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„The Orville“ bei Pro Sieben : Volltrunken im All

  • -Aktualisiert am

Ob das die berühmten Marsmenschen sind? Wohin wurden Ed (Seth MacFarlane, 2. von links) und Kelly (Adrianne Palicki, 2.von rechts) gebracht, nachdem sie in eine scheinbar perfekte Falle getappt sind? Bild: Pro Sieben

Der Scherzbold Seth MacFarlane erfüllt sich einen Traum und nimmt „Star Trek“ auf den Arm: Zuschauer von „The Orville“ sollten robusten Humor mitbringen – und keine zu hohen Ansprüche an die Handlung.

          Seth MacFarlane ist ein bekennender „Star Trek“-Fan. Wie weit die Begeisterung des Produzenten von Animationsserien wie „Family Guy“ und „American Dad“ reicht, kann man jetzt sehen. Mit der Serie „The Orville“ hat er aus „Star Trek“ eine Comedy gemacht, in der er selbst auch gleich die Hauptrolle spielt. Was William Shatner als Captain Kirk in „Star Trek“ und Patrick Stewart als Captain Picard für „Star Trek – The Next Generation“ waren, ist McFarlane als Captain Ed Mercer in der Komödien-Kopie.

          „The Orville“ beginnt im Amerika des Jahres 2417. Weltraumoffizier Ed Mercer betritt sein modernes New Yorker Apartment und erwischt seine Frau Kelly (Adrianne Palicki) in flagranti. Ihr Liebhaber ist ein blauhäutiger Alien, dem beim Anblick von Mercer vor lauter Aufregung marineblaue Flüssigkeit aus der Stirn spritzt. Wenig überraschend bedeutet das Techtelmechtel mit dem Außerirdischen das Aus für die Beziehung der beiden Sternenflotten-Offiziere.

          Unsinn: nicht die beste Voraussetzung für Diplomatie

          Ein Jahr später findet sich Ed Mercer, nunmehr Single und gerade erst befördert, als Kommandant auf dem Forschungsraumschiff „U.S.S. Orville“ wieder. Er befehligt eine bunt zusammengewürfelte Crew aus Menschen und Aliens aller Rassen und Arten, denen jedoch gemeinsam ist: Sie haben jede Menge Unsinn im Kopf. Das ist nicht eben die beste Voraussetzung für die diplomatischen und wissenschaftlichen Missionen, die ihnen aufgegeben sind. Zunächst kann der grundoptimistische Sonnyboy mit Loser-Image Mercer sein Glück kaum fassen. Bis er erfährt, wer die Stelle des Ersten Offiziers antritt – seine Exfrau Kelly Grayson. Ihr Wiedersehen ist laut und heftig, ein Rosenkrieg, direkt übertragen in die Kommandozentrale, damit es auch ja alle mitkriegen.

          Die Konstellation dient MacFarlane als Grundlage für allerhand Klamauk, auch wenn „The Orville“ über alles zu verfügen scheint, was eine klassische Science-Fiction-Serie braucht. An die Handlung freilich sollte man keine zu großen Ansprüche stellen und in Sachen Comedy des robusten Gemüts sein, das Seth MacFarlane auch in „Family Guy“ und „American Dad“ bedient, Verdauungswitze inklusive. Als großer „Star Trek“-Fan bedient sich McFarlane hemmungslos am Stoff aus der Originalserie. Der Anspielungen sind reichlich – das Setting, die Figuren, ihre Kostüme. In allem ist ein Kommentar zur ernstgemeinten Vorlage zu erkennen. Platten Gags ist keiner der Charaktere abgeneigt. Der Pilot Gordon Malloy (Scott Grimes) ist stolz darauf, schon morgens um neun Uhr am Steuer des Raumschiffs ein Bier zu zischen. Er fährt oder fliegt entsprechend. Eine sichere Bank hingegen ist er für anzügliche Bemerkungen.

          Dr. Claire Finn (Penny Johnson Jerald) ist die beste Ärztin des Universums und sucht die große Herausforderung. Lieutenant John LaMarr (J. Lee) ist der größte Witzbold vor dem Herrn. Der Androide Isaac (Mark Jackson) indes hält Menschen für eine niedere Lebensform. Er betreibt auf der Orville vornehmlich Verhaltensforschung und fällt durch humorlose Fragen auf. Bortus (Peter Macon) wiederum ist Moclaner, also Vertreter einer Art, die nur ein Geschlecht kennt – das männliche. Das weibliche wurde abgeschafft. Umso größer ist die Aufregung, als Bortus und seinem Partner eine Tochter geschenkt wird – so etwas kommt nur alle siebenhundert Jahre vor. Alara Kitan (Halston Sage) ist Xelayanerin und verfügt – was einer Sicherheitschefin auch zu eigen sein sollte –, über Superkräfte. Vor ihr ist keine Panzertür sicher.

          Mit Beginn der Serie ist noch nicht zu erkennen, warum „The Orville“ von Fans der „Star Trek“-Filme angeblich als veritable Hommage angesehen wird. Zwar sollen nicht nur die Figuren, sondern auch ganze Episoden als Anspielung angelegt sein (inklusive Ausflug aufs Holodeck), doch steht zunächst einmal der Beziehungskrieg zwischen Ed Mercer und Kelly Grayson auf dem Programm, den alle anderen auf dem Schiff mit einer Gagparade echt MacFarlaneschen Zuschnitts kommentieren. Da sollte schon noch etwas mehr kommen. Dem Publikum des amerikanischen Senders Fox hat „The Orville“ jedoch bislang so gut gefallen, dass eine zweite Staffel bestellt wurde. Pro Sieben hat also ein wenig Vorrat an Witzen aus dem Weltraum.

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