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Themenabend zur Mondlandung : Wie haben sie das geschafft?

  • -Aktualisiert am

Bild: REUTERS

Sie flogen für drei Tage mit 40.000 Km/h, dann übernahm Neil Armstrong das Steuer und landete in letzter Sekunde. Zwei Fernsehfilme zeigen, dass Technologie und Glück nicht reichten, um die Menschheit zum Mond zu bringen.

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          Der Aufbruch ist vorbei, die Bilder die Pioniere sind abgehängt. Über Astronauten wird nur noch gelächelt, beispielsweise im Legofilm, in dem Benny der Astronaut eine enthusiastische Retrofigur aus den Achtzigern ist, die mit zerbrochenem Helm und übersät mit Bissspuren erfolglos um Aufmerksamkeit buhlt. Dass es einmal anders war, weiß jeder. Immer noch gibt es die „Mondlandungsfrage“, wo man gewesen sei, als sich Großes ereignete. Aber man bezieht sie heute schon auf Allerweltsspektakel: „Wo warst Du, als Deutschland 7:1 gegen Brasilien gewann?“ Dabei sollte die Frage ganz anders lauten: Wie hat man es bloß geschafft, einen Menschen auf den Mond zu schießen und ihn sicher zurückzuholen?

          45 Jahre nach der ersten Mondlandung versucht ein Themenabend es zu erklären. Drei Stunden handelt er von Technologie, Glück und Neil Armstrong. Zumindest zur Hälfte ist es eine Heldengeschichte. Armstrong hat die Mondlandungsfähre per Hand auf dem Mond gelandet, das ist bekannt. Der Computer fiel aus, weil Buzz Aldrin, der neben ihm saß, einen Radar zu viel einsetzte.

          Und so saß am anderen Ende der Funkverbindung zur Erde Charlie Duke, der den Countdown von 60 abzählte. Alle zitterten, Aldrin in der Fähre, Michael Collins im Mondorbit und die Menschen auf der Erde. Armstrong steuerte über Geröll hinweg, auf dem sein Gefährt nicht sicher gelandet wäre und ein erneuter Start aussichtslos gewesen wäre. Sekunden bevor der Treibstoff aufgebraucht war, landete er die Menschheit sicher auf dem Mond.

          Buzz Aldrin 1966: Die Erfindung des Space-Selfies
          Buzz Aldrin 1966: Die Erfindung des Space-Selfies : Bild: NASA

          So hatte er es gesehen und nie wieder über seine Leistung gesprochen. Zehn weitere Menschen landeten seitdem auf dem Mond, 24 waren auf dem Weg, zehn von ihnen sprechen in David Singtons vielfach ausgezeichnetem Film „Im Schatten des Mondes“ darüber. Alle reden über Armstrong. Er wusste, womit er es zu tun hatte. Er kannte den Tod, er verstand die Technik und er verließ sich auf seine Fähigkeiten. Schon einmal, sieben Jahre zuvor, als Testpilot eines X-15 Düsenjägers, geriet er bei 5000 Kilometer pro Stunde ins Trudeln und übernahm die Kontrolle über ein Flugzeug, das sich in einer Höhe von sechzig Kilometer jenseits der Atmosphäre eigentlich gar nicht steuern ließ. Er verbuchte den Flug als Aktennotiz, wie auch seinen Absturz mit der Mondlandungsfähre beim Testflug auf der Erde und die Unfälle auf den Flugzeugträgern, auf denen er als jüngster Navy-Pilot im Korea-Krieg diente.

          Seit er mit fünf Jahren das erste Mal flog, wollte er nichts anderes. Als er wenige Wochen nach Juri Gagarin den Amerikaner Alan Shepard ins All fliegen sah, bewarb er sich bei der jungen Nasa als Astronaut. Nirgendwo hätte er höher, weiter und schneller fliegen dürfen. Der Flug zum Mond war der Gipfel. Drei Tage pro Wegstrecke mit 40.000 Kilometern pro Stunde. Charlie Duke, der einzige Mensch, der Funkkontakt zu den Astronauten hatte, beschreibt Armstrongs eigentlichen Anspruch: Er wollte nicht der Erste werden, der den Mond betritt. Er wollte der Erste sein, der die Reise versuchte. Ob sein berühmter Satz vom kleinen Schritt und dem großen Sprung eine spontane oder geplante Sache war, wird auch nicht klarer, wenn man in „Neil Armstrong – die wahre Geschichte vom Mann auf dem Mond“, dem zweiten Film des Abends, Dean Armstrong, den Bruder, darüber reden hört.

          Deutlich wird allerdings, dass Armstrong im Mondflug keine Heldengeschichte sah. Er sprach ohnehin nur bei wenigen PR-Terminen darüber. Michael Collins erklärt es als gelebtes Glück. Aldrin, Armstrong und er wurden 1930 geboren, im richtigen Jahr. Armstrong machte seinen Flugschein vor seinem Führerschein und ohne seinen Eltern Bescheid zusagen. Parallel wurden Düsentriebwerke erfunden und der Weltraum erobert. Armstrong war zur richtigen Zeit am richtigen Ort und er war der richtige.

          Jeder der Astronauten beschreibt Armstrong als gerechten Pionier, als „absolut perfekt“. Viele von ihnen beschrieben später Erweckungserlebnisse, als sie die Erde „als Juwel im dunklen Schwarz“ sahen. Armstrong hatte die ersten Bilder und die Tat für sich sprechen lassen und darauf verwiesen, wie lang der Weg war und wie viele Opfer er forderte. Nur so, sagt Collins, konnte die Mondlandung als Ereignis der Menschheit verstanden werden. „Dieses Wir, ein kurzlebiges aber wunderschönes Phänomen.“

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