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„Tatort“ aus Hamburg : Vergiftete Gesellschaft

Angriff der Öko-Zombies: Julia Grosz (Franziska Weisz) sprengt das Treffen der Dorfgemeinschaft. Bild: ARD/Christine Schroeder

Irgendwas stimmt hier nicht: Der „Tatort. Böser Boden“ ist ein Zombie-Umwelt-Thriller ohne Zombies – dafür mit einer niedersächsischen Provinz, in der jeder „dasselbe Handtuch“ zu benutzen scheint.

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          „Irgendetwas stimmt hier nicht.“ Eigentlich dürfte es keinen Krimi mehr ohne diese rührende wie komplett überflüssige Dialogzeile geben. Im „Tatort Böser Boden“ – wo eben nicht alles stimmt und doch manches stimmig ist – ist es Wotan Wilke Möhring als Thorsten Falke, der diese Erkenntnis nach knapp einer Stunde verkündet. Tatsächlich aber ist die Zeile an dieser Stelle der Verweis auf ein härteres Filmgenre, den Horrorfilm. Dort dient die englische Entsprechung – „something is wrong here“ – meist der gezielten Untertreibung des unbekannten Übels. Derjenige, der den Satz spricht, stirbt meist wenige Minuten später.

          Axel Weidemann
          Redakteur im Feuilleton.

          Doch der „Tatort“, in dem die Ermittler Thorsten Falke und Julia Grosz (Franziska Weisz) sich in der Nähe von Hamburg mit einem Umweltskandal und dessen Folgen beschäftigen, hält sich in Sachen Gewalt zurück. Gemeinsam mit dem Autor Georg Lippert hat Martin Kren mit seinem Drehbuch jedoch dafür gesorgt, dass es einige Elemente aus dem Schockergenre in den Film geschafft haben.

          Kren hat sich vor allem mit dem ausgezeichneten Reihenhaus-Zombie-Reigen „Rammbock“ sowie dem opulenten Horrorfilm „Blutgletscher“ einen Namen gemacht. Beim „Tatort“ bleibt Kren an der kurzen Leine – obgleich die Reihe zuletzt schon mit der Frankfurter Episode „Fürchte dich“ einen mehr als gewagten Gruselgenre-Ausflug inszeniert hat.

          Der Tote, der eingangs vor dem abgesicherten Gelände einer Frackinganlage gefunden wird, kam als hochqualifizierter Einwanderer nach Deutschland. Falke und Grosz dürfen sich nun in der Umgebung von Geesthacht, Barsbüttel-Willinghusen, Uetze-Dollbergen und Hambühren mit dem niedersächsischen Kiefernwald und dessen verschrobenen Bewohnern (Axel Neumann wie immer in seiner Paraderolle) sowie den Autochthonen aus der Provinz auseinandersetzen, um den Mordfall aufzuklären. Zudem muss Falke noch seinen entlaufenen Sohn einfangen.

          Den beiden schnoddrigen Nordlichtern dabei zuzuschauen macht Spaß, auch weil die Kamera (Oliver Maximilian Kraus) sich unter der Regie von Sabine Bernardi viel Mühe gibt, Szenen nicht immer durch die üblichen Reiz-Reaktions-Nahaufnahmen aufzulösen. Irgendwann freilich kippt das Ganze ein wenig ins Überdrehte. Dann bedrängen niedersächsische Dorfbewohner die iranischen Verwandten des Toten mit leerem Blick als – hier noch zurückhaltendes – Zombiekollektiv. Falke beschreibt es zutreffend: „Die sehen alle aus, als würden sie dasselbe Handtuch benutzen.“ Wenn wie hier provinzielle „Öko-Nazis“ gegen Einwanderer in Stellung gebracht werden und beide durch den „bösen Boden“ aufgestachelt sind, dann will der Tatort mit Blick auf die hitzige Debatte um Zuwanderung selbstverständlich mehr erzählen als einen Umweltskandal. Das könnte besser funktionieren.

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