatiker Tim Berners-Lee die Welt verändert. Heute wird der Vater des „World Wide Web“ 60.

          2 Min.

          Ende der achtziger Jahre war das „World Wide Web“ nur eine Idee, die ein junger, noch unbekannter britischer Informatiker am europäischen Forschungszentrum Cern bei Genf niedergeschrieben hatte. „Vage, aber spannend“ – so lautete der nüchterne Kommentar, den Tim Berners-Lee auf seinen am 12. März 1989 präsentierten Vorschlag hin von seinem Chef zu hören bekam.

          Manfred Lindinger

          Redakteur im Ressort „Natur und Wissenschaft“.

          Berners-Lee schwebte eine einheitliche und flexible Computersprache vor, die auf jedem Rechnertyp zuverlässig funktionieren sollte. Damit würde es den am Cern arbeitenden Physikern auch von jedem anderen Ort aus möglich sein, mit einem Mausklick auf gemeinsame Dokumente, Bilder und andere Informationen zuzugreifen sowie Daten zu empfangen und zu versenden. 

          Berners-Lee konnte seine skeptischen Kollegen von der Nützlichkeit seines Konzepts überzeugen, indem er das Telefonverzeichnis des Cern „online“ stellte – und damit die erste Online-Datenbank schuf. Kurze Zeit später veröffentlichte Berners-Lee sein Programm, das er World Wide Web (kurz www) getauft hatte, im Internet. Die Zahl von vernetzten Computern war damals noch überschaubar. Er entwickelte dann den ersten Browser und entwarf die erste Website – die „Homepage“ des Cern.

          Von Millionen auf Milliarden

          Berners-Lee, der 1955 in London geboren wurde und in Oxford Physik studierte, verfolgte mit seiner Erfindung keinerlei kommerzielle Interessen, er verzichtete sogar auf deren Patentierung. Er wollte vielmehr, dass das Web von Anfang an für alle frei zugänglich sei und sich schnell verbreitete. Und sein Plan ging auf. Mitte der neunziger Jahre waren es schon einige Millionen Menschen, die regelmäßig im Netz surften. Heute sind es beinahe drei Milliarden.

          Tim Berners-Lee gilt als einer der einflussreichsten Denker. Er hat zahllose Preise erhalten – zuletzt im April den renommierten Gottlieb Duttweiler Preis –, und er wurde sogar von der Queen in den Ritterstand erhoben. Doch über die jüngsten Entwicklungen ist er ganz und gar nicht zufrieden. Angesichts der um sich greifenden Überwachung des Netzes durch Konzerne und Regierungen sieht er seine Vision von einem freien Netz bedroht. Er fordert daher, den uneingeschränkten Zugang zum Internet als ein Menschenrecht anzuerkennen.

          Das Netz verteidigen

          Die World-Web-Foundation, die von Berners-Lee im Jahr 1994 am MIT in Boston als internationale Schiedsstelle für Richtlinien und Standards im Netz ins Leben gerufen wurde, beklagt in ihrem jüngsten Bericht, dass es in fast vierzig Prozent der Länder mittlerweile eine Internetzensur gibt – mit steigender Tendenz. Auch sei das Internet vielerorts noch immer nicht ein Teil der öffentlichen Infrastruktur. Dadurch hätten mehr als vier Milliarden Menschen immer noch keinen Netz-Zugang.

          „Wir müssen die Prinzipien verteidigen, die das Netz erfolgreich gemacht haben“, fordert Berners-Lee. Und er rät allen, die ihre persönlichen Daten leichtfertig „Facebook“ oder „Google“ anvertrauen, sie sollten lieber selbst Herr über die eigenen Daten werden und diese selbst überwachen und nutzen.

          Das, so der Forscher, könne jedermann mit eigenen „Apps“ leicht tun. Berners-Lee gibt ihnen das Beispiel vor. Er überwacht seine Gesundheitsdaten selbst, er kontrolliert mit Hilfe eines Computers in der Schweiz die Temperatur seines Hauses in Amerika, und er verschickt ausschließlich verschlüsselte E-Mails. Heute feiert Tim Berners-Lee seinen sechzigsten Geburtstag.

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