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„The Economist“ : Frau in der Wirtschaft

  • -Aktualisiert am

Bald auf dem „Economist“-Chefposten: Zanny Minton Beddoes Bild: The Economist

In dem britischen Traditionswochenmagazin, das sich als Zeitung versteht steht ein Umbruch auf oberster Etage bevor: Zanny Minton Beddoes wird „Economist“-Chefin.

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          Die Meldung, dass der „Economist“ mit der bislang für die Unternehmensberichterstattung zuständigen Zanny Minton Beddoes erstmals in seiner 172 Jahre langen Geschichte eine Frau an die Spitze der Redaktion beruft, kam für die jüngste Ausgabe der Wochenzeitschrift zu spät. „Breaking News“ sind denn auch nicht die Sache des Traditionsblattes, das sich als Zeitung bezeichnet, obwohl es im Magazinformat erscheint. Der „Economist“ setzt mit seinen unsignierten Beiträgen auf Seriosität und Analyse für internationale Führungskräfte und fährt damit bestens.

          Gina Thomas
          Feuilletonkorrespondentin mit Sitz in London.

          Unter John Micklethwait, der die Leitung von Bloomberg News in New York übernimmt, stieg die kombinierte Print- und Online-Auflage seit 2006 um vierzig Prozent auf 1,6 Millionen. Trotz einiger digitaler Initiativen macht die gedruckte Ausgabe immer noch neunzig Prozent der Auflage aus. Im vergangenen Jahr brach die aufsteigende Kurve zum ersten Mal seit fünfzehn Jahren ab - man habe die Zahl rabattierter Abonnements reduziert, heißt es.

          Eine Frau, dreizehn Bewerber

          Zanny Minton Beddoes fällt die Aufgabe zu, die internationale Reichweite auszubauen. Die 47 Jahre alte Wirtschaftswissenschaftlerin, deren Schwiegervater Sir Christopher Mallaby britischer Botschafter in der Bundesrepublik war, wirkte als Beraterin des polnischen Finanzministers und beim Internationalen Währungsfonds, bevor sie 1994 zum „Economist“ wechselte. Sie war die einzige Frau unter den dreizehn Bewerbern um die Chefredakteursstelle. In der Endrunde stand sie mit dem Digital-Chef Tom Standage und dem schon bei der letzten Chefredakteurssuche unterlegenen Außenpolitik-Chef Edward Carr.

          Bezeichnend ist, dass die Bewerber alle aus dem Hause stammen oder dort lange beschäftigt waren. Das Redaktionsgefüge, das ein früherer Chefredakteur mit dem Kardinalskollegium vergleicht, und die Kultur des Blattes machten es fast undenkbar, dass ein Chef von außen komme, sagen Eingeweihte. Sie berichten, dass die kürzlich nach vielen Jahren in Washington in die Zentrale zurückgekehrte Zanny Minton Beddoes auch intern als Favoritin galt. Nicht nur ihres Urteilsvermögens wegen, sondern auch, weil sie Mitarbeiter zu motivieren verstehe. In den Redaktionskonferenzen habe sie sich als starke Stimme behauptet. Obwohl sie in der wirtschaftsliberalen Tradition des Blattes den freien Markt der staatlichen Intervention vorzieht, hat Zanny Minton Beddoes vor wachsender Ungleichheit gewarnt und höhere Steuern befürwortet. Vom 2. Februar liegen die Geschicke des „Economist“ in ihrer Hand.

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