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Tatort-Sicherung : Tödlicher Fight Club in Dortmund?

  • -Aktualisiert am

Bis einer stirbt: Im neuen Dortmunder „Tatort“ kommen die Ermittler einem illegalen „Fight Club“ auf die Spur. Bild: WDR/Thomas Kost

Männer, die aufeinander einprügeln, bis einer stirbt: Im neuen „Tatort – Tod und Spiele“ aus Dortmund kommen Bönisch, Faber und Co. brutalen Boxkämpfen auf die Spur. Ein realistischer Plot aus dem Ruhrpott?

          Das Dortmunder Tatort-Team um die Hauptkommissare Martina Bönisch (Anna Schudt) und Peter Faber (Jörg Hartmann) wird in eine verlassene Industriehalle gerufen. Dort liegt in einer Werksgrube ein bis auf die Knochen verbranntes Skelett. Der Endzwanziger muss während seines kurzen Lebens zahlreiche schlecht verheilte Knochenbrüche erlitten haben, so die Obduktion.

          Ein bei der Leiche gefundener Schlüssel gehört zu einem Hotelzimmer, wo der Mann noch bis vor kurzem gewohnt hat. Kommissarin Bönisch wird von Faber genötigt, sich undercover in das Hotel einzumieten. Der Kontakt zu einem zwielichtig erscheinenden russischen Oligarchen, der dort logiert, bringt die Ermittler dann tatsächlich auf die richtige Spur. Denn er lädt Bönisch zu einem sogenannten „Bare-Knuckle“-Kampf ein.

          Da das Kämpfen ohne Bandagen oder Boxhandschuhe ein hohes Verletzungsrisiko birgt, ist es in Deutschland verboten. Umso reizvoller scheint es im Film für schwerreiche Menschen zu sein, diese illegalen Kämpfe zu besuchen und hohe Geldsummen auf den Tod der Kämpfer zu setzen.

          Doch gibt es diese Kämpfe im Untergrund, wie in „Tod und Spiele“ beschrieben, in Dortmund tatsächlich? Und ist es wirklich so leicht, einen toten Kämpfer einfach bis zur Unkenntlichkeit zu verbrennen? Wir haben Fachleute gefragt.

          ***

          Kommissarin Bönisch: „Wurde hier eine Leiche verbrannt oder ein Mensch?“ – Kommissar Faber: „Sie meinen lebendig? Naja. Am Stück verbrennt doch kein Mensch so rückstandslos, oder?“ – Rechtsmedizinerin Dr. Leitner: „Da haben Sie recht.“ (Minute 2)

          Frage 1: Wie viel bleibt von einem menschlichen Körper übrig, wenn er verbrannt wird?

          Ist Kampfsport-Trainer Abuzar Zaurayev-Schmidt (Surho Sugaipov) das nächste Todesopfer, dass die Veranstalter entsorgen müssen?

          Antwort von Dr. Ralf Zweihoff (Leiter des Instituts für Rechtsmedizin der Stadt Dortmund):

          Dass an den Extremitäten das Fleisch bis auf die Knochen verbrennt, sieht man auch schon bei niedrigeren Temperaturen. Damit jedoch die inneren Organe vollständig zu Asche verbrennen, braucht es sehr hohe Temperaturen, etwa 800 bis 1.000 Grad. Eine solche Temperatur wird nur in einem Hochofen erzielt, also in der Industrie oder einem Krematorium. Selbst wenn die Leiche mit Brandbeschleunigern übergossen wird, sind die Temperaturen nicht hoch genug, um die inneren Organe vollständig zu Asche zerfallen zu lassen. Knochen verbrennen aber in der Tat nicht vollständig. Wenn Verstorbene beispielsweise kremiert werden, müssen die übriggebliebenen Knochen nach der Feuerbestattung noch in einer Knochenmühle zermahlen werden. Derart rückstandslos, wie es hier im Film geschildert wird, kann eine Leiche also wie gesagt nur bei hohen Temperaturen verbrennen. Und ich bezweifle, dass die Täter, selbst wenn sich der Fall ja hier im Ruhrpott abspielt, Zugriff auf einen Hochofen hatten.

          ***

          Dr. Leitner: „Das Opfer war männlich, Einssiebzig, Anfang 30.“ – Kommissar Faber: „Vorher zersägt?“ – Dr. Leitner: „Er war schon tot.“ – Kommissar Faber. „Und woran starb er genau?“ – Dr. Leitner: „Tiefe, acht Zentimeter große, zersplitterte Kompressionsfraktur, hochparietal, links der Schädelkalotte. Fraktur des Schädelknochens als mögliche Todesursache, definitiv nicht postmortal. (Minute 12)

          Frage 2: Wenn ein Körper bis auf die Knochen verbrannt ist, kann man dann Alter, Geschlecht und Todesart noch derart eindeutig feststellen, wie es der „Tatort“ suggeriert?

          Multimillionär Oleg Kombarow (Samuel Finzi) gibt sich „nur“ als unbeteiligter Zuschauer aus - die Ermittler glauben jedoch, dass er der Organisator der illegalen Kämpfe ist.

          Antwort von Dr. Ralf Zweihoff

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