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FAZ.NET-Tatortsicherung : Wie schnappt man einen Serienmörder?

Die kriminalpolizeilichen Maßnahmen sind neben den polizeilichen Standards von Fall zu Fall verschieden. Es geht vor allem darum, eine nächste Tat zu verhindern. Bei Kapitaldelikten werden die Ermittlungen von der Mordkommission (MoKo) geführt. Zu ihr gehören Ermittler, die sich mit Branddelikten und Vermissten beschäftigen und die bei größeren Fällen mit herangezogen werden. Falls die Ermittlungen ins Leere laufen und es für die MoKo keine Ermittlungsansätze mehr gibt, können Kräfte aus allen Bereichen der Polizei Bremen tätig werden, etwa  Ermittler der operativen Fallanalyse (sogenannte „Profiler“). Es kann auch Unterstützung aus anderen Sachgebieten geben, zum Beispiel der Verkehrsdirektion. Das zeigt ein Fall vom Juni vergangenen Jahres, in dem ein Unfall als versuchtes Tötungsdelikt eingestuft wurde (POL-HB: Nr.: 0325). Aufgrund der Schwere der Tat und insbesondere wegen des äußerst grob verkehrswidrigen Verhaltens des Unfallverursachers haben hier Polizei und Staatsanwaltschaft Bremen Ermittlungen eingeleitet.

Durch diese Einstufung des Deliktes hat dabei die Mordkommission in enger Zusammenarbeit mit dem Verkehrskommissariat die Ermittlungen übernommen. Parallel dazu ermittelt die Polizei weiter unter Hochdruck mit dem Ziel, schnellstmöglich den flüchtigen Unfallverursacher zu fassen und der Tat zu überführen. Der flüchtige Unfallwagen konnte bislang noch nicht aufgefunden werden.

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Doch damit nicht genug. Wie schon in den vorherigen Ausgaben des Bremer „Tatort“, erhält die Kripo auch diesmal wieder Verstärkung in Person der forschen Linda Selb (Luise Wolfram) vom BKA. Sie mischt bei den Ermittlungen kräftig mit, beteiligt sich an den Durchsuchungen und knackt den Sicherheitsschlüssel eines Chatrooms, auf dem der Verdächtige Spuren hinterlassen hat.

Frage 4: Ist das BKA im realen Ermittlungsalltag involviert, wenn es um die Suche nach Serienmördern geht?

Immer dabei, obwohl sie strenggenommen bei den Bremer Kommissaren dauerhaft nichts zu suchen hat: Linda Selb vom BKA (Luise Wolfram)
Immer dabei, obwohl sie strenggenommen bei den Bremer Kommissaren dauerhaft nichts zu suchen hat: Linda Selb vom BKA (Luise Wolfram) : Bild: Radio Bremen

Antwort von Sandra Clemens (Bundeskriminalamt):

Nein. Ermittlungen in Todesfällen – Mord, Totschlag, und so weiter – werden in der Zuständigkeit der Landespolizeibehörden geführt.

Aber wann schaltet sich das BKA dann ein, wenn schon nicht bei derart schwerwiegenden Fällen?

Antwort von Sandra Clemens:

Das BKA schaltet sich in dem Sinne nicht ein, sondern wird von einer Landespolizeibehörde ersucht oder einer Staatsanwaltschaft beauftragt. Bei Tötungsdelikten ist dies praktisch nie der Fall. Möglich ist jedoch, dass Unterstützung durch das BKA von den Landespolizeibehörden angefordert wird. Beispiele sind bestimmte kriminaltechnische Untersuchungen oder bei Todesfällen die polizeiliche Fallanalyse. Die Ermittlungsführung bleibt jedoch auch dann bei der Landespolizeibehörde. Ansonsten nimmt das BKA polizeiliche Aufgaben auf dem Gebiet der Strafverfolgung wahr, wenn es um Fälle des international organisierten, ungesetzlichen Handels mit Waffen, Munition, Sprengstoffen, Betäubungsmitteln oder Arzneimitteln sowie der international organisierten Herstellung oder Verbreitung von Falschgeld geht, die eine Sachaufklärung im Ausland erfordert. Das schließt international organisierte Geldwäsche ein.

Darüber hinaus wird das BKA tätig in Fällen von Straftaten, die sich gegen Leben oder Freiheit von Bundespräsident, Mitgliedern der Bundesregierung, des Bundestages und des Bundesverfassungsgerichts oder Gästen der Verfassungsorgane des Bundes aus anderen Staaten oder Leitern und Mitgliedern der bei der Bundesrepublik Deutschland beglaubigten diplomatischen Vertretungen richten – wenn anzunehmen ist, dass der Täter aus politischen Motiven gehandelt hat und die Tat bundes- oder außenpolitische Belange berührt.

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Frage 5: Ist das BKA denn mit Befugnissen ausgestattet, welche die Kripo nicht besitzt?

Antwort von Sandra Clemens:

Grundsätzlich nicht. Innerhalb von Ermittlungsverfahren richten sich die polizeilichen Maßnahmen in der Regel nach der Strafprozessordnung, die gleichermaßen für alle Bundes- und Landespolizeien gilt.

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