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Schweigers Schweinsteiger-Film : Die Tränen des Kriegers

Bastian Schweinsteiger nach dem - gewonnenen - WM-Finale 2014. Bild: AP

Til Schweiger hat einen Film über seinen Freund Bastian Schweinsteiger gedreht. Er bezeugt die Zuneigung, die dieser Sportler hervorruft. Da bleibt kein Auge trocken.

          4 Min.

          Wer keine Tränen mag, für den ist dieser Film nichts. Die Tränen vom Uli und vom Miro, wenn sie vom Basti erzählen. Die vom Basti selbst beim Abschied von den Kollegen nach seinem letzten Spiel. Und die, die er bei seiner Hochzeit vergießt, die aber nur der Felix gesehen hat, weil die anderen alle auf die schöne Braut schauten, er aber, der Neureuther-Felix, auf den alten Ski-Freund, der ihn in seinem letzten Jugendrennen sogar schlug, und da sah er, „der hat Rotz und Wasser geheult“, und er wusste: „Basti, das ist die Richtige.“

          Christian Eichler

          Sportkorrespondent in München.

          Ja, und die Tränen vom Til, die ebenfalls unsichtbar bleiben. Til Schweiger, Produzent und Nebendarsteller der Dokumentation, erzählt Schweinsteiger bei einer Pasta von ihnen – den Tränen, die er noch am Morgen nach dem Ende des Sommermärchens vergoss, als Basti und Poldi und die anderen gegen Italien verloren hatten.

          Fußball ist ja am Ende dann doch mehr als die Geldmaschine, auf die er gern reduziert wird. Zum Beispiel hat er mehrere mit Karl May aufgewachsene Männergenerationen vom alten Winnetou-Quatsch befreit, dass Indianer nicht weinen. Am Ball lernten echte Kerle das Weinen, beim Verlieren, beim Gewinnen, manchmal schon bei den Hymnen, später dann beim Abschiednehmen, noch später beim Erzählen von früher. Und wenn dann ein Film draus wird über einen, der den Leuten irgendwie ans Herz gegangen ist, „einer von euch“, wie er bei seinem Abschiedsspiel den Fans, Rotz und Wasser heulend, zurief, und dann auch noch die Geigen weinen, kann es passieren, dass man sogar auf dem Sofa mit den Tränen kämpft.

          Bastian Schweinsteiger und seine Frau Ana Ivanovic.

          „Schweinsteiger: Memories – Von Anfang bis Legende“ ist ein Film für Fans, gemacht von einem Freund. Im Original, bemüht originell, heißt er, um genau zu sein, „Schw31ns7eiger“, seine Rückennummern bei den Bayern und im Nationalteam einfügend. Dabei hätte man das lustige Buchstabenspiel auch mit den Namen von Star und Produzent aufführen können: In Schweinsteiger steckt ja, nimmt man in der Mitte fünf Zeichen weg, auch Schweiger drin.

          Ein Film also über die bewegenden Momente eines Lebens, wie man ihn gern auch auf Hochzeitsfeiern oder runden Geburtstagen zeigt, mit wackligen Aufnahmen aus Kindertagen, mit furchtbaren Frisuren aus der Pubertät (die hier in dieser Hinsicht besonders lange dauerte), mit schönen Erlebnissen und lustigen Anekdoten, beschrieben von Weggefährten. Hier ist der Stoff natürlich besser, das filmische Niveau höher als beim üblichen Freund-für-Freund-Film. Das liegt erstens daran, dass Bastian Schweinsteiger schon mit 35 genug erlebt und bewegt hat in der Welt, um zwei Stunden Programm kurzweilig zu füllen. Zweitens daran, dass er irgendwann Schweiger kennengelernt, sich mit ihm angefreundet und ihm sogar mal die Tiefgarage an der Säbener Straße gezeigt hat, wie man nun sieht, inklusive Ribérys pinkfarbenen Audis und Rafinhas monströsen Hummers. Nur mit Schweiger, den er für den „besten deutschen Filmemacher“ hält, konnte er sich einen Film über sein Leben vorstellen.

          Es ist angerichtet: Til Schweiger und Bastian Schweinsteiger.

          Unter diesen Voraussetzungen überrascht es nicht, dass der Film dem Filmhelden gefällt. Ebenso wenig, dass das Produkt kaum für die Oscar-Nominierung favorisiert sein wird, keine neuen Blickwinkel, Grautöne, Abgründe eröffnendes Werk wie die Dokumentationen des Oscar-Preisträgers Asif Kapadia über Ayrton Senna und Diego Maradona. Das liegt auch daran, dass diesem Lebenslauf, der in der dörflichen Idylle von Oberaudorf begann, das Abgründige fehlt, das Obsessive, all die Sackgassen und Brüche eines Lebens, die eine Biographie wirklich interessant machen.

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