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FAZ.NET-Tatortsicherung : Borowski krächzt im Drogensumpf

Was hat Rita Holbeck (Elisa Schlott) mit dem Mord zu tun? Kommissar Borowski (Axel Milberg) ermittelt in der Kieler Drogenszene. Bild: NDR/Christine Schröder

Borowski schlägt sich im Kieler „Tatort“ mit Crystal-Meth-Dealern und süchtigen Mördern herum. Was den meisten schlaflose Nächte bereitet, hält andere über Tage wach. Der neue Fall im Faktencheck.

          Ein abgetrennter Kopf wird im Wald nahe Kiel gefunden, doch mit der Zeit entpuppt sich die gesamte Gegend als wortwörtlicher Drogensumpf. Hier ermittelt „Tatort“-Kommissar Klaus Borowski (Axel Milberg) mit seiner Kollegin Sarah Brandt (Sibel Kekilli) zwischen drogensüchtigen Städtern und ebensolchen Dorfbewohnern. Sie erleben die gesamte gesellschaftliche Dramatik, die von der Modedroge Crystal Meth ausgeht: Verlorene Söhne, zerstörte Gehirne, und am Ende kommen die richtig bösen Jungs auch noch ungeschoren davon.

          Jonas Jansen

          Wirtschaftskorrespondent in Düsseldorf.

          Gerade weil er nicht versucht, die große amerikanische Serie „Breaking Bad“ nachzuahmen, ist der neue Kieler „Tatort“ durchgehend spannend und eigenwillig düster. Dank Walter White und unzähligen  TV-Dokumentationen zum Thema, muss man sich als „Tatortsicherer“ nicht mehr mit der Frage beschäftigen, wie Crystal Meth gekocht wird, und wie gefährlich die Droge ist. Wir haben den Realitätsgehalt daher diesmal anderweitig geprüft.

          ***

          Frage 1: In einer Szene schnuppert die Zeugin Rita Holbeck an einem Tütchen mit Crystal Meth: Wonach riecht Crystal Meth eigentlich?

          Rita Holbeck probiert das erste Mal Crystal Meth, ihr Freund Mike Nickel (Joel Basman) hat es besorgt.

          Antwort des Leiters „Ermittlungsgruppe Rauschgift“ der Polizei Kiel (der lieber anonym bleiben will, weil er selbst im Drogenmilieu ermittelt):

          Das kann man schwer sagen, die panschen das Zeug schließlich aus allem Möglichen zusammen. Ich kann Ihnen jetzt nicht sagen, das riecht nach Kastanie oder so. Da sind manchmal Schmerzmittel drin, mal andere Stoffe, teilweise stinkt das fürchterlich. Ich würde mir nicht einbilden, direkt sagen zu können, ob Crystal Meth einen typischen Geruch hat. Zumal wir ohnehin an fremden Substanzen nicht riechen. Chemiker würden das auch nicht machen. Was uns komisch vorkommt, schicken wir ans LKA zur kriminaltechnischen Untersuchung oder machen hier selbst den Schnelltest. Derzeit haben wir auch so ein Päckchen hier, aber glücklicherweise haben wir in Kiel noch nicht so viel mit Crystal Meth zu tun.

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          Frage 2: Im Drogenrausch sei sie mal zwei Wochen am Stück wach gewesen, sagt Rita Holbeck im Verhör. Kann das sein?

          Der erste Zug Richtung Abhängigkeit: Rita Holbeck und Mike Nickel rauchen zusammen Crystal Meth.

          Antwort von Dr. Robert Göder (Leiter des Schlaflabors am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel)

          Knapp zwei Wochen am Stück geht. Da liegt ungefähr der Weltrekord im Dauerwachbleiben. Die Bedingung dafür ist aber, keine Drogen zu nehmen. Der Weltrekordhalter war elf Tage wach. Doch bei den Weltrekorden im Wachbleiben nehmen sehr fitte junge Leute teil. Ich bezweifle, dass man das mit Drogen schaffen kann. Was im Körper passiert, wenn man lange wachbleibt, ist gut beobachtet worden: Man wird zuerst müde, dann gereizt und unkonzentriert. Das Gedächtnis funktioniert nicht mehr. Schließlich wird man psychotisch und kriegt Halluzinationen. Das ist ein ziemlich dramatischer Zustand. Schäden trägt man dabei aber nicht davon. Diejenigen, die das gemacht haben, haben nachher erstmal 24 Stunden geschlafen und waren dann wieder völlig normal.

          Bereits nach einer Nacht, in der man nicht schläft, zeigt man eine ganz klare Verminderung der geistigen Leistungsfähigkeit. Unter Drogen fällt der Müdigkeitseffekt zwar weg, dafür macht der Körper das aber nicht so lange mit. Irgendwann bricht man zusammen. Hinzu kommt: Die Neurotransmitter, also die Botenstoffe in den Nervenzellen, vermitteln die Wirkung der Droge. Bei Crystal Meth ist das vor allem Dopamin und Adrenalin. Gerade bei höheren Dosierungen wird man schnell psychotisch. Die Mittel haben eine Wirkung von 12 Stunden, höchstens, dann ist man erschöpft und deprimiert.

          ***

          Frage 3: Gleich zu Beginn prahlt Borowski mit seinem Vogelwissen. Im Auto imitiert er den Ruf der Saatkrähe zur Balz. Klingt der Vogel wirklich so?

          Antwort von Ingo Ludwichowski (Ornithologe beim NABU in Schleswig-Holstein)

          Die Saatkrähe ruft eigentlich komplett anders. Das klingt für mich eher nach einer Dohle. Denn die Dohle macht nur diese kurzen Laute. Die Saatkrähen können auch so ein klickendes Geräusch machen, das klingt aber auch ganz anders und passt ebenfalls nicht zur Balz. Die Krähen machen dann so einen hohen Klicklaut, das ist aber nur ein leiser Ruf, wenn sie zu zweit zusammensitzen. Den würde niemand mit der Saatkrähe assoziieren.

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