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#MeToo in der arabischen Welt : Die Frauen wollen darüber reden

„Über sexuelle Belästigung sprechen, ohne dass Ihre Ehre in Frage gestellt wird“: Jaafar Abdul Karim mit Gast in „Shababtalk“. Bild: Deutsche Welle

Was das Thema sexuelle Belästigung von Frauen in arabischen Ländern bedeutet, zeigt eine kontroverse Debatte der von der Deutschen Welle produzierten Sendung „Shababtalk“. Für ihren Mut bekam die Sendung nun einen Preis.

          Dass „#Metoo“, also die sexuelle Belästigung von Frauen, nicht nur in der westlichen Welt ein Thema ist, sondern auch in der arabischen, und es dort schwierig ist, überhaupt öffentlich darüber zu sprechen, hat die von der Deutschen Welle produzierte Sendung „Shababtalk“ mit dem Moderator Jaafar Abdul Karim in der vorvergangenen Woche gezeigt. Denn da griff Karim das Thema auf und hatte eine junge Jordanierin im Studio, die nicht nur davon berichtete, dass sie sexuell belästigt worden sei. Dies habe sich vielmehr auf der Polizeiwache, auf der sie die Tat anzeigen wollte, sogar noch fortgesetzt – die Beamten hätten sie ebenfalls belästigt, berichtete die junge Frau, deren Gesicht eine tief ins Gesicht gezogene Kapuze verdeckte.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          „Wir Frauen sind es, die unter sexueller Belästigung leiden“, sagte sie. Sie werde von ihrer Familie unterstützt, doch sei das Problem ein allgemeines, sie spreche auch für andere Jordanierinnen. Das wollte sich der ebenfalls ins Studio geladene ehemalige Parlamentsabgeordnete Mahmoud Kharabsheh nicht anhören. Er beleidigte die junge Frau mit den Worten „Du bist so jung und schon so erfahren“, zog in Zweifel, dass sie überhaupt Jordanierin sei, wollte ihren Ausweis sehen und sagte: „Jordanische Frauen sind nicht so. Jordanierinnen gehen nicht ins Fernsehen und sprechen dort öffentlich.“ Die Jordanier hätten eine Ehre, „unser Land ist anständig“. Da wurde es dem Moderator, der Meinung und Gegenmeinung in seiner Sendung stets gelten lässt, zu viel. Den Respekt, den Jaafar Abdul Karim für seine Gäste und von seinen Gästen erbittet, wollte der Politiker der jungen Frau nicht zollen, wutentbrannt verließ er das Studio.

          Mahmoud Kharabsheh beließ es aber nicht bei seinem eher schmählichen Abgang, den man im Wortlaut bei der Deutschen Welle nachlesen kann (www.dw.com). Er wies auch die jordanische Medienaufsicht auf die Sendung hin und drohte mit einer Klage, um den Produzenten Probleme zu bereiten. Normalerweise kommt „Shababtalk“ (Shabab steht für „Jugend“) aus Berlin, doch gestaltet Abdul Karim die Sendung nicht nur in arabischer Sprache, er geht mit ihr auch regelmäßig auf Reisen in die arabische Welt und lädt dort mit Partnersendern vor Ort zur Diskussion, so in diesem Fall. Von der Klage gegen „Shababtalk“ hat die Deutsche Welle bis auf deren Androhung nichts weiter gehört. Die jordanische Medienaufsicht sieht dem Vernehmen nach keinen Anlass, tätig zu werden.

          Reaktionen auf die Sendung gab es reichlich, wie die Deutsche Welle dokumentiert. Darunter finden sich solche, die das Problem sexueller Übergriffe leugnen („Die jordanische Frau ist in ihrer Familie und innerhalb der Bevölkerung geschützt“), mehrheitlich aber meldeten sich Zuschauerinnen, welche den Standpunkt und die Kritik der jungen Frau, die bei „Shababtalk“ auftrat, stützen. Es sei eine Kampagne vonnöten, schreibt eine Zuschauerin, um Aufmerksamkeit zu schaffen. Man müsse die in der arabischen Welt verbreitete starre Haltung, über unangenehme Themen nicht zu sprechen, herausfordern. Eine andere schreibt, „Shababtalk“ sei „das erste Fernsehprogramm“, das „wirklich alle jordanischen Frauen vertritt, vor allem dann, wenn es um Tabu-Themen geht. Dazu gehören Vergewaltigung, sexuelle Belästigung und häusliche Gewalt.“

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