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Tatort-Sicherung : Wie wahrscheinlich ist das Glück?

  • -Aktualisiert am

Zwei Ermittler beim Federlesen: Almila Bagriacik (Mila Sahin) und Axel Milberg (Klaus Borowski) Bild: NDR/Christine Schroeder

Im neuen „Tatort“ aus Kiel spielen Bonuspunkte und Lottogewinne eine große Rolle. Wie mies ist das Geschäft, das der Kunde mit diesen Glücksversprechen macht, aus wissenschaftlicher Sicht?

          Zwei Frauen, die ungleicher nicht sein könnten, stehen im Mittelpunkt des neuen „Tatort“ aus Kiel: Kassiererin Peggy (Katrin Wichmann) nervt die Routine am Kassenband, Bonuspunkte-sammelnde Supermarktkunden und Kohlrouladen, die sie ihrem biertrinkenden Mann Micha (Aljoscha Stadelmann) abends auf den Tisch stellt. Peggy will mehr: Sie will Luxus, reich sein, mehr noch: glücklich sein. So wie ihre Nachbarin Victoria Dell (Sarah Hostettler), die mit ihrem Mann Thomas (Volkram Zschiesche) gegenüber in ein nobles Haus gezogen ist und teure Autos fährt.

          Durch ihr Küchenfenster beobachtet Peggy eines Abends, wie die Dells einen Freudentanz aufführen, einen kleinen Zettel in der Hand haltend, der Fernseher läuft nebenbei. Hat das ohnehin schon reiche Pärchen tatsächlich so eben den Jackpot im Lotto geknackt?

          Peggy kann nicht fassen, dass dieses Glück nicht ihr vergönnt ist. Also steigt sie am nächsten Morgen in das Nachbarhaus ein und begibt sich auf die Suche nach dem wertvollen Stück Papier. Dumm nur, dass Herr Dell offenbar etwas zuhause vergessen hat und sie dabei überrascht. Kurze Zeit später findet Frau Dell ihren leblosen Gatten blutüberströmt im gemeinsamen Schlafzimmer vor. Peggy aber gerät vorerst nicht ins Visier der Kommissare Borowski (Axel Milberg) und Sahin (Almila Bagriacik). Doch es wird zunehmend eng für Peggy.

          Der Sonntagabendkrimi im Realitätstest.

          ***

          Frage 1: Supermarktkassiererin Peggy fühlt sich beinahe persönlich angegriffen, weil ihre superreiche Nachbarin keine Bonuspunkte sammelt – scheinbar hat sie es nicht nötig. Wieso neigen wir als Verbraucher eigentlich zum Sammeln solcher Bonuspunkte, wenn doch schwer ersichtlich ist, ob sie uns wirklich etwas bringen oder bloße Taktik von Supermarktketten sind?

          Ungleicher könnten die beiden nicht sein: Kassiererin Peggy (Katrin Wichmann) und ihre Nachrbarin, die reiche Dolmetscherin Victoria Dell (Sarah Hostettler).

          Antwort von Ulrich Schmidt (Forschungsleiter am Institut für Weltwirtschaft an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel)

          Tatsächlich bringen uns Bonuspunkte gar nichts, sie schaden uns. Sie bringen nur den Supermarktketten etwas. Die bekommen ja mit den Bonuspunkte unsere ganzen Daten, die sie in der Folge analysieren und verkaufen können. In der Marketingpsychologie gibt es das Konzept der kognitiven Dissonanz: Wenn man einen Einkauf tätigt, gibt es immer Gründe, die dafür oder dagegen sprechen und oft, wenn man einen Kauf getätigt hat, ärgert man sich hinterher ein bisschen. Diese Bonuspunkte wirken dann so wie eine Art Entschuldigung, Bonuspunkte sind ein Mittel, schlechte Kaufentscheidungen zu rechtfertigen. Dass Bonuspunkte eher Personen mit niedrigerem sozialen Status ansprechen, denke ich auch. Vielleicht durchschauen sie das Prinzip nicht so leicht, und außerdem sind Bonuspunkte mit einer Verbilligung verbunden, die für diese Personen einfach mehr wert ist. Das Prinzip des Sammelns ist ja auch aufwendig; da muss man immer eine Karte bei sich haben. Einer reichen Person ist das vielleicht einfach unangenehm, sie will nicht zeigen, dass sie das nötig hat.

          ***

          Frage 2: Wie hoch ist die Chance, einen Jackpot im Lotto zu knacken und wie kann man diese errechnen?

          Endlich scheint das Glück einmal auf Peggys Seite.

          Antwort von Jan Kallsen (Professor für Mathematik an der Mathematisch-Naturwissenschaftlichen Fakultät der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel):

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