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FAZ.NET-Tatortsicherung : Wie porno ist Deutschland?

  • -Aktualisiert am

Was den Konsum betrifft, bezieht sich die Aussage sicher auf eine Studie aus dem Jahr 2015 des Verbraucherportals „netzsieger.de“. Dabei kam heraus, dass mehr als 12 Prozent aller in Deutschland abgerufenen Internetinhalte Pornos sind. Damit landen wir auf Platz eins noch vor Spanien, England und den Vereinigten Staaten. Dabei ging es wohlgemerkt um den Konsum im Internet. Insofern taugt die nachgeschobene Aussage, deutsche Produzenten brächten monatlich um die 100 Porno-Filme heraus, nicht wirklich als Beleg. Hinzukommt, dass mir die Güfa (Anm. d. Red.: Gesellschaft zur Übernahme und Wahrnehmung von Filmaufführungsrechten mbH) zwar auch gesagt hat, dass monatlich zwischen 50 und 100 Filme in dem Metier veröffentlicht werden. Darunter fallen allerdings auch Neuauflagen oder Remakes alter Filme. Nebenbei gesagt: Deutschland ist vor allem Weltmeister im Porno-Produzieren. Gut 50.000 Menschen drehen als Amateure hierzulande mehr oder weniger regelmäßig Pornos und stellen sie ins Netz – wohlgemerkt meist kleine Clips, das sind keine Spielfilme mehr wie früher.

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Frage 3: Im „Tatort“ tritt die Porno-Darstellerin unter einem Künstlernamen auf, ebenso einer der Produzenten. Er druckt ihren bürgerlichen Namen auf ein Cover, um sich für einen verpatzten Dreh zu rächen. Der übliche Umgang untereinander?

Marie Wagner (Helen Barke), in der Szene besser bekannt als „Luna Pink“, ist der Star des Porno-Drehs.

Antwort von Philip Siegel:

In der Branche hat jeder einen Künstlernamen, auch wenn das fast schon ein euphemistischer Begriff dafür ist, was sich manche da als Pseudonym ausdenken, ich denke da an Beispiele wie „Aische pervers“ oder „Parkplatzluder 19“. Niemand tritt dort unter seinem echten Namen auf, das wäre gesellschaftlicher Selbstmord. Die geschilderte Geschichte habe ich selbst in meinem ersten Buch so aufgeschrieben. Der im „Tatort“ auftretende Porno-Produzent Sam Jordan ist denke ich das Alter Ego einer real existierenden Größe der Szene. Eine seiner Darstellerinnen hat mir erzählt, dass er ihren echten Namen veröffentlicht hat, als sie in seinen Filmen nicht mehr mitspielen wollte.

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Frage 4: Das Mordopfer wurde mit einem USB-Kabel erwürgt. Das belegen Kunststoffrückstände auf der Haut des Opfers, so der Rechtsmediziner. Klingt logisch – ist es das auch?

Am nächsten Morgen ist sie tot - erwürgt mit einem USB-Kabel.

Antwort von Prof. Dr. Randolph Penning (Institut für Rechtsmedizin an der Ludwig-Maximilians-Universität München):

Überhaupt nicht! Wann werden manche Menschen beim Film endlich den Unterschied zwischen „Erwürgen“ und „Erdrosseln“ lernen! Jemanden zu erwürgen ist, gelinde gesagt, echte Handarbeit. Das Opfer weist dann eindeutige Würgemale auf der Haut auf, die die Finger hinterlassen. Wird jemand erdrosselt, ist das ebenso eindeutig durch einen blutunterlaufenen Striemen um den Hals erkennbar. Dass das Tatwerkzeug dann eindeutig dieses Kabel gewesen sein soll, ist meiner Meinung nach nicht durch Kunststoffrückstände auf der Haut zu verifizieren. So ein Kabel ist doch normalerweise ganz glatt, wo soll da ein Abrieb entstehen, da müsste es stark aufgeraut gewesen sein. Wäre das Opfer beispielsweise mit Küchengarn erdrosselt worden, wäre es eher vorstellbar, dass auf der Haut noch Faserrückstände gefunden werden.

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Kommissar Leitmayr: „Spermaspuren?“ – Rechtsmediziner Steinbrecher: „Die meisten im Magen. Da haben wir wohl über zwei Dutzend verschiedene Sorten, also so genau kann man das nicht sagen.“ (Minute 19)

Frage 5: Hieße das nicht, dass Magensäure Sperma nichts anhaben kann – und die viel gepriesene DNA-Analyse doch Grenzen kennt.

Ein Planschbecken voller Sperma ist durchaus ein guter Ort, um Spuren zu beseitigen, müssen Batic (Miroslac Nemec), Leitmayr und Kalli Hammermann (Ferdinand Hofer) am Tatort feststellen.

Antwort von Prof. Dr. Randolph Penning:

Es ist tatsächlich möglich, Mageninhalt einer DNA-Analyse zu unterziehen. Normalerweise passiert das um festzustellen, was ein Toter zuletzt gegessen hat: War es Rind, Pute, Schwein? Es ist ebenfalls korrekt, dass es bei einer so großen Anzahl verschiedener DNA-Spuren, sogenannten DNA-Mischspuren, nicht möglich ist, sie eindeutig auseinanderzuhalten, sprich den Hauptverursacher eindeutig zu identifizieren. Die Funktionsform eines Gens, also die Art und Weise, wie ein Gen ein Merkmal ausprägt, bezeichnet man als Allel. Jeder Mensch hat von beiden Elternteilen pro Gen zwei Allele mitbekommen, das heißt: bereits zwei verschiedene Merkmale, die er abgeben kann, beispielsweise eines für blaue und eines für braune Augen. Bei vier Personen sind es bereits acht. Bei 24 dementsprechend bereits 48. Gleichzeitig gibt es nur eine bestimmte Anzahl von Allelen beim Menschen, ein einzelnes ist somit nicht zwangsläufig individuell. Bei derart vielen könnte man also allenfalls eine Wahrscheinlichkeit der Zugehörigkeit berechnen, sie aber nicht eindeutig zuordnen.

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