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Til Schweigers „Tatort“-Debüt : Vom Frühstücksei in den Kugelhagel

Es knallt und kracht mächtig in diesem „Tatort“: Hier geht gerade eine Hotelsuite in die Luft, Tschiller (Til Schweiger) versucht das Opfer (Mavie Hörbiger) zu retten.

Bisweilen übertreiben Regie und Drehbuch auch ihre Pointenlust. Als Tschiller in der Eingangsszene seinem Partner Yalcin Gümer (Fahri Yardim) zu Hilfe kommt, braucht er seinerseits die Unterstützung eines Behinderten. Man sieht es schon kommen, und so kommt es denn auch: „Kann ich meinen Rollstuhl wieder haben?“, blafft der coole Alte zu den Kommissaren ins Treppenhaus hinunter, wohl wissend, dass sein Gefährt restlos perdu ist.

„Ich nuschle ein bisschen“

Durchaus subtiler sind die ironischen Anspielungen auf den Kommissar als Star - selbstironisch spielt Til Schweiger dabei mit. „Schiller wie der Dichter?“, fragt die Dame an der Hotelrezeption. „Was für ein Dichter?“, fragt Tschiller zurück. „Die Glocke“. „Nein, ich nuschle ein bisschen.“

Beim Showdown im Treppenhaus ist Gümer angeschossen worden und liegt nun im Krankenhaus. Die besten Szenen dieses „Tatorts“ verdanken sich fortan seiner Virtuosität im Umgang mit dem Notebook und dem Internet. Wie in der Westküsten-Serie „Navy CIS: L.A.“ kommt es auch hier zu einer Reihe von Interaktionen in Echtzeit zwischen dem hackenden Kommissar im Zweibettzimmer der Klinik und dem Verbrecher jagenden und Mädchen beschützenden Tschiller an der Kiezfront - wie trefflich Gümer sich dabei selbst auf die Schippe nimmt, spricht sehr für den Schauspieler Fahri Yardim, der bei dieser „Tatort“-Premiere auch deshalb nie im Schatten von Til Schweiger steht.

Der Krankenhausheld mit seinem Notebook: Fahri Yardim steht als Co-Ermittler Yalcin Gümer auch schauspielerisch nie im Schatten von Til Schweiger.

Aber wie ist er nun, der Kinostar als Fernsehkommissar? Nachdem Schweiger im Dezember 2011 seinen „Tatort“-Einsatz verkündet hatte, kam eine bis heute nur wenig gebremste Medien-Erregung in Fahrt. Häme und Hallelujah hielten sich dabei in etwa die Waage. Schweiger tat erwartbar das Seine, um dem Hype Vorschub zu leisten. Mal fand er den Vorspann der „Tatort“-Reihe „altmodisch“, mal forderte er mehr Engagement der ARD-Gewaltigen für ihr „Flaggschiff“, mal bekundete er, nicht wichtiger zu sein als die Beleuchter am Set.

Mit Argwohn witterten verschiedene Mediendienste Schleichwerbung - welches Auto fährt er im „Tatort“, wie oft und wie offensichtlich kommt es ins Bild? Zwei Hamburger Hotels gerieten ins Visier, die damit warben, dem Schweiger-Debüt als Kulisse gedient zu haben. Und natürlich war die zentrale Frage, ob Til Schweigers Einstieg auch den kostspieligsten „Tatort“ aller Zeiten bedinge. Statt wie im Durchschnitt etwa 1,2 Millionen Euro, soll, so der NDR, diese Folge 400.000 Euro mehr gekostet haben.

Als Nick Tschiller ist Schweiger sehr passabel - und natürlich auch höchst quotenträchtig. Man hat ihm, dem Hahn im Korb, eine Reihe von expressiven Schauspielerinnen zur Seite gestellt, Mavie Hörbiger etwa, Edita Malovcic, Svetlana Ustinova, Stefanie Stappenbeck oder die junge Nicole Mercedes Müller.

„Fuck“ ist das erste Wort, das er sagt, „Scheiße“ war 1981 jenes von Götz George als Horst Schimanski. Noch ist dieses Rollenvorbild vor allem eine Herausforderung, als Nachfolger von Mehmet Kurtulus, der von 2008 an sechsmal als Undercover-Agent für den Hamburger „Tatort“ überzeugte, aber ist Til Schweiger gewiss keine Fehlbesetzung.

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