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Tatort-Sicherung : Dürfen Polizisten schießen, um zu töten?

  • -Aktualisiert am

Für Ratlosigkeit gibt es im Polizeidienst viele Gründe. Bild: NDR/Christine Schroeder

Im neuen „Polizeiruf 110“ aus Rostock geht es wieder um das neue Lieblingsthema des Sonntagabendkrimis: Mord in einer rechtspopulistischen Partei. Mehr Plausibilität hätte dabei nicht geschadet.

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          Mitten im Wahlkampf um das Amt des Rostocker Bürgermeisters wird die Kandidatin der rechtspopulistischen Partei „PFS“, Sylvia Schulte (Kathrin Bühring) tot aufgefunden. Sie wurde grausam bei lebendigem Leib verbrannt.

          Bukow und König (Charly Hübner und Anneke Kim Sarnau) schießen sich schnell auf Karim Jandali (Atheer Adel) ein. Der ist aus Syrien geflohen und hat  Karriere als Schultes persönlicher Referent gemacht. Hat er sie aus politischen Motiven getötet?

          Doch auch Schultes Parteifreund Herlau (Michael Wittenborn) hätte ein Motiv. Und dann ist da noch Schultes Vergangenheit in einer Neonazi-Kameradschaft. Der Druck auf Bukow und König steigt, das Interesse an dem Fall ist groß. Und dann wird Karim Jandali auch noch entführt.

          Der Sonntagabendkrimi im Realitätstest

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          Frage 1: Gegen Bukow und König läuft ein Disziplinarverfahren wegen Körperverletzung im Amt. Dürfen Polizisten in dieser Situation überhaupt ermitteln?

          Lassen sich so leicht nicht aus dem Dienst entfernen: Die Kommissare Bukow und König (Charly Hübner und Anneke Kim Sarnau) am Tatort

          Antwort von Sophie Pawelke (Sprecherin Polizeipräsidium Rostock):

          Ein Disziplinarverfahren wegen Körperverletzung im Amt zieht nicht automatisch eine "Entfernung aus dem Dienst" – wie es im Polizeideutsch heißt – mit sich.  Dies ist von der Schwere der Körperverletzung und dem Ausgang eines in der Regel durchzuführenden Strafverfahrens gegen den Beamten abhängig. Besteht der Verdacht, dass es im Dienst oder im Einsatz zu leichten Körperverletzungen, zum Beispiel Handumdrehen oder einem Tritt gegen das Schienbein gekommen ist, wird trotz Disziplinarverfahren der Dienst vorerst fortgeführt.

          Beim Verdacht der schweren Körperverletzungen, zum Beispiel durch massive körperliche Gewalt ohne Rechtfertigung, wird der Beamte vorläufig aus dem Dienst entfernt, bis das Verfahren abgeschlossen ist.

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          Frage 2: Der persönliche Referent der rechtspopulistischen Politikerin Sylvia Schulte ist ein ehemaliger syrischer Geflüchteter. Migranten in einer rechtspopulistischen Partei? Wie oft kommt das vor?

          Eine unwahrscheinliche Figur: Der Verdächtige Karim Jandali (Atheer Adel) bei einer Speichelprobe.

          Antwort von Kai Arzheimer (Politikwissenschaftler, Universität Mainz):

          Dass Menschen mit Migrationshintergrund sich in Anti-Immigrationsparteien engagieren, kommt durchaus vor, ist aber sehr selten. Die Motivlage der Parteien ist dabei klar: Sie können öffentlichkeitswirksam demonstrieren, dass der Vorwurf des Rassismus scheinbar ungerechtfertigt ist. Schwerer zu verstehen ist, warum sich Menschen mit Migrationshintergrund in solchen Parteien engagieren. In der Migrationsforschung wird manchmal das Phänomen des „closing the door behind you“ thematisiert. Damit ist gemeint, dass Angehörige von Gruppen, die historisch früher angekommen sind, neuen Migrationswellen skeptisch entgegentreten, um die Position der eigenen Gruppe zu stärken oder zumindest zu sichern. Im Falle von Toni Iwobi, der für die Lega in den italienischen Senat gewählt wurde, ist diese Erklärung nicht unplausibel, da er sich seit Jahrzehnten legal in Italien aufhält. Zudem wurde die Lega zum Zeitpunkt seines Eintritts in den 1990er Jahren primär als regionalistisch und wirtschaftsfreundlich (Herr Iwobi besitzt ein Unternehmen) wahrgenommen, auch wenn es schon damals fremdenfeindliche Aussagen gab. Insgesamt reduziert ein sogenannter Migrationshintergrund die Wahrscheinlichkeit, eine solche Partei zu wählen oder sich ihr gar anzuschließen aber dramatisch.

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