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„The Correspondent“ : Entschleunigte Nachrichten für engagierte Leser

Schiffbruch mit Auto-Werbung: Mit diesen Kleintransportern warb „The Correspondent“ für sein Angebot – unter anderem vor dem Weißen Haus. Bild: The Correspondent

Das englischsprachige Online-Magazin „The Correspondent“ will seinen Lesern ein Gegengewicht zu überdrehten News bieten. Der Aufbau verlief holprig – nun ist die Seite online gegangen.

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          Unbreaking news“ statt schneller Schlagzeilen: Diese Form der Nachrichtenkost verspricht die Website „The Correspondent“, die seit vergangener Woche online ist. Es dürfte sich dabei um einen der derzeit interessantesten Versuche handeln, mit Journalismus im Internet Geld zu verdienen. In einer großangelegten Crowdfunding-Kampagne hatte „The Correspondent“ knapp 2,4 Millionen Euro von seinen künftigen Abonnenten eingesammelt, diese sollen auf dem Internetportal vor allem längere Recherchen und Hintergrundstücke bekommen – und zwar werbefrei. „Wir werden nicht atemlos dem Nachrichtenkreislauf hinterherrennen, sondern über die grundlegenden Kräfte berichten, die unsere Welt gestalten“, heißt es dramatisch formuliert auf der Seite. Die niederländische Schwesterseite „De Correspondent“ tut dies bereits seit sechs Jahren.

          Felix Hooß

          Koordinator für Premium-Inhalte bei FAZ.NET.

          Offenbar mit Erfolg: Sie hat rund 60 000 Mitglieder, also Unterstützer, die den Betrieb der Plattform mit ihren monatlichen Abo-Beiträgen am Laufen halten. Über die Höhe der Beiträge darf der Abonnent laut „Correspondent“ selbst entscheiden. Angefügt ist nur ein Richtwert: „Wenn Sie nicht wissen, wie viel Sie zahlen wollen, können Sie einfach den nationalen, monatlichen Durchschnitt von 10 $ bezahlen.“ Im deutschsprachigen Raum haben sich ähnliche Angebote wie „Krautreporter“, „Perspective Daily“ oder die schweizerische „Republik“ in der Nische etabliert. Sie wurden zum Teil durch das niederländische Original „De Correspondent“ inspiriert. Nun versucht das vom Journalisten Rob Wijnberg mitgegründete Medien-Start-up mit seinem Ableger den Fuß in die Tür des internationalen Marktes zu bekommen. Nicht nur, aber auch in Amerika.

          Redaktionskonferenz: „The Correspondent“ widmet sich nicht zuvorderst den Schlagzeilen, sondern möchte auch bei aktuellen Themen den Geschehnissen einen neuen Dreh geben.

          45 000 neue Mitglieder aus mehr als 130 Ländern haben „The Correspondent“ mit ihrem Geld möglich gemacht – und die haben gewisse Erwartungen, wie die Monate nach der erfolgreichen Crowdfunding-Kampagne und vor dem Launch der neuen Seite zeigten: Zunächst hatten sich die Gründer nämlich einen veritablen Shitstorm in den sozialen Medien mit der Ankündigung eingehandelt, kein eigenes Büro in New York zu eröffnen, sondern weiterhin von Amsterdam aus zu operieren. Die vielen aufwendigen PR-Aktionen vor dem Start hatten jedoch genau den Eindruck erweckt, man habe es vor allem auf den amerikanischen Markt abgesehen. Unter anderem war Wijnberg in der Satiresendung „The Daily Show“ aufgetreten, dazu wurden über Social Media immer wieder Bilder eines roten Übertragungswagens mit dem Schriftzug „Unbreaking news“ vor amerikanischen Gebäuden veröffentlicht, darunter vor dem Weißen Haus in Washington. Die Erwartung, dass hier ein Medienangebot entsteht, das sich in erster Linie an amerikanische Leser richtet, war also naheliegend.

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