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Tatort-Sicherung : Schlafen Polizisten mit der Dienstwaffe unterm Kissen?

  • -Aktualisiert am

Entdeckt einen Kerker: Kommissarin Brasch (Claudia Michelsen) Bild: MDR/Stefan Erhard

Im neuen „Polizeiruf 110“ aus Magdeburg suchen die Ermittler einen Serientäter. Aber nicht nur diese Annahme ist fraglich. Wir haben den Fall mit Experten besprochen.

          3 Min.

          Auf einer verlassenen Industriebrache wird eine Frauenleiche gefunden. Das Opfer ist an den Unterschenkeln gefesselt. Kommissarin Brasch (Claudia Michelsen) und ihr Kollege Köhler (Matthias Matschke) vermuten einen Serientäter. Die Vermutung scheint sich zu bestätigen, als sie in der Datenbank einen ganz ähnlichen Fall entdecken.

          Brasch und Köhler suchen den damaligen Hauptverdächtigen Paul Schilling auf. Der betreibt mittlerweile als Pauline Schilling (Alessija Lause) einen Blumenladen. Schnell gerät Pauline abermals unter Verdacht.

          Doch auch der frühere Freund der Toten (Sven Schelker) gerät ins Visier der Ermittler. Offenbar hat er sie in seinem Keller gefangen gehalten. Je mehr sich Brasch und Köhler auf die beiden Hauptverdächtigen konzentrieren, desto mehr wird klar, dass sie auf der falschen Spur sind.

          Der Sonntagabendkrimi im Realitätstest:

          ***

          Frage 1: Lemp (Felix Vörtler), der Chef der beiden Kommissare, hadert mit seinem Job. Er behauptet, er schläft mit der Dienstwaffe unter dem Kopfkissen. Ist das überhaupt erlaubt? Was passiert mit Dienstwaffen nach Feierabend?

          Überstresst: Kriminalrat Lemp (Felix Vörtler)

          Antwort von Ilona Wessner (Sprecherin Polizei Magdeburg):

          Polizeibeamte in Magdeburg sind vom Waffengesetz ausgenommen und dürften eine Schusswaffe gemeinsam mit dem Dienstausweis auch außerhalb des Dienstes führen. Allerdings benötigen Sie einen Nachweis, dass sich in ihrer Wohnung oder ihrem Haus ein dem Waffengesetz entsprechendes Aufbewahrungsbehältnis befindet. Die Waffe unter dem Kopfkissen ist somit eher ein Mythos.

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          Frage 2: Paul Schilling, der Hauptverdächtige aus einem älteren, sehr ähnlichen Fall, lebt nach einer Operation als Pauline Schilling. Pauline beschreibt die Prozedur folgendermaßen: „Man entscheidet sich für die Größe und die Form der Schamlippen und dann wird das modelliert“. Eine angemessene Schilderung?

          Verdächtig: Pauline Schilling (Alessija Lause)

          Antwort von Katharina Hören (Sprecherin Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität e.V.):

          Nun, ja. Grundsätzlich hängen die Form und das Aussehen von der Operationsmethode und dem Können des Operateurs sowie des Heilungsprozesses ab. Dies ist natürlich auch von der Menge des vorhandenen Materials, sprich Penisschafthaut, Penisgröße, Hodensackhaut etc. abhängig. In der Regel findet eine solche Geschlechtsangleichung in zwei Sitzungen statt. In der ersten Sitzung wird der Penisschwellkörper entfernt, im Unterleib Platz für den Scheidengang geschaffen und dieser dann aus der Penishaut geformt. Anschließend wird dieser nach innen umgestülpt, so dass ein Scheidengang entsteht, und vernäht. Aus Teilen der Hodensack- und Penishaut werden dann die inneren und äußeren Schamlippen geformt. Die Klitoris wird aus der Peniseichel präpariert. Häufig wird noch eine zweite Sitzung nötig sein, um Verwachsungen oder Schönheits- und Funktionskorrekturen vorzunehmen. Erst in der zweiten Sitzung, die in der Regel frühestens zwölf Wochen nach der ersten erfolgt, können in der Regel Wünsche bezüglich des Aussehens geäußert werden. Inwieweit die realisierbar sind, entscheidet der Operateur. Unabhängig davon kann man natürlich weitere Schönheits-OPs vornehmen lassen, die allerdings keine Kassenleistung mehr sind.

