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Tatort-Sicherung : Wann müssen Polizisten ins Bett?

  • -Aktualisiert am

Übermüdet: Die Kommissare Franziska Tobler (Eva Löbau) und Luka Weber (Carlo Ljubek) Bild: SWR

Müde tappen die Kommissare im neuen „Tatort“ aus dem Schwarzwald im Dunkeln. Wer hat die Siebzehnjährige und ihren Tennislehrer umgebracht? Der Sonntagabendkrimi im Realitätstest.

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          Kommissarin Tobler (Eva Löbau) und ihr Kollege Luka Weber (Carlo Ljubek) sind todmüde und völlig überarbeitet. Die beiden versuchen schon seit einer Weile, den Mord an einer Siebzehnjährigen und ihrem Tennislehrer aufzuklären.

          Eine Spur führt zum Bauarbeiter Peter Trelkovsky (Johann von Bülow), der in einem Bauwagen lebt und eine Vorliebe für Frauenunterwäsche hat. Doch je mehr die beiden Kommissare ihn in die Mangel nehmen, desto weniger haben sie, wie sich herausstellt, gegen ihn in der Hand.  

          Und dann ist da noch Jurastudent Damian (Thomas Prenn). Der ist ebenfalls völlig überarbeitet. Weber und Tobler nehmen den verwirrten Studenten nicht wirklich ernst. Ein fataler Fehler. Der Sonntagabend-Krimi im Realitätstest.

          ***

          Frage 1: Frau Richter von der polizeilichen Beratergruppe will sich einen Eindruck von der Arbeit von Tobler und ihrem Kollegen verschaffen, zur „Qualitätssicherung“. Gibt es diese Gruppe wirklich? Was macht die? Wie läuft „Qualitätssicherung“ bei der Polizei ab?

          Meike Richter (Nora Waldstätten) von der polizeilichen Beratergruppe wurde Cornelia Harms (Steffi Kühnert) zur Qualitätskontrolle an die Seite gestellt.

          Antwort von Horst Haug (Sprecher LKA Baden-Württemberg):

          Diese Beratergruppe gibt es, aber die machen keine Qualitätssicherung und heißen auch anders, nämlich „Beratergruppe für Fälle schwerster Gewaltkriminalität“. Das sind speziell ausgebildete Kollegen, die bei herausragenden Ereignissen wie Erpressungen, Geiselnahmen, Entführungen, Amoklagen oder ähnlichem den örtlichen Polizeiführern beratend zur Seite stehen. Dabei werden auch Psychologen in die Arbeit mit eingebunden. Qualitätssicherung erfolgt bei uns über die Koordinierungsstelle Sonderkommissionen. Da läuft aber keiner bei den Ermittlungen mit. Wir sammeln dann eher Informationen und beraten die entsprechenden SOKOs. Wenn es besondere Lagen gibt, dann nehmen wir auch Kontakt zu den Polizeiführern auf und teilen denen mit, mit welchen Mitteln wir sie unterstützen können. Aber letztendlich liegt die Verantwortung für die jeweiligen SOKOs bei Polizeipräsidium und Staatsanwaltschaft. Und da gibt es landesweit einheitlich geregelte Verfahren, die Qualitätsstandards sichern. Am Ende, wenn eine SOKO ihre Arbeit erledigt hat, wird natürlich auch ausgewertet, es gibt gemeinsame Besprechungen. Und natürlich schauen wir dann auch, was funktioniert hat, was wir beibehalten wollen und wo vielleicht noch Nachbesserungsbedarf ist. Das ist ein kontinuierlicher Prozess.

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          Frage 2: Weber und Tobler sind völlig überarbeitet. Die beiden halten sich mit Koffeintabletten wach und schlafen bei jeder sich bietenden Gelegenheit ein. Ist das überhaupt erlaubt? Wie sieht der Arbeitsschutz für Polizisten aus?

          Dunkle Angelegenheit: Das Ermittlerteam aus dem Schwarzwald macht Spätschicht

          Antwort von Martin Lamprecht (Leiter Öffentlichkeitsarbeit Polizei Freiburg):

          Auch bei der Polizei gibt es Regelungen für Ruhepausen. Da halten wir uns selbstverständlich an die europäischen Richtlinien für die Arbeitszeit. Das heißt, normal sind maximal zehn Stunden Dienst am Stück vorgesehen. Zwar wird immer so geplant, dass eine Ablösung rechtzeitig erfolgen kann, aber gerade bei Ad-Hoc-Lagen lässt sich das nicht immer gewährleisten. Also, ein Polizist wird nicht einfach vom Tatort nach Hause fahren, weil seine zehn Stunden Dienst zu Ende sind. Da muss schon der Nachersatz da sein. Und in Einzelfällen kann es dann eben vorkommen, dass die zehn Stunden überschritten werden, das lässt sich in solchen Situationen nicht vermeiden.

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