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„Spiegel“-Verlag : Der Kollege aus dem Haus

Kühler Kopf in hitziger Zeit: Thomas Hass Bild: Olaf Ballnus / Der Spiegel

Der „Spiegel“ wechselt den Verlagschef aus. Der Neue heißt Thomas Hass und ist ein alter Bekannter. Er war Vertriebschef und Sprecher des Hauptgesellschafters. Bringt er die Wende?

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          Der Schritt war erwartet worden, jetzt ist es amtlich: Thomas Hass wird neuer Geschäftsführer des „Spiegel“-Verlags. Er tritt den Job sofort an und folgt damit Ove Saffe. Saffes Abgang war schon seit einiger Zeit klar gewesen. Er hatte sich zu dem früheren „Spiegel“-Chefredakteur Wolfgang Büchner und dessen Kurs für einen digitalen „Spiegel 2.0“ bekannt. Büchner musste im vergangenen Dezember gehen, an seine Stelle trat Klaus Brinkbäumer. Die Führungskrise des „Spiegel“ dürfte damit beendet sein, was das Spitzenpersonal in Redaktion und Verlag angeht.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          „Wir freuen uns sehr, mit Thomas Hass einen Kollegen aus dem Haus als Geschäftsführer gewonnen zu haben. Er kennt den 'Spiegel' und seine Kultur. Er weiß, vor welchen Herausforderungen der 'Spiegel'-Verlag steht. Und er hat über Jahre in verschiedenen Leitungsaufgaben bewiesen, wie führungsstark er agiert. Wir sind überzeugt, dass Thomas Hass den 'Spiegel'-Verlag erfolgreich weiterentwickeln wird“, erklärten die Gesellschafter.

          Beim „Spiegel“ ist Thomas Hass bislang für das Vertriebsmarketing verantwortlich gewesen. Noch bedeutender aber ist sein bisheriger Nebenjob: Hass ist Sprecher der Mitarbeiter KG, des Mehrheitsgesellschafters des „Spiegel“. Die Mitarbeiter KG, der unter anderem die Redakteure des gedruckten Magazins angehören, hält 50,5 Prozent der Anteile, der Verlag Gruner + Jahr 25,5 Prozent bei den Erben des „Spiegel“-Gründers Rudolf Augstein liegen 24 Prozent.

          Willkommen im Bermuda-Dreieck

          Somit wechselt Hass von der Seite der Gesellschafter an die operative Spitze. Im Haus wird er von allen Seiten geschätzt. Ihm wird bescheinigt, während der Krise im vergangenen Jahr einen kühlen Kopf bewahrt zu haben, was angesichts des Konflikts zwischen dem damaligen Chefredakteur Büchner und der überwiegenden Mehrheit der Redaktion des Magazins keine leichte Aufgabe war. Der „Spiegel“ hatte eine Zerreißprobe zu bestehen, der Büchner und der Verlagsgeschäftsführer Saffe zum Opfer gefallen sind. Saffe hielt nicht nur den Plan eines digitalen „Spiegel 2.0“ für richtig, sondern auch den Kurs, die Redaktionen des „Spiegel“ und von „Spiegel Online“ eng miteinander zu verzahnen. Dagegen hatten sich vor allem die Ressortleiter des „Spiegel“ aufgelehnt.

          Für die beiden Neuen an der Spitze wird es nun darauf ankommen, den Plan für einen digitalen „Spiegel“, den angeblich alle wollen, im Einvernehmen mit den Redaktionen umzusetzen. Seit Brinkbäumer Chefredakteur ist, so ist zu vernehmen, ist es in der Redaktion zu einer spürbaren Klimaerwärmung gekommen – erste Voraussetzung für den internen Neustart. Dass die Gesellschafter des „Spiegel“ zunächst mit der Berufung von Brinkbäumer zum Chefredakteur und nun mit Thomas Hass als neuem Verlagschef auf interne Lösungen setzen, hat freilich auch einen ganz einfachen Grund: Nach den Querelen des vergangenen Jahres dürfte jedem, der von außen zum „Spiegel“ hinzustoßen wollte, klar geworden sein, in welches Bermudadreieck man dort geraten kann.

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