https://www.faz.net/-gsb-7uh43

Mordfall aus Hannover : Kölner „Tatort“ verwendet echtes Phantombild

Ein Screenshot aus dem Kölner „Tatort“-Fall mit dem fraglichen Phantombild (l.) Bild: DasErste.de/Mediathek

Im Fall des Kölner „Tatort“-Teams aus den Kommissaren Ballauf und Schenk wurde ein reales Phantombild verwendet. Ein Detail, das einer Journalistin aus Hannover aufgefallen ist. Das war nicht das erste Mal.

          1 Min.

          Als die Journalistin Mirjana Cvjetkovic von der „Neuen Presse“ in Hannover am Sonntagabend den Kölner „Tatort“ ansah, traute sie bei Minute 39 ihren Augen nicht. Drei Phantombilder hingen hinter Ballauf und Schenk an einer Wand, mit dem die Kommissare nach dem Mörder der Inhaberin der Partnervermittlungsagentur Lovecast suchten. Und eines davon kam der Journalistin allzu bekannt vor: Es war ein reales Phantombild aus einem Mordfall in Hannover aus dem Jahr 2011. „Krass, Der #Tatort benutzt ein echtes Phantombild (Mitte). Mordfall Annika B.“, twitterte Cjetkovic - samt einem Screenshot als Beweis.

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Bei dem Fall war die junge Studentin Annika B. in Hannover auf offener Straße erstochen worden. Kurz darauf veröffentlichte die Polizei ein Phantombild - exakt dasselbe, das am Sonntagabend bei Ballauf und Schenk im Kommissariat an der Wand hing. Im echten Leben hatten die Beamten mit dem Phantombild keinen Erfolg: Der Mordfall wurde nicht aufgeklärt, die Ermittlungen nach einiger Zeit eingestellt.

          Warum verwendeten die Produzenten des Kölner „Tatort“ in ihrem fiktiven Fall ein echtes Phantombild? Und wussten sie überhaupt, was sie da in ihrer Serienfolge verwenden?

          Es ist zumindest nicht das erste Mal, dass ein echtes Phantombild in einer Kölner Tatort-Folge auftaucht: In der Folge „Bestien“ fand sich 2001 in einer fiktiven BKA-Aktie ein reales Fahndungsfoto des NSU-Terroristen Uwe Mundlos aus dem Jahr 1998. Gegenüber „Spiegel Online“ erklärte die Produzentin der Folge, Sonja Goslicki von Colonia Media, dies damit, eine Praktikantin habe die „Phantasieakten“ für den Fall aus Archivmaterial „händisch zusammenkopiert“. Die junge Mitarbeiterin sei wohl davon ausgegangen, dass es sich um ein Foto eines Mitarbeiters gehandelt habe, so Goslicki.

          Ob auch dieses Mal eine Praktikantin dafür verantwortlich ist, dass ein echtes Phantombild in den Tatort geriet? Völlig verwunderlich wäre es zumindest nicht.

          Weitere Themen

          Gewagte Mischungen in der Oper

          „New Dark Age“ in London : Gewagte Mischungen in der Oper

          Endlich wieder live in der Covent-Garden-Oper: Zwei Abende bündeln Altes und Neues unter dem Titel „New Dark Age“. Der Operndirektor sieht eine aufregende Chance in der neuen Situation.

          Der Paulskirche fehlt die Aura

          Symbolort der Demokratie : Der Paulskirche fehlt die Aura

          Die Gestaltung der Frankfurter Paulskirche ist ein erinnerungspolitisches Desaster. Damit sie als zeitgemäße nationale Gedenkstätte wirken kann, muss die anstehende Sanierung mehr als eine technische Ertüchtigung sein. Ein Gastbeitrag.

          Topmeldungen

          Die Karrierefrage : Wie meistere ich die Krise?

          Resilienz ist das neue Karriere-Zauberwort, gerade jetzt in Pandemie-Zeiten. Die gute Nachricht: Seelische Widerstandskraft lässt sich lernen