https://www.faz.net/-gqz-70tew

Thomas Gottschalk geht zu RTL : Ist das die große Bühne?

Sucht und Sehnsucht nach der großen Bühne: Thomas Gottschalk geht zu RTL Bild: dapd

Nach „Wetten, dass ..?“ und „Gottschalk Live“ will der Entertainer nun als Juror von „Das Supertalent“ an der Seite von Dieter Bohlen die Funken fliegen lassen. Eine erstaunliche Wende.

          2 Min.

          Der Ausflug von Thomas Gottschalk zur ARD war denkbar kurz – er währte gerade mal ein halbes Jahr, dann war es mit der Vorabendshow „Gottschalk Live“ im Ersten Anfang dieses Monats vorbei. Nicht einmal drei Wochen später aber hat der Entertainer beim nächsten Großsender angedockt – er geht zu RTL.

          Michael Hanfeld
          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Dort jedoch spielt er von September an eine für seine Verhältnisse eher schmale Rolle. Er wird sich neben Dieter Bohlen in die Jury der Showsendung „Das Supertalent“ setzen. Ob es einen dritten Juror geben wird, ließ RTL noch offen. Die bisherigen Jurorinnen Sylvie van der Vaart und Motsi Mabuse scheiden aus.

          Gottschalk ist jetzt Chefinnensache

          Gottschalks Wechsel ist dem Vernehmen nach in persönlichen Gesprächen mit der RTL-Chefin Anke Schäferkordt verhandelt worden. Auch bei der ARD war seine Anwerbung Chefinnensache gewesen, die ARD-Vorsitzende Monika Piel hatte sich für Gottschalk stark gemacht und dessen Anwerbung betrieben, nachdem dieser seinen Rücktritt von der Moderation der ZDF-Show „Wetten, dass ..?“ bekannt gemacht hatte. Nach dem frühen Aus für „Gottschalk Live“ hieß es bei der ARD, dass man aber auf jeden Fall mit Gottschalk – in welcher Form auch immer – weiter zusammenarbeiten wolle. Jetzt aber ist zunächst RTL dran.

          Dafür dass sich der Fall Gottschalk nicht nur bis auf weiteres, sondern endgültig erledigt haben könnte, spricht die Stellungnahme des Programmdirektors Volker Herres, welcher der Verpflichtung Gottschalks seit jeher skeptisch gegenüberstand: „Mit Auslaufen der Staffel ‚Gottschalk Live‘ ist Thomas Gottschalk nicht mehr exklusiv an die ARD gebunden“, sagte Herres. „Wir hatten uns aber mit ihm verabredet, über gemeinsame Projekte nachzudenken. Konkrete Pläne gibt es allerdings nicht. Nun steht für Thomas Gottschalk erst einmal sein Engagement bei RTL im Vordergrund.“

          Das nennt man einen Wink mit dem Zaunpfahl.
           

          Den Sender wechselt Gottschalk mithin – vom Zweiten zum Ersten und dann zum größten Privatsender -, die Produktionsfirma aber bleibt. „Das Supertalent“ wird von der (wie RTL) zu Bertelsmann zählenden „Grundy Light Entertainment“ erstellt. Die Firma Grundy hatte auch für Gottschalks Show im Ersten verantwortlich gezeichnet.

          Es muss die große Bühne sein

          Den fehlenden Publikumszuspruch seiner ARD-Vorabendshow deutet der Entertainer in sehr spezieller Weise: „Ich habe gemerkt, dass das Publikum mich auf der großen Showbühne sehen will - und genau die hat mir RTL angeboten“, sagte er. „Das Supertalent“ sei „derzeit die erfolgreichste Showreihe im deutschen Fernsehen“. Und er freue sich „auf Dieter Bohlen, denn zwischen uns sind schon immer die Funken geflogen.“

          Die große Bühne betritt Gottschalk bei RTL, gemessen an den Einschaltquoten, sicherlich. Doch hatte er sich bislang als dezidiert öffentlich-rechtlichen Unterhaltungskünstler bezeichnet und von Formaten, wie es sie bei RTL zu sehen gibt (Stichwort: Dschungelcamp) ganz gerne abgesetzt. An der Seite von Dieter Bohlen dürfte diese Differenzierung wohl an Gewicht verlieren.

          Weitere Themen

          Der Preis der Sportspektakel

          Peking und Qatar : Der Preis der Sportspektakel

          Inhaftierte Uiguren und vom Erdboden verschwundene Sportler in der Volksrepublik China, entrechtete Arbeiter auf Baustellen in Qatar: Wie sehr dürfen die beiden Mega-Sportevents des Jahres 2022 die Realitäten im jeweiligen Gastland ausblenden?

          Topmeldungen

          Covid-Kontrolle in der nordostchinesischen Stadt Harbin.

          Ausländer verlassen China : Pekings strenge Covid-Politik stößt auf Zorn

          Pekings Null-Covid-Politik hat aus dem Land ein Gefängnis gemacht. Die in China lebenden Ausländer fliehen daher vor lauter Unmut in Scharen. Einheimische schaffen es jedoch nur mit großer Mühe, das Land derzeit zu verlassen.
          Dauert alles ziemlich lange: Bau einer Windkraftanlage in Altenbecken am 02.08.2013.

          Windkraftpläne der Ampel : Der Turbo für Großprojekte

          Die Ampel will den Bau von Windparks beschleunigen. Sie setzt vor allem auf eine Professionalisierung des Rechtsverfahrens. Dass dafür der Artenschutz zurückstehen muss, bereitet den Naturschutzverbänden aber kaum Sorgen.