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Tatort-Sicherung : Warum zählt ein Freispruch so viel?

  • -Aktualisiert am

Komplizierte Konstellation im neuen „Polizeiruf“ aus Rostock Bild: NDR/Christine Schroeder

Im neuen „Polizeiruf 110“ aus Rostock wird ein Freigesprochener mit einem späteren DNA-Test doch noch überführt. Warum ist es so schwer, ihn wegen seiner Tat abermals vor Gericht zu stellen?

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          Ein alter ungeklärter Fall, den Kriminalhauptkommissar Röder (Uwe Preuss) kurz nach der Wende betreut hatte, wird neu aufgerollt: Janina Stöcker wurde am 20. Juli 1988, einen Tag nach dem Bruce Springsteen-Konzert in Ost-Berlin, auf dem Weg vom Rostocker Bahnhof nach Hause vergewaltigt und ermordet. Ein dringend Tatverdächtiger wurde damals freigesprochen, doch Janinas Mutter Ursula Stöcker (Hildegard Schmahl) drängt ihren ehemaligen Kollegen Röder, den Fall abermals zu untersuchen.

          Kriminalhauptkommissar Sascha Bukow (Charly Hübner) und LKA-Fallanalytikerin Katrin König (Anneke Kim Sarnau) nehmen die Ermittlungen auf. Dann bringt ein neuer DNA-Test Gewissheit: Der damals freigesprochene Guido Wachs (Peter Trabner) ist Janinas Mörder. Doch wer einmal angeklagt und freigesprochen wurde, darf nicht ohne Weiteres für die gleiche Tat vor Gericht kommen. Verzweifelt versuchen Bukow und König, den Zusammenhang zwischen weiteren Morden und Guido Wachs herzustellen, um den Täter doch noch hinter Gitter zu bringen.

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          Frage 1: Als Janinas Mutter den Kriminalhauptkommissar Röder bittet, den Fall noch einmal zu untersuchen, lehnt dieser zunächst ab. Doch die LKA-Profilerin Katrin König erklärt sich spontan bereit: „Ich mach’s.“ Kann sie das einfach so entscheiden?

          Gewohnt couragiert: Anneke Kim Sarnau als Katrin König

          Antwort von Sophie Pawelke (Pressesprecherin des Polizeipräsidiums Rostock):

          Nein, das kann eine Ermittlerin so nicht einfach entscheiden. Schon gar nicht, wenn – wie im „Polizeiruf“ aus Rostock – eine LKA-Mitarbeiterin einen Fall einer anderen Dienststelle übernehmen möchte. Diese Entscheidungen werden nicht von den Ermittlern, sondern vom Dienstvorgesetzten, in diesem Fall von Herrn Röder, getroffen. Es bedarf also einer offiziellen Anfrage zur Übernahme durch das LKA an die Kriminalpolizei. Dies darzustellen, ist wahrscheinlich wenig unterhaltsam.

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          Frage 2: Weil die Polizei keinen Zusammenhang zwischen Guido Wachs und einem weiteren Mord herstellen kann, manipuliert König die Beweise und bringt Wachs' DNA an der Unterwäsche des Opfers an. Was hat sie zu befürchten, wenn das auffliegt?

          Antwort von Sophie Pawelke:

          Wenn so etwas auffliegt, drohen sowohl strafrechtliche als auch disziplinarrechtliche Konsequenzen, bis hin zum Ausschluss aus dem Polizeidienst.

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          Frage 3: König erkennt in Wachs den Typus „wütender Vergeltungsvergewaltiger“, der sein Opfer demütigen will. Welche Art von Täter ist das? Gibt es diese Bezeichnung?

          Der freigesprochene Täter: Guido Wachs (Peter Trabner)

          Antwort von Sophie Pawelke:

          Diese Bezeichnung ist so nicht in unserem Sprachgebrauch. Eine Art "Katalogisierung" der Täter liegt bei uns nicht vor. Ich kann aber nicht ausschließen, dass in der psychologischen oder auch medizinischen Betrachtung solche Begriffe eine Rolle spielen. Für die Ermittler ist das Motiv entscheidend. Rache, Vergeltung und vor allem die Machtausübung sind bei Sexualstraftaten und Tötungsdelikten typisch.

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          Frage 4: Gibt es bei der Polizei Rostock ungeklärte Mordfälle? Wie gehen die Ermittler damit um, wenn ein Fall nicht gelöst oder ein Täter strafrechtlich nicht belangt werden kann?

          Ursula Stöcker (Hildegard Schmahl) fordert Gerechtigkeit.

          Antwort von Sophie Pawelke:

          Ja, im Bereich des Polizeipräsidiums Rostock (halb West-Mecklenburg-Vorpommern) gibt es ungeklärte Mordfälle. Diese werden periodisch nach den neuesten technischen als auch forensischen Methoden analysiert. Es erfolgt also immer wieder eine Betrachtung der Fälle, in der Hoffnung, neue Ansätze für eine Klärung zu finden. Persönlich ist ein ungeklärtes Tötungsdelikt höchst unbefriedigend für die Ermittler.

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