https://www.faz.net/-gqz-80bzs

„Ramelow & Co.“ auf Salve.TV : Unser Bodo

Nicht nur in der Bütt´ präsentiert er sich gerne: Thüringens Ministerpräsident Ramelow hat jetzt eine eigene Sendung bei einem Erfurter Lokalsender. Bild: dpa

„Astreine One-Man-Show“? Salve.TV sinkt vor Thüringens Ministerpräsident in den Staub. Kritisch-distanzierter Blick? Journalistisches Prestige? Eine mediale inszenierte Sendung mit und vor allem für einen Politiker.

          Die Sendung „Ramelow & Co.“ des Erfurter Lokalsenders Salve.TV ist ein Etikettenschwindel. Denn von dem „Co.“ ist weit und breit nichts zu sehen. Immer nur Bodo Ramelow, Bodo Ramelow, Bodo Ramelow: der thüringische Ministerpräsident mit Sternsingern, bei Handwerkern, bei Kleinbauern, auf der Grünen Woche, mit dem tschechischen Botschafter, auf einer Anti-Pegida-Demo, in der Gedenkstätte Buchenwald und dann auch mal mit seinem Hund im Büro. Er kommentiert das dann auch gleich selbst, jovial und verbindlich, redet fortwährend von Verantwortung, Heimat und Solidarität.

          Ein Verlautbarungskanal der Staatskanzlei würde es nicht anders machen als der Privatsender Salve.TV, dem die thüringische Landesmedienanstalt (TLM) jetzt bescheinigt hat, er verstoße nicht gegen das Medienrecht und auch nicht gegen „journalistische Grundsätze“ (F.A.Z. vom 26. Februar). Rechtlich mag der Sache in der Tat schwer beizukommen sein, im Fall der „journalistischen Grundsätze“ ist es jedoch einfach: Das ist kein Journalismus, es gibt keine Distanz, nicht die Spur eines kritischen Ansatzes, sondern den mächtigsten Politiker des Landes in reiner Selbstbespiegelung. So sieht Staatsfernsehen aus. Für diese unterwürfige Art des Gunsterweises, für dieses Nachlaufen, Stöckchenapportieren und Männchenmachen sollte es keine Sendelizenz geben.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Folgen:

          Weitere Themen

          „Herbstsonate“ Video-Seite öffnen

          Trailer : „Herbstsonate“

          „Herbstsonate“, 1978. Regie: Ingmar Bergman. Darsteller: Ingrid Bergman, Liv Ullmann, Lena Nyman.

          Topmeldungen

          Einmal mehr hatte Paco Alcacer (Mitte) großen Anteil am Dortmunder Erfolg.

          Dortmunds 2:1 gegen Bremen : Wie berauscht

          Der Tabellenführer der Bundesliga ist derzeit nicht zu stoppen: Gegen Werder Bremen kommt die Borussia zu einem verdienten Heimerfolg und ist nun inoffizieller Herbstmeister. Kurz vor dem Schlusspfiff wird es nochmal turbulent.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.