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FAZ.NET-Tatortsicherung : Wie schnappt man einen Serienmörder?

Viele Tote und mindestens genauso viele Fragezeichen: Hauptkommissar Stedefreund (Oliver Mommsen) im Morgengrauen Bild: Radio Bremen

Im neuen Bremer „Tatort“ ergötzt sich ein brutaler Serienkiller am Anblick seiner totgefahrenen Opfer. Was hat es mit seinem mörderischen Vehikel auf sich? Und ist das ein Fall fürs BKA? Wir haben nachgefragt.

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          Ihr Ende als Bremer „Tatort“-Duo naht, doch dieser Fall wirkt nicht so, als sollten es Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) bis dahin ruhiger angehen lassen. Sie haben es mit dem unauffälligen Lackierer Kristian Friedland (Moritz Führmann) zu tun, der einer mörderischen Obsession folgt: Zu später Stunde steigt er in sein Auto und fährt Menschen tot. Weil er das makabre Spiel mit einem sexuellen Fetisch verbindet, überfährt er seine Opfer gleich mehrfach. Dabei beobachtet er sie durch ein Plexiglas, das am Unterboden seines Fahrzeugs eingebaut ist.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Die Kripo ist sofort alarmiert, doch die Ermittlungen erweisen sich als zäh. Nicht nur das undurchsichtige Agieren von Friedlands Eltern sorgt für Rätselraten. Auch seine mörderische Lust, die mit jedem Toten immer größer zu werden scheint, setzt die Ermittler unter Druck. „Lautlos wie ein Hai“ pirscht sich Friedland dabei jedes Mal aufs Neue an seine Opfer heran. Um ungestört und unsichtbar agieren zu können, hat er sein Fahrzeug mit Schalldämpfer und Elektromotor umgerüstet. Zudem hat „der Täter versucht, ein Gemisch aus radarabweisenden Materialien in eine flüssige Form zu bringen, um sie als sogenannte Stealth-Farbe auf sein Auto zu sprühen“, wie es im Film heißt. Ging die Fantasie mit den Drehbuchautoren durch? Wir haben mit Experten gesprochen, auch über das Vorgehen von Polizei und BKA.

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          Frage 1: Was genau hat es mit der Stealth-Technik auf sich?

          Auf nächtlicher Todesfahrt: Kristian Friedland (Moritz Führmann).
          Auf nächtlicher Todesfahrt: Kristian Friedland (Moritz Führmann). : Bild: Radio Bremen/Michael Ihle

          Antwort von Prof. Dr.-Ing. Kurosch Rezwan (Leiter des Fachbereichs Keramische Werkstoffe und Bauteile, Universität Bremen):

          Mit Stealth-Techniken oder Tarnkappentechniken sollen Objekte für gewisse Wellenlängen quasi unsichtbar gemacht werden. Dazu muss das jeweilige Objekt durch Form- oder Materialeigenschaften die Wellen möglichst absorbieren und/oder streuen. Diese Wellen können zum Beispiel im Radar- oder Schallwellenbereich liegen. Die aktuelle Forschung beschäftigt sich sogar mit sichtbarem Licht im Rahmen von „Metamaterialien“. Bekannt sind solche Techniken vor allem aus militärischen Anwendungen.

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          Frage 2: Kann der Versuch gelingen, die Materialien in flüssiger Form aufs Auto zu sprühen?

          Antwort von Prof. Dr.-Ing. Kurosch Rezwan:

          Ob Radarwellen absorbiert oder gestreut werden, hat tatsächlich unter anderem mit der Beschichtungsart und -dicke zu tun. Diese Beschichtungen werden zum Teil durch Sprühtechniken aufgebracht. Somit ist es grundsätzlich denkbar, dass zum Beispiel Suspensionen (feste Nanopartikel in einer Flüssigkeit dispergiert) direkt aus der Sprühflasche verwendet werden, um eine radarabsorbierende und/oder -streuende Beschichtung auf ein Auto aufzubringen. Diese müsste allerdings durch mehrere Sprühvorgänge ganz genau auf die zu umgehende Radarwellen abgestimmt sein und ist nicht so ohne weiteres zu bewerkstelligen. Hat man das Problem der Beschichtung gelöst, muss man auch den oben genannten Punkt der Objektform berücksichtigen. Die Formen von Autos sind normalerweise strömungs-, aber natürlich nicht radaroptimiert. Daher ist es stark zu bezweifeln, dass das Auto dann tatsächlich für die Radarwellen „unsichtbar“ bleibt.

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          Nach ersten Morden in den vergangenen Monaten hat der Täter schließlich „einen Lauf“, wie man bei der Kripo feststellt. Gleich mehrfach schlägt er binnen kürzester Zeit zu. Bei der Polizei laufen die Ermittlungen auf Hochtouren, Wohnung und Elternhaus des Verdächtigen werden durchsucht, am Ende sogar observiert – das halbe Polizeirevier ist involviert, könnte man meinen.

          Frage 3: Zu welchen besonderen Maßnahmen greift die Kripo in besonders schweren Fällen? Welche Dienststellen sind beteiligt?

          Kooperationsresistent, aber mit schwindenden Kräften: das Ehepaar Friedland (Angela Roy und Rainer Bock).
          Kooperationsresistent, aber mit schwindenden Kräften: das Ehepaar Friedland (Angela Roy und Rainer Bock). : Bild: Radio Bremen

          Antwort von Nils Matthiesen (Polizei Bremen):

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