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FAZ.NET-Tatortsicherung : Wie impulsiv dürfen Polizisten sein?

  • -Aktualisiert am

Kommissarin Ellen Berlinger (Heike Makatsch) befürchtet, dass ihr Neffe Jonas (Luis Kurecki) in einen Mordfall verwickelt sein könnte. Bild: SWR/Julia Terjung

Im neuen „Tatort“ aus Mainz suchen die Kommissare fieberhaft nach einer vermissten Sechzehnjährigen. Dabei vermischen sich zunehmend Polizeiarbeit und Familiendrama. Wie realistisch ist das?

          Als die Mainzer Ermittler auf einen blutverschmierten Pullover in der Altkleidersammlung stoßen, wissen sie zunächst nicht, was sie damit anfangen sollen. Doch dann verschwindet die 16 Jahre alte Marie spurlos und schnell ist klar: das Blut auf dem Pullover ist ihres.

          Hauptkommissarin Ellen Berlinger (Heike Makatsch) und ihr Kollege Martin Rascher (Sebastian Blomberg) vermuten eine Verbindung zum Fall eines Kindsmörders, der vor Jahren in Mainz sein Unwesen trieb. Berlinger ist zusätzlich beunruhigt, weil der Pullover ihrem 13 Jahre alten Neffen Jonas gehören könnte, der nach einem Ausflug mit Freunden abgetaucht ist. Als Maries Leiche gefunden wird, muss sich Ellen fragen, ob ihr Neffe in einen Mordfall verstrickt ist.

          Der neue „Tatort“ im Realitätstest.

          ***

          Frage 1: Im „Tatort“ taucht ein blutiger Kapuzenpullover in der Altkleidersammlung auf. Die Kommissare finden schnell heraus, dass es sich um menschliches Blut handelt und nicht um das von einem Tier. Sie berufen sich dabei auf die Ergebnisse eines Hämoglobin-Tests. Was ist ein Hämoglobin-Test und wie läuft das Verfahren ab?

          Der Pullover aus der Altkleidersammlung ist für Kommissar Martin Rascher (Sebastian Blomberg) der wichtigste Anhaltspunkt bei der Suche nach Marie. Als sie verschwunden bleibt, zeigt er das Kleidungsstück ihrer Mutter (Kathleen Morgeneyer).

          Antwort von Marcel Verhoff (Direktor des Instituts für Rechtsmedizin der Universitätsklinik Frankfurt):

          Beim Hämoglobin-Test handelt es sich um einen Vortest zur DNA-Analyse. Alle diese Vortests sind aber nur beschränkt aussagekräftig. So viel ist klar: Wenn es sich um eine große Menge Blut handelt, kommt zumindest ein einzelnes Kleintier nicht in Betracht. Davon abgesehen geht die reguläre DNA-Analyse ja mittlerweile relativ schnell, sodass nicht viel Zeit vergeht, bis man ein endgültiges Ergebnis hat.

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          Frage 2: Am Anfang der Folge verhört die Kommissarin Ellen Berlinger einen Verdächtigen. Der Mann gibt ein Geständnis ab, aber sie glaubt ihm nicht und will es nicht annehmen. Geht das so ohne weiteres?

          Die rätselhaften Umstände rund um das Verschwinden von Marie lassen Ellen Berlinger (Heike Makatsch) keine Ruhe. Erst recht nicht, als ihr Neffe darin verwickelt zu sein scheint.

          Antwort von Christian Soulier (Leiter der Mordkommission Trier und Landesvorsitzender des Bunds Deutscher Kriminalbeamter, Rheinland-Pfalz):

          Ja klar geht das. Wenn jemand von sich behauptet, er sei der Täter, dann fragt man ja automatisch nach Details zur Tat. Und wenn der vermeintliche Täter die nicht kennt, dann weiß man, dass jemand ein falsches Geständnis abgibt.

          Die Konsequenz bei einem Geständnis, zum Beispiel bei einem Tötungsdelikt, ist ja, dass der Täter in Untersuchungshaft geht. Wenn man jetzt als Ermittler überzeugt ist, dass er es nicht gewesen sein kann und auch die Staatsanwaltschaft davon überzeugt ist, kommt die Person gar nicht erst in Haft. Der Verdächtige wird freigelassen und man ermittelt weiter.

