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Der „Tatort“ aus Berlin : Wenn alte Kameraden feiern wollen

Im falschen Film: Immer wieder sieht sich Robert Karow (Mark Waschke) in einem Vorführraum der Berlinale den Film „Meta“ an. Bild: rbb/Reiner Bajo

Schnitte, so markerschütternd wie gewitzt, die Verspieltheit, mit der „Meta“ die Ebenen wechselt, die Noir-Elemente: Der Berliner „Tatort“ hat Format. Und zwar Leinwandformat.

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          Dies ist ein Film namens „Meta“ über einen Film namens „Meta“ über einen Film namens „Meta“ – der selbstverständlich nirgendwo anders spielen darf, als in der Meta-Metropole Berlin; und zwar jetzt, zur Zeit der Berlinale. Das haben sich Regisseur Sebastian Marka und der Drehbuchautor Erol Yesikaya schon hübsch ausgedacht. Sie führen den Zuschauer mit diesem Versuchsaufbau auf charmante Weise in die Irre. Und gleichzeitig bietet die Berlinale ein so schönes Hinterkopf-Tableau für diesen Berliner „Tatort“, der – an manchen Stellen etwas überdeutlich – ein liebevoller und mutiger Gruß an das Kino als Traum- und Albtraummaschine ist.

          Axel Weidemann
          Redakteur im Feuilleton.

          Das beginnt schon im Vorspann. Kurz glaubt man, die ARD habe eine mitgefilmte Raubkopie in ihren Vorführraum gestellt. Denn plötzlich tauchen schwarze Silhouetten vor dem weißen Fadenkreuz auf. Der Vorspann läuft nun erkennbar im Kinosaal weiter und ist damit bereits Teil des Films – also die Brücke zwischen „Meta“ und „Meta“. Dies zu unterscheiden wird zumindest den beiden Kommissaren Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) einiges an Kopfzerbrechen bereiten.

          Das hat schon Format. Und zwar Leinwandformat.

          Auf seinem Schreibtisch findet Karow ein Päckchen, das den Finger einer minderjährigen Prostituierten enthält. Die Spur führt zu einer Filmfirma, die einen einzigen Film produziert hat: „Meta“. Er läuft auf der Berlinale und erzählt – man ahnt es schon – die Geschichte eines Polizistenduos, das einen Milieu-Mordfall aufklären soll, in den ein mächtiger Geheimdienst, die „Organisation Gehlen“, verwickelt sein soll. Der Drehbuchautor Peter Koteas ist im Polizeigewahrsam ums Leben gekommen. Erhängt, wie es heißt. Die Daten sind gelöscht.

          Der 1946 tatsächlich von den Amerikanern ins Leben gerufene und mit ehemaligen Wehrmachtsgenerälen – darunter der Namensgeber, Leiter und spätere BND-Präsident, Generalmajor Reinhard Gehlen – besetzte Nachrichtendienst ist im „Tatort: Meta“ immer noch aktiv. Sozusagen „als dunkle Seite des BND“. So zumindest insinuiert es der Film im Film, der all jenes vorwegzunehmen scheint, was Rubin und Karow im folgenden – und stets parallel zum Film im Film geschnittenen – Geschehen erleben: der Fund der toten Prostituierten. Der ranghohe Mitarbeiter im Innenministerium, von dessen Taten mit der Minderjährigen ein Video existieren soll. Der Tod des Regisseurs. Einbrüche, Vertuschung und Schnitzeljagd inklusive. Und hier scheiden sich die Geister: Denn ausgerechnet Karow schluckt die Geschichte – auch für diesen mutigen „Tatort“ fast zu schnell –, Rubin hält den Kollegen für irre. Ganz so, wie es eben auch dem Duo im Kinofilm passiert.

          Diese Spannung, die sich aus dem Aufeinanderprallen der Ebenen ergibt, zu halten, und vor allem auszuspielen, schafft der „Tatort“ nicht immer. Auch manche Figuren wirken lieblos. Doch die Verspieltheit, mit welcher der Film die Ebenen wechselt – die Schnitte (Sebastian Marka und Carsten Eder) zwischen ihnen sind oft so markerschütternd wie gewitzt –, die Noir-Elemente; das hat schon Format. Und zwar Leinwandformat.

          Da stören weder die zahlreichen Filmzitate (Stichwort „Panzerband“), die eingestreuten Ausschnitte aus Martin Scorseses „Taxi Driver“ mit Robert De Niro (dem Lieblingsfilm von Peter Koteas), noch das in Anlehnung daran von Mark Waschke teils in muskelbepackter Nacktheit dargebotene Hinübergleiten in die Paranoia. Nur Rubins Familiensorgen als grundsympathische, weil lausbübische Mutter wirken in diesem Fall überflüssig. Auch die wie nachträglich über viele Szenen gekleisterten Klavierakkorde und Schmachtstreicher hätte man sich sparen müssen. Trotzdem ist „Meta“ ein außergewöhnlicher „Tatort“: verspielt, versponnen, aber auch blutig und bleihaltig. Jetzt sollte man nur auf den Drehbuchautor und den Regisseur achtgeben.

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