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Berlin-Tatort : Das ist nicht unsere Stadt

  • -Aktualisiert am

Nina Rubin (Meret Becker) ist aufgelöst und voller Sorge um ihren Sohn Tolja. Bild: rbb/Stefan Erhard

Warum wird hier gelogen? Im Berliner „Tatort“ wird aus einem Einsatz wegen Ruhestörung am Kottbusser Tor eine Schießerei mit verheerenden Folgen.

          Es gilt als einer der gefährlichsten Orte Berlins: das Kottbusser Tor in Kreuzberg. Hier wird gedealt, gestohlen und geprügelt, im Frühjahr 2016 berichteten die Medien über die vermeintliche „No-go-Area“. Die Polizeipräsenz wurde erhöht, die Zahl der Diebstähle und Gewaltdelikte ist seither rückläufig. Ein Brennpunkt ist das Kottbusser Tor gleichwohl immer noch, so auch im neuen „Tatort“ aus Berlin.

          Für die Ermittler Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) wird es persönlich. Nina Rubins Sohn Tolja (Jonas Hämmerle), den sie nach Straubing verabschiedet hatte, weit weg von den leicht zugänglichen Drogen der Hauptstadt, kehrt zurück. Er ist von einem Extrem ins andere gefallen. Gab er früher am „Kotti“ sein Geld für Rauschgift aus, will er nun helfen, ebendieses von der Straße zu verbannen. Als Praktikant im Streifendienst begleitet er schüchtern die Polizisten Harald Stracke (Peter Trabner) und Sandra Ehlers (Anna Herrmann) beim Nachtdienst im Problemkiez. Die beiden sind sind aufeinander eingespielt. Gleichwohl könnte es kaum schlimmer laufen. Aus einem Einsatz wegen Ruhestörung wird eine Drogenrazzia, die in einer tödlichen Schießerei endet, bei der Sandra Ehlers ums Leben kommt.

          Die emotionalen Krisen einer Mutter

          Die Vorstellung, dass ihr Sohn Streife fährt, bereitet Nina Rubin schlaflose Nächte. Sie verliert die Beherrschung. Kollege Karow übernimmt das Kommando. Mit Tolja als Zeuge, so scheint es zunächst, sollte der Fall schnell zu lösen sein. Denn tatsächlich kennt Tolja den Todesschützen. Doch dann beteuert ausgerechnet der Polizeibeamte Stracke, Toljas ehemaliger Dealer könne auf keinen Fall der Mann gewesen sein, der seine Kollegin erschoss.

          Wer hier lügt, muss sich der Zuschauer nicht lange fragen, das Warum ist viel interessanter. Drehbuchautor Christoph Darnstädt legt Fährten zu V-Männern, eifersüchtigen Ehefrauen und Clans, alle plausibel, es bleibt spannend bis zum Schluss. Und während Darnstädts Till-Schweiger-Fälle in Action-Filme münden, sorgt er hier, in seinem zwölften „Tatort“, für eine feine Zeichnung von Figuren, von denen man leider schnell wieder Abschied nehmen muss.

          Karow und Rubin indes arbeiten über weite Strecken aneinander vorbei, das lässt Raum, den die Hauptdarsteller nutzen. Meret Becker geht in der emotionalen Krise einer Mutter in Angst auf, Mark Waschke lässt Karow sich in seiner zwischen Unbeschwertheit und Ignoranz pendelnden Kaltschnäuzigkeit suhlen. „Bist du einfach ein Rassist? Oder ein Sexist? Oder vielleicht beides? Oder einfach nur ein Arschloch?“, fragt ihn die Gerichtsmedizinerin Nasrin Resa (Maryam Zaree). Die Antwort bleibt er schuldig.

          Christian von Castelberg inszeniert das in Szenen ohne Schnickschnack, er verlässt sich auf die Schauspieler und die pointierten Dialoge. Der Spielort bleibt stets präsent, Kameramann Björn Knechtel findet zwischendurch die richtigen Bilder von Berlins Hektik und Hedonismus, mal glamourös, mal abgewrackt, immer leuchtend. Durch die brummende Großstadtkulisse spannen sich die Fäden des Krimiplots, um das Große im Kleinen zu erzählen, das gesellschaftliche Drama in der persönlichen Katastrophe. „Das ist nicht mehr unsere Stadt“ heißt es in diesem „Tatort“, was heißen soll, dass alles schlechter wird. Der Berliner „Tatort“ wird immer besser.

          Tatort: Der gute Weg, Sonntag, 20.15 Uhr im Ersten

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