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FAZ.NET-Tatortsicherung : Wie glaubhaft ist ein dementer Zeuge?

  • -Aktualisiert am

Elisabeth Strauß (Elisabeth Schwarz) hat einen Mord mit angesehen. Doch sie erinnert sich nur in einzelnen Momenten daran. Ihre Demenz-Erkrankung lässt sie immer wieder vergessen. Hauptkommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) zeigt Geduld. Bild: die film gmbh/Hendrik Heiden

Im neuen „Polizeiruf“ behauptet eine Demenzkranke, einen Mord im Pflegeheim gesehen zu haben. Hauptkommissar Hanns von Meuffels ermittelt trotz widersprüchlicher Hinweise. Wem kann er Glauben schenken?

          3 Min.

          Eigentlich hat Hauptkommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) schon Feierabend. Doch als eine Frau im Morgenmantel und Hauspantoffeln aus einem Taxi steigt und auf seine Kollegen und ihn zueilt, ist es vorbei mit der Ruhe. Elisabeth Strauß scheint verwirrt zu sein, sie spricht immer wieder von einem Mord. Von Meuffels genügt dieser Hinweis, er ermittelt auf eigene Faust im Pflegeheim. Dort trifft er auf Pflegekräfte, die sich nicht ins Handwerk pfuschen lassen wollen und Kranke, die seine Ermittlungstaktik ins Leere laufen lassen.

          Und dann sind da noch ein kürzlich Verstorbener und ein paar Spritzer Blut auf einem Blumenbild, die hastig weggewischt wurden. Von Meuffels' Instinkt sagt ihm, dass es sich um Mord handelt, doch die potentiellen Zeugen können oder wollen nicht mit ihm reden. Trotzdem gelingt es dem Hauptkommissar, nach und nach alle Puzzleteile zusammenzusetzen. Ergeben sie ein realistisches Gemälde?

          ***

          Frage 1: Sind Demenzkranke als Zeugen überhaupt zugelassen und wie unterscheidet man als Polizist, ob jemand grundsätzlich  bei klarem Verstand ist oder nicht?

          Die demente Zeugin Elisabeth Strauß (Elisabeth Schwarz) erinnert sich ans Klavierspielen, an den französischen Parfümvertreter, an ihre Tochter - und an einen Mord.

          Antwort von Werner Kraus (Polizeipräsidium München):

          Auch Demenzkranke sind als Zeugen immer möglich. Allerdings gibt es dabei die Frage nach der Glaubwürdigkeit der Aussage und der Stimmigkeit der geschilderten Situation. Das kann man an der Art und Weise, wie der Zeuge etwas erzählt und wie er die Zusammenhänge herstellt, ablesen. Wenn nun jemand alle paar Minuten verschiedene Versionen vorbringt, dann wird es schwierig herauszufinden, was letztendlich stimmt. Zum Beispiel könnte ein mutmaßlicher Zeuge erzählen, dass eben der Nachbar vom Papst erstochen wurde, dann schenken die Ermittler dem Fall sehr wahrscheinlich weniger Aufmerksamkeit, als wenn tatsächlich mögliche Szenarien vorgebracht werden.

          ***

          Frage 2: Und vor Gericht ist die Aussage auch zugelassen? Oder müssen die Beamten erst noch einen Arzt zum Zustand des Zeugen konsultieren?

          Elisabeth Strauß hat immer wieder sehr klare Momente.

          Antwort von Werner Kraus:

          Die Glaubwürdigkeit des Zeugen wird vor Gericht immer entsprechend gewürdigt. Bei Demenzkranken gibt es das Problem, dass die Krankheit fortschreitend ist und der Betroffene immer weitere Schübe haben kann, während derer sich die Krankheit immerfort verschlechtert. Andererseits haben Demenzkranke meist noch relativ lange ein gutes Langzeitgedächtnis. Es kommt dann darauf an, wo die Information im Gehirn gespeichert ist. Unter Umständen kann es aber auch sein, dass der Zeuge gar nicht mehr weiß, worum es geht.

          ***

          Hauptkommissar Hanns von Meuffels ermittelt im Pflegeheim auf eigene Fast mit einer Ausdauer, die die Kollegen von der Spurensicherung nicht nachvollziehen können.

          Frage 3: Wie viel Zeit hat ein Ermittler eigentlich, um einer Mordbehauptung nachzugehen, wenn die Hinweise nicht eindeutig sind?

          Kein Dienstschluss: Kommissar von Meuffels folgt im Pflegeheim jeder Spur.

          Antwort von Werner Kraus:

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