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„The Correspondent“ : Entschleunigte Nachrichten für engagierte Leser

Die erste Neueinstellung für Amerika, Zainab Shah, die als Projektmanagerin das globale Mitgliederwachstum steuern sollte und von der Nachrichtenseite „Buzzfeed“ abgeworben worden war, fühlte sich ebenso getäuscht wie viele Nutzer und schmiss im März dieses Jahres via Twitter-Tweet hin. Die Gründer von „The Correspondent“ veröffentlichten als Reaktion einen Brief an ihre Mitglieder mit der Überschrift „Wir haben Mist gebaut“, in dem sie sich für die mangelhafte Kommunikation entschuldigten. Angesprochen auf die Fehler im Vorfeld des Launches sagte Rob Wijnberg dieser Zeitung: „Wir haben gelernt, offener mit unseren organisatorischen Entscheidungen umzugehen, und haben bereits damit begonnen, das auch in die Tat umzusetzen.“

Transparenz, auch bei den laufenden Kosten

Tatsächlich erschien kürzlich ein Artikel auf der Plattform, der die Finanzen des Medienunternehmens offenlegt, inklusive einer Erläuterung der laufenden Kosten bis zum Ende des ersten Jahres (2,9 Millionen Euro) und der Frage, wofür diese Summen investiert werden (52,8 Prozent fließen künftig in die Redaktion). Diese Transparenz ist Teil des Versprechens, nahe an den Lesern zu sein, sie nicht nur als passive Konsumenten zu behandeln. Und ihnen auch einen direkten Zugang zu den Journalisten zu ermöglichen: Fünf Vollzeit-Redakteure wurden zum Start benannt, freie Autoren sollen das Netzwerk von Korrespondenten auf der ganzen Welt erweitern.

Doch welche Art von Artikeln finden zahlende Leser auf der Plattform? Die ersten vier Texte zum Start umfassten einen 13 000-Zeichen-Bericht eines Autors über seine Depression und wie die Gesellschaft mit psychischen Erkrankungen umgeht, ein neurowissenschaftlich angehauchtes Stück darüber, wie die ersten 1000 Tage des Lebens einen Menschen prägen, und eines über „Othering“, also das, was passiert, wenn man andere etwa aufgrund des Geschlechts, der Religion oder der ethnischen Zugehörigkeit ausgrenzt. In einem weiteren Artikel beschreibt ein Journalist, wieso es einem nicht egal sein kann, wenn Wirbelstürme die Bahamas verwüsten, und inwiefern der Klimawandel auch eine zwischenmenschliche Komponente in sich trägt. Der Verfasser, Klima-Korrespondent Eric Holthaus, ist ehemaliger Kolumnist des „Wall Street Journal“ und der einzige feste Autor mit Sitz in den Vereinigten Staaten.

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Gemeinsam haben all diese Artikel, dass sie Themen behandeln, deren Dringlichkeit dem Leser wohl eher auf den zweiten Blick einleuchtet. Hier deutet sich tatsächlich an, dass „The Correspondent“ sich nicht zuvorderst den Schlagzeilen widmet und wenn es um ein aktuelles Thema geht – Stichwort Klimawandel, versucht wird, diesem einen neuen Dreh zu geben. Was zum Auftakt völlig fehlt, sind exklusive Enthüllungsgeschichten. In den Texten selbst werden Quellen und weiterführende Artikel verlinkt, im Kommentarbereich reagieren die Autoren auf Rückmeldungen der Community. Die Leser, so die Vision, sollen sich selbst einbringen können, mit der Redaktion interagieren und ihre Expertise zu bestimmten Themen beisteuern.

Es wird spannend sein zu beobachten, wie groß der Bedarf für ein solches Angebot auf dem umkämpften Markt ist. Gründer Rob Wijnberg jedenfalls ist euphorisiert, die ersten Rückmeldungen der Mitglieder seien positiv: „Es fühlt sich wirklich unglaublich an, solch engagierte Leser aus der ganzen Welt zu haben.“

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