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Tatort-Sicherung : Wie verlässlich sind Blutspuren?

  • -Aktualisiert am

Ermitteln wieder im Grenzland: Olga Lenski (Maria Simon) sowie ihre Kollegen Adam Raczek (Lukas Gregorowicz, rechts) und Wolfgang Neumann (Fritz Roth) Bild: rbb/Oliver Feist

Der Tod eines Au-pair-Mädchens führt im neuen „Polizeiruf 110“ zum Wiederaufrollen eines alten Vermisstenfalles im deutsch-polnischen Grenzgebiet. Wie realistisch war die Folge? Wir haben nachgefragt.

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          Nachdem das 19 Jahre alte Au-pair-Mädchen Paula Borchert ihren freien Nachmittag an der Oder verbracht hat, kommt sie nicht mehr nach Hause. Wenige Tage und eine Vermisstenmeldung später findet die Polizei ihre Leiche erstickt im Fluss – der Badeausflug wurde der jungen Frau zum Verhängnis.

          Die Ermittlungen in dem Mordfall führen die beiden Kommissare Olga Lenski (Maria Simon) und Adam Raczek (Lucas Gregorowicz) zunächst zum Arbeitgeber des Opfers, dem alleinerziehenden Vater Leo Heise (Jan Krauter) und dessen Vater Gerd (Götz Schröder). Leo Heise ist nach seiner Scheidung wieder bei den Eltern eingezogen, Paula Borchert unterstützte ihn im Haushalt und passte auf seine Töchter auf. Dennoch wirken besonders Heises Eltern unzufrieden mit ihr. Sie schildern den Ermittlern, dass Borchert alles andere als eine mustergültige Au-pair war – sie ging abends gerne aus, verschlief deswegen die Vormittage und "hatte ihren Kopf immer woanders". Weder Gerd noch Leo Heise haben ein wasserdichtes Alibi. 

          Eine alte Spur führt die Ermittler schließlich nach Polen zu einem alten Fall. Vor 15 Jahren verschwand die polnische Schülerin Julia Sikorska spurlos aus ihrem Internat in Berlin. Ihr Vater zeigte daraufhin Gerd Heise an, der das Mädchen vor ihrem Verschwinden sexuell belästigt haben soll. Die Ermittlungen im Fall Sikorska wurden mangels Beweisen eingestellt, doch die Kommissare fragen sich, ob die beiden Fälle zusammenhängen.

          Der Sonntagabendkrimi im Realitätstest.

          ***

          Frage 1: Paula Borchert kommt aus Deutschland und absolviert ihren Au-pair-Aufenthalt  quasi "zu Hause", statt ins Ausland zu gehen. Kommt das in der Praxis oft vor? Und was sind die beliebtesten Ziele junger Au-pair-Interessenten aus Deutschland?

          Adam Raczek informiert das Ehepaar Heise (Lina Wendel und Götz Schubert) über den Leichenfund

          Antwort von Ann-Kristin Cohrs (Managing Director der Agentur AuPairWorld in Kassel):

          Ziel eines Au-pair-Aufenthaltes ist der gemeinsame kulturelle Austausch, von dem beide Seiten, also Gastfamilie und Au-pair, profitieren. Aus diesem Grund zählt die Kinderbetreuung im eigenen Land aus unserer Sicht nicht als Au-pair-Aufenthalt. Eine Deutsche würde im eigenen Land weder eine neue Sprache noch eine fremde Kultur kennenlernen. Soweit wir wissen, kann eine Deutsche in Deutschland auch offiziell gar nicht als Au-pair "eingestellt" werden, es würde sich dann eher um eine Art Minijob oder Beschäftigung als Babysitter oder Kindermädchen handeln.

          Wir denken auch nicht, dass es wirklich oft vorkommt. Sicher gibt es den ein oder anderen Fall, aber Au-pair im eigenen Land ist nicht die Regel. Die meisten Deutschen, die bei AuPairWorld nach einer Gastfamilie suchen, möchten nach Großbritannien, Australien, in die Vereinigten Staaten, Spanien, Frankreich, Irland, Neuseeland, Kanada oder Italien.

          ***

          Frage 2:  Der Gerichtsmediziner meint, Paula Borcherts Leiche habe zwei bis drei Tage im Wasser gelegen und er habe deswegen keine DNA-Spuren mehr an ihrem Körper feststellen können. Wie lange "halten" sich DNA-Spuren, wenn eine Leiche im Wasser liegt?

          Fernseh-Rechtsmediziner Dr. Marian Kaminski (Tomek Nowicki) ist etwas ratlos.

          Antwort von Dr. Hartmut Fischer (Rechtsmediziner am Brandenburgischen Landesinstitut für Rechtsmedizin in Potsdam):

          Das hängt im Einzelfall sehr davon ab, welche "Qualität" die Spur hat. Kontaktspuren, wie im vorliegenden Fall unterstellt, sind flüchtiger als stärkere Übertragungen DNA-fähigen Materials durch Körperflüssigkeiten. DNA-fähiges Material kann außerdem durch Zersetzungsprozesse wie Fäulnis beeinträchtigt werden, unabhängig von der Lage einer Leiche im Wasser. Wasser selbst hat ebenfalls die Fähigkeit, Material und damit DNA-Spuren abzutragen.

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