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          Frage 3: Pauline hat sich von der Psychologin Dr. von Jagow begleiten lassen, die selbst Transgender ist, aber das Gutachten für eine Geschlechtsangleichung nicht bekommen hat. Was machen Menschen, wenn dieses Gutachten negativ ausfällt?

          Benimmt sich sonderbar vor Köhler und Wilke: Dr. von Jagow (Birge Schade)

          Antwort von Katharina Hören:

          Nachdem man für sich selbst festgestellt hat, dass man transident beziehungsweise transgender ist, begibt man sich normalerweise in einen psychologisch begleiteten Alltagstest, der in der Regel 12 Monate dauert. Während oder am Ende des Alltagstests erteilt der behandelnde Psychologe/die behandelnde Psychologin die Freigabe zur gegengeschlechtlichen Hormontherapie. Mindestens ein psychologisches Gutachten muss vorliegen, das die geschlechtsangleichende OP befürwortet. Ohne dieses Gutachten wird man keine geschlechtsangleichende OP, zumindest in Deutschland, bekommen.

          In der Regel beantragen Trans*-Personen, sofern sie es denn möchten, auch die Vornamens- und Personenstandsänderung. Dieser Prozess ist vom medizinischen Bereich losgelöst. Allerdings werden für diese Änderungen zwei vom Gericht bestellte psychologische Gutachten erstellt. Beide Gutachten müssen positiv sein, damit die Vornamens- und Personenstandsänderung durchgeführt wird. Diese Gutachten kann man anschließend auch für die Genehmigung der geschlechtsangleichenden OP durch den medizinischen Dienst der Krankenkassen benutzen.

          Sie merken also wie wichtig die positiven Gutachten sind, um an das gewünschte Ziel zu kommen. Ohne ein solches Gutachten ist es unmöglich, in Deutschland eine geschlechtsangleichende OP durchführen zu lassen. Egal, ob Selbstzahler oder nicht. Wie es mit dunklen Kanälen oder illegal durchgeführte Operation aussieht, entzieht sich meiner Kenntnis.

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          Frage 4: Angeblich hat Dr. von Jagows Sprechstundenhilfe „Amphetamine“ aus der Praxis mitgehen lassen. Haben Psychologen wirklich harte Drogen bei sich in der Praxis?

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          Antwort von Fredi Lang (Referatsleiter Fach- und Bildungspolitik beim Berufsverband Deutscher Psychologinnen und Psychologen e.V.):

          Nein, das ist Quatsch. Zum einen verschreiben weder Psychologinnen noch Psychotherapeutinnen Medikamente. Das dürfen sie rechtlich nicht. Zum anderen sind Amphetamine, im Sinne von harten Drogen, im Rahmen der Psychotherapie nicht verschreibungsfähig. Dazu kommt, dass mir auch keine Indikation und Wirksamkeitsbeleg im Bereich Psychotherapie bekannt ist. Mir fiele da zwar ADHS ein, bei dem Amphetaminderivate niedrig dosiert eingesetzt werden, das aber nicht in psychologischen oder psychotherapeutischen Praxen. Grundsätzlich gibt es aber Medikamente, die unter das Betäubungsmittelgesetz fallen, die in manchen Arztpraxen vorrätig sind, Methadon zum Beispiel oder Opiate. Aber die müssen dann speziell gesichert sein, also zum Beispiel in einem Tresor lagern. Aber bei Psychologinnen und Psychotherapeutinnen werden Sie so etwas nicht finden.

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