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FAZ.NET-Tatortsicherung : Wohin gehört ein traumatisiertes Kind?

Familiendrama: die achtjährige Anna (Julie-Helena Sapina) und ihr Onkel Gunnar (Stephan Szász) Bild: WDR/Martin Valentin Menke

Der erste „Tatort“ nach der Sommerpause beginnt düster: Ein Mädchen wird Zeuge eines Doppelmords in der eigenen Familie. Ein klarer Fall für die Kinderpsychologie? Wir haben nachgefragt.

          3 Min.

          Bei Familie Habdank ist nicht alles in bester Ordnung. Nach der Ermordung von Mutter Freya (Andrea Kratz) und dem jüngstem Sohn rückt deshalb auch Vater Sven (Alexander Beyer) ins Visier der Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär). Das macht die Situation für die achtjährige Tochter Anna (Julie-Helena Sapina) nicht leichter, die den Mord hautnah miterlebt hat.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          ***

          Im Film wird ein achtjähriges Mädchen Zeuge, wie mitten in der Nacht seine Mutter und sein kleiner Bruder ermordet werden. Der Täter bemerkt es nicht und flieht. Das Mädchen, traumatisiert und unter Albträumen leidend, kommt dann zu Tante und Onkel, die sich trotz finanzieller Unsicherheiten gut um es kümmern. Auch der Vater sorgt sich im Rahmen seiner Möglichkeiten um sie. Im Polizeipräsidium diskutiert man nun über den Vorschlag der Psychologin, das Mädchen in der Kinderpsychologie stationär behandeln zu lassen.

          Frage 1: Ist das in solchen Fällen eine übliche Option?

          Wohin mit Anna? Die Kommissare sind uneins.
          Wohin mit Anna? Die Kommissare sind uneins. : Bild: WDR/Martin Valentin Menke

          Antwort von Dirk Weber (Polizeipräsidium Köln):

          Wenn wir merken, dass ein achtjähriges Mädchen traumatisiert ist, nehmen wir sofort Kontakt zu einem kinderpsychologischen Dienst auf. Der allein entscheidet darüber, was mit dem Kind passiert. Wenn der Psychologe eine stationäre Behandlung anordnet, nehmen wir Kontakt zu Partnern auf, die dies in die Wege leiten. Dann kommt das Kind unverzüglich in die Behandlung. Wir Polizisten sind keine Fachärzte und maßen uns nicht an, über das Urteil des Psychologen zu diskutieren.

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          Frage 2: Mit wie viel zeitlichem Abstand zur Tat ist die Vernehmung eines Kindes üblich?

          Das Mädchen leidet unter Albträumen. Tante Hilde tut alles in ihrer Macht stehende, Onkel Gunnar vorgeblich auch.
          Das Mädchen leidet unter Albträumen. Tante Hilde tut alles in ihrer Macht stehende, Onkel Gunnar vorgeblich auch. : Bild: WDR/Martin Valentin Menke

          Antwort von Dirk Weber (Polizeipräsidium Köln):

          Der Zeitpunkt richtet sich nach der geistigen und körperlichen Verfassung des Kindes. Auch hier ist das Votum des Psychologen entscheidend. Denn es gilt zu beachten, dass durch die Vernehmung eine sogenannte Zweit-Traumatisierung drohen kann – mit schlimmen Folgen für das Opfer. Deshalb müssen wir bedacht und vorsichtig vorgehen und dürfen einem Menschen durch die Vernehmung nicht zusätzlichen Schaden zufügen. Zudem können wir durch eine zu frühe Vernehmung juristische Probleme bekommen, weil der Angeklagte die Aussage des Opfers anzweifeln kann.

          ***

          Themenwechsel. Zumindest über den Tathergang und die Mordwaffe scheint schnell Klarheit zu herrschen. Von Gerichtsmediziner Dr. Joseph Roth (Joe Bausch) erfahren die Kommissare, dass das Opfer zunächst mit einem stumpfen, schweren Gegenstand niedergeschlagen worden sein muss. Auf dem Boden liegend habe der Täter dann zugestochen.

          Frage 3: Der Rechtsmediziner stellt schnell fest, dass das verstorbene Opfer fünf Stiche ins Herz erlitten hat, davon zwei mit tödlichem Ausgang. Bei der Waffe handele es sich um ein Fahrtenmesser mit einseitig geschliffener Klinge, dreizehn Zentimetern Länge und leichter Biegung. Lässt sich die Tatwaffe in der Realität derart leicht bestimmen?

          Kühler Kopf in kalter Umgebung: Gerichtsmediziner Dr. Joseph Roth ist schnell im Urteil.
          Kühler Kopf in kalter Umgebung: Gerichtsmediziner Dr. Joseph Roth ist schnell im Urteil. : Bild: WDR/Martin Valentin Menke

          Antwort von Dr. Thomas Kamphausen (Leiter des Bereichs Forensische Bildgebung an der Uniklinik Köln, Institut für Rechtsmedizin):

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