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„The Voice“ in Italien : Die Nonne rockt den Saal

Eine Nonnen wird zum Star im Internet: Cristina Scuccia in der italienischen Ausgabe von „The Voice“ (entnommen aus Youtube) Bild: Youtube

In der italienischen Ausgabe der Casting-Show „The Voice“ reißt eine junge Frau alle von den Sitzen: Cristina Scuccia, Schwester des Ursulinen-Ordens. Ob der Papst sie nun anruft?

          Das Schöne an der Musikshow „The Voice“ ist bekanntlich, dass die Juroren mit dem Rücken zur Bühne sitzen und nicht sehen, wer da singt. Allein die Stimme zählt. Äußerlichkeiten sind nicht von Belang. Das hat schon zu den größten Überraschungen geführt. In der italienischen Ausgabe der Show war die Verblüffung der Jury nun besonders groß. Die Juroren hatten sich schon gewundert, warum das Publikum nach wenigen Sekunden jubelnd aufsprang, als der Song „No One“ von Alicia Keys erklang. Was war da los?

          Ursula Scheer

          Redakteurin im Feuilleton.

          Michael Hanfeld

          verantwortlicher Redakteur für Feuilleton Online und „Medien“.

          Da sang eine Frau, die ganz offensichtlich den Saal rockte, und als erster aus der Jury hielt es der Rapper J-Ax nicht mehr aus, ein Typ mit wilden Tätowierungen. Er schlug mit der Hand auf den überdimensionierten roten Knopf, der seinen Sitz der Bühne zudrehte und riss die Augen auf. Noemi, Piero Pelù und Raffaella Carrà, die anderen Juroren, folgten bald und kamen aus dem Staunen nicht mehr heraus.

          Denn die das Lied schmetterte, war die fünfundzwanzig Jahre alte Ordensschwester Cristina Scuccia.

          „Hätte ich dich in einer Messe singen hören“

          Sie groovte, dass der Schleier flog, ihre Mitschwestern im Hintergrund flippten dazu aus, dem Rapper J-Ax stiegen Tränen der Rührung in die Augen. Die Kamera fing Cristinas nonnenhaften Gesundheitsschuhe ein und auf den Rängen war es ein einziger Jubel. „Bist du eine echte Ordensschwester?“, lautete die erste Frage aus der Jury, als der Applaus endlich abgeebbt war. Aber ja, antwortete Schwester Cristina, da bekannte J-Ax schon: „Hätte ich dich sonntags in der Messe singen gehört, als ich ein Kind war, ich wäre heute Papst.“

          Um eine Antwort auf die Frage, warum sie an dem Wettbewerb teilnehme, war Schwester Cristina, die dem Ursulinen-Orden angehört, nicht verlegen:  „Ich bin hierher gekommen, weil ich eine Gabe habe, und die schenke ich weiter“, sagte sie. Was der Vatikan wohl zu dem Auftritt sage, wollte Raffaella Carrà wissen. Franziskus habe doch alle Ordensleute aufgefordert, hinauszugehen in die Welt, um den Menschen das Evangelium zu verkünden, sagte Schwester Cristina und schloss: „Ich warte auf einen Anruf des Papstes.“ Schließlich ist er dafür bekannt, sich öfter ans Telefon zu setzen und einfach mal eine Nummer aus dem Telefonbuch zu wählen.

          Das Youtube-Video des Auftritts avancierte in Windeseile zum Renner, der Hashtag „#suorcristina“ in den sozialen Netzwerken ebenso. Der Vorsitzende des Päpstlichen Kulturrats, Gianfranco Ravasi, tat über Twitter inzwischen seine Bewunderung für die aus Sizilien stammende Ordensschwester kund. Deren Hingabe zur Musik hatte, wie italienische Medien berichten, auch eine Rolle gespielt, als sie sich 2007 für ein Leben im Kloster entschied. Mit Kirche hatte sie nämlich nach der Firmung erst einmal nichts mehr am Hut. Aber dann spielte sie in einem Musical die Rolle einer Nonne und trat bei den Ursulinen ein. Im Noviziat sang sie mit brasilianischen Straßenkindern. „Ich habe Jesus  geheiratet, aber die Musik ist eine Leidenschaft, die ich teilen kann“, sagte sie der Zeitung „La Stampa“.

          In die nächste Runde der Casting-Show hat es Schwester Cristina schon einmal gebracht. Alle vier Juroren rissen sich darum, sie zu coachen. Doch Schwester Cristina entschied sich für den, der sie als erster sehen wollte: den Rapper J-Ax. „Zusammen sind wir unschlagbar“, jubelte er. „Wir sind wie der Teufel und das Weihwasser.“

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