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FAZ.NET-Tatortsicherung : So leicht haben es Ökoterroristen?

Anspannung und jede Menge offener Fragen: Der Krisenstab mit Hauptkommissarin Inga Lürsen (Sabine Postel), Einsatzleiter Helmut Lorenz (Barnaby Metschurat) und Hauptkommissar Nils Stedefreund (Oliver Mommsen). Bild: Radio Bremen/ARD Degeto/Svenja v

Tod durch vergiftetes Trinkwasser: Im Mittelpunkt des neuen „Tatort“ aus Bremen steht ein dubioser Chemiekonzern, der Terror der besonderen Art provoziert. Ein realistisches Szenario? Wir haben nachgehakt.

          Der neue Bremer „Tatort“ gibt sich hochpolitisch. Umweltaktivisten vergiften das Trinkwasser der Stadt, 17 Menschen sterben. Der Hintergrund: Ein skrupelloser Chemiekonzern, der wohl nicht nur zahlreiche Menschenleben auf seinem Gewissen hat, sondern auch noch spektakuläre Forschungsergebnisse geheim hält. Von denen soll die Öffentlichkeit nach dem Willen der Terroristen erfahren - oder selbst dran glauben.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          In „Der hundertste Affe“ vergehen keine fünf Minuten und die erste Frau liegt im Schwimmbad tot am Boden. Statt Wasser kam eine blutrote Brühe aus der Dusche. Todesursache: Herzinfarkt, wie die forsche BKA-Ermittlerin Linda Selb (Luise Wolfram) den Kommissaren Lürsen (Sabine Postel) und Stedefreund (Oliver Mommsen) erklärt. Was folgt ist eine Welle des Terrors, mit der Aktivisten Bremen bedrohen - wenn die Polizei ihre Forderungen nicht erfüllt. 

          Es beginnt das große Rätseln: Welches Geheimnis steckt hinter der Forderung, den angeklagten Wissenschaftler Urs Render (Manfred Zapatka) zum Reden zu bringen? Das erfahren Protagonisten und Zuschauer erst am Ende, bleiben aber im Ungewissen: Wie plausibel sind die Entdeckungen der Sachs AG? Und sind die Behörden gegen Terroranschläge wie im Film eigentlich gerüstet? Wir haben nachgefragt.

          ***

          Frage 1: Im Mittelpunkt des Films steht der Versuch von Aktivisten, die Arbeit eines Forschers publik zu machen. Dieser hatte im Auftrag des Chemieunternehmens Sachs herausgefunden, wie sich Rohstoffe wie Baumwolle, Weizen und Mais unter vollständigem Verzicht auf Pestizide mit bis zu dreifachem Ertrag anbauen ließen – eine echte Entdeckung, mit der sich sein Arbeitgeber ins eigene Fleisch geschnitten hätte. Hat es in der Vergangenheit derartige Entdeckungen nach Ihrem Wissen tatsächlich gegeben?

          Eine unheilvolle Mischung aus Rachsucht, Liebe und fanatischem Idealismus eint das Terrorduo Luisa (Friederike Becht) und Sven (Franz Pätzold).

          Antwort von Ursula Ross-Stitt (Max-Planck-Institut für Molekulare Pflanzenphysiologie in Golm):

          Den Ertrag zu verdreifachen, gepaart mit einem Verzicht auf Pflanzenschutzmittel - wem das gelingt, der würde sicherlich nicht nur mit einem Nobelpreis geehrt werden! Das Ganze ist ein interessantes Gedankenspiel, nur leider nicht realistisch. Mehrere Gründe sprechen dagegen: Pflanzen bauen im Zuge der Photosynthese durch Nutzung der Sonnenenergie ihre Biomasse auf. Eine Verdreifachung des Ertrages würde bedeuten, dass die Pflanze das Dreifache an Pflanzenmasse/Ernteprodukten bildet.

          Dafür würde sie mehr CO2 aus der Luft aufnehmen und verarbeiten müssen, sich viel mehr Nährstoffe über ihre Wurzeln aus dem Boden aneignen und mehr Wasser benötigen. Der gesamte Stoffwechsel der Pflanze, alle Reaktionen, Enzymaktivitäten und Regulationsmechanismen müssten gesteigert oder verändert werden und die Abläufe aufeinander abgestimmt ablaufen. Ein Ertragsanstieg in dieser Größenordnung innerhalb sehr kurzer Zeit war in der Vergangenheit nicht möglich und ist auch aus heutiger Sicht nicht denkbar. Schon gar nicht durch eine einzelne Entdeckung.

          Ertragssteigerungen an sich hat es aber bei allen Nutzpflanzen gegeben. In Deutschland konnten etwa die Durchschnittserträge beim Weizen in einem Zeitraum von ungefähr 40 Jahren mehr als verdoppelt werden (von ungefähr 3 in den frühen 50er Jahren auf ungefähr 7,4 Tonnen pro Hektar in den 90er Jahren), basierend auf einer Kombination aus Züchtungserfolg, verbesserten Anbautechniken und dem Einsatz von Dünger und Pflanzenschutzmitteln.

          ***

          Frage 2: Im Film heißt es, ein deutscher Chemiekonzern im afrikanischen Mali habe in großem Maß Pflanzenschutzmittel für genetisch verändertes Saatgut verwendet. Unter den Folgen leide die Umwelt, Dutzende Menschen seien gestorben. Hat es derartige Fälle nach Ihrem Wissen tatsächlich gegeben?

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