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Tatort-Sicherung : Gibt es Zeitschleifen?

  • -Aktualisiert am

Zersplitterte Persönlichkeit: LKA-Ermittler Felix Murot (Ulrich Tukur) Bild: HR/Bettina Müller

Im neuen „Tatort“ aus Wiesbaden steckt LKA-Ermittler Felix Murot in einer Zeitschleife. Wie blickt die Wissenschaft auf dieses Phänomen? Wir haben Experten gefragt.

          Kommissar Felix Murot (Ulrich Tukur) wacht morgens um 7.29 Uhr auf, weil sein Handy klingelt. Seine Assistentin Magda Wächter (Barbara Philipp) ist dran und teilt ihm mit, dass es einen Banküberfall mit Geiselnahme gibt und er sofort kommen muss. Murot erledigt seine Morgenroutine und fährt zum Tatort. Unterwegs ruft er Wächter an und weist sie an, alles für eventuelle Forderungen vorzubereiten.

          Am Tatort legt Murot eine Schutzweste an und geht ins Gebäude, um den Geiselnehmer zur Aufgabe zu bewegen. Doch es läuft nicht wie geplant – Murot wird erschossen und wacht in seinem Bett auf. Das Handy klingelt: Wächter ruft ihn zu einer Geiselnahme in einer Bank.

          Der Sonntagabendkrimi im Realitätstest.

          ***

          Frage 1: Langsam dämmert es Murot, dass er sich in einer Zeitschleife befindet. Was genau sind Zeitschleifen?

          Antwort von Prof. i.R. Dr. Gerhard Huber (lehrte Experimentalphysik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz):

          Als Zeitschleifen werden in der fiktionalen Literatur und im Film Wiederholungen von Zeitabschnitten bezeichnet, die an einem bestimmten Punkt ansetzen, also im Fall von Murot beim Klingeln seines Handys.

          ***

          Frage 2: Sind Zeitschleifen aus wissenschaftlicher Sicht möglich?

          Die Polizisten in der Zeitschleife: ratlos

          Antwort von Prof. i.R. Dr. Gerhard Huber:

          Nein, Zeitschleifen sind eine reine Fiktion, wie man sie in Träumen ohne jeden Bezug zur äußeren Realität haben mag. Aus wissenschaftlicher Sicht kann man bestenfalls mit großem Aufwand in einem Labor in total isolierten Quantensystemen eine Zeitsymmetrie formulieren. Die Richtungsgebung, also der Fluss der Zeit, wird dort unterbrochen. Die Zeit läuft genauso vorwärts wie rückwärts – das System altert nicht. Die neuesten „Atomuhren“ kommen diesem Ideal am nächsten.

          Natürlich gibt es wissenschaftliche Spekulationen, zum Beispiel darüber, was am Rande oder innerhalb eines sogenannten Schwarzen Lochs passiert oder was vor dem Urknall war. Wenn die Wissenschaft an ihre Grenzen kommt, sucht sie nach alternativen Erklärungsmodellen. Das sind hochspannende Fragen, aber ohne Bezug zu unserem Hier und Jetzt.

          ***

          Frage 3: Murot behauptet gegenüber seiner Assistentin, er habe ein Déjà-vu. Was genau ist ein Déjà-vu und wie entsteht es?

          Murot mit Nadja Eschenbach (Nadine Dubois)

          Antwort von Prof. Dr. med. Andreas Reif (Direktor der Klinik für Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie des Universitätsklinikums Frankfurt): 

          Déjà-vu bedeutet auf Französisch „schon einmal gesehen“ und bezeichnet eine Erinnerungstäuschung. Es kann als Begleiterscheinung einer psychischen Erkrankung auftreten, aber auch bei gesunden Menschen, zum Beispiel im Rahmen eines Erschöpfungszustands. Die betroffene Person hat das sichere Gefühl, eine bestimmte Situation schon erlebt zu haben. Viele Menschen kennen das. Es dauert nur ein paar Sekunden an und ist dann wieder verschwunden. Pathologisch ist das nicht. Meistens können sich die betroffenen Personen auch nach längerer Zeit zwar erinnern, dass sie ein solches Erlebnis hatten, aber nicht mehr konkret daran, um welche Situation es sich handelte.

          Wie es zustande kommt, weiß man nicht. Es wird vermutet, dass es zu Fehlverschaltungen im Gehirn kommt, also eine bestimmte Situation, die gerade erlebt wird, als Erinnerung identifiziert wird, wodurch diese Dopplung entsteht.

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          Frage 4: Könnte ein Déjà-vu die Zeitschleife erklären, in der sich Murot befindet?

          Antwort von Prof. Dr. med. Andreas Reif:

          Nein, ein Déjà-vu dauert nur wenige Sekunden. Es ist unmöglich, dass dadurch längere Zeitabschnitte oder gar ganze Tage „wiedererlebt“ werden. Das ist eindeutig Fiktion. 

          Es gibt eine Erkrankung, bei der Betroffene glauben, eine bestimmte Umgebung sei eine Kopie der Wirklichkeit. So ähnlich wie in den „Matrix“-Filmen. Das ist aber wirklich extrem selten. Eine Krankheit, bei der man glaubt, sich in einer Zeitschleife zu befinden, ist mir nicht bekannt.

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