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          Frage 3: In dieser Folge trifft Kommissarin Berlinger eine Reihe kontroverser Entscheidungen. Als etwa ihr Neffe in dem Mordfall verdächtigt wird, befragt sie ihn selbst. Darf sie das überhaupt?

          Berlingers Neffe Jonas (Luis Kurecki, vorne) spricht nicht viel und hat kaum Freunde, hilft aber seinem älteren Mitschüler Max (Paul Michael Stiehler) bei den Mathehausaufgaben.

          Antwort von Christian Soulier:

          Grundsätzlich ist es so, dass Hauptermittler in einem Delikt nicht mit den Verdächtigen verwandt sind. Darauf legen wir großen Wert, um angehörige Beamte aus der ganzen Problematik herauszuhalten. Denkbar ist allerdings, dass, wenn der Angehörige vernommen wird und nichts sagt, der Beamte mal reingeht und im Zuge eines Gesprächs versucht, den Verwandten vielleicht doch zu einer Aussage zu überreden. Das wäre aber ein Ausnahmefall.

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          Frage 4: Als Maries Eltern einen Erpresserbrief erhalten, planen die Kommissare eine Lösegeldübergabe. Als die Entführer fordern, das Geld in einer Plastiktüte in einem Schließfach am Bahnhof zu deponieren, sagt die Kommissarin, dass man Geld nicht so gut präparieren könne, wenn es in einer Plastiktüte übergeben wird. Stimmt das? Wenn ja, worin bestehen die Probleme? Und wie wird Geld normalerweise präpariert?

          Nach einer Party mit ihren Klassenkameraden verschwindet die 16-jährige Marie Blixen (Aniya Wendel) spurlos.

          Antwort von Hartmut Staudt (Abteilungsleiter Ermittlungen beim Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz):

          Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Geld zu präparieren, aber dazu kann ich aus taktischen Gründen nichts Genaueres sagen. Da würden wir uns unserer eigenen Möglichkeiten berauben. Aber eine Plastiktüte ist schwierig, wenn zum Beispiel nur Papier und kein richtiges Geld drin sein sollte. In dem Fall könnte ein Erpresser den Unterschied fühlen und das Risiko, dass die Sache auffliegt, ist größer. Bei Lösegeldübergaben wird man als Ermittler eher zu anderen Möglichkeiten greifen.  

          ***

          Frage 5: Als Berlinger und Rascher den Lösegeld-Erpresser aufspüren, hält ihn Berlinger unter kaltes Wasser, um ihn zum Reden zu bringen. Rascher meint daraufhin : „Einmal noch so eine Sache und ich muss dich melden.“ Wann muss man einen Kollegen melden - und was wären Konsequenzen bei einem derart fraglichen Verhalten?

          Die Kommissare Rascher (Sebastian Blomberg) und Berlinger (Heike Makatsch) geraten immer wieder aneinander. Der Grund sind oft Berlingers unüberlegte Entscheidungen.

          Antwort von Hartmut Staudt:

          Das Verhalten mit dem Wasser hätte sowohl strafrechtliche als auch disziplinarische Konsequenzen. Strafrechtlich wäre es Körperverletzung im Amt, Nötigung und Aussageerpressung. Disziplinarisch würde die Kollegin ebenfalls in größere Schwierigkeiten kommen. Wenn es entsprechend schwerwiegend ist, kann so ein Verhalten bis zur Entfernung aus dem Dienst führen. Das ist keine Lappalie, man sollte als Polizeibeamter ganz einfach die Finger von solchen Maßnahmen lassen.

          Ab wann sich Kollegen gegenseitig melden müssen, ist eine Grauzone. Wenn so etwas wie der oben beschriebene Fall passiert, dann ist der Kollege in der Pflicht, das zu melden. Ob er jetzt eine Strafanzeige schreibt oder das dem Vorgesetzten meldet – er wird nicht darum herumkommen, es sei denn, die beiden sind sich einig und verheimlichen es.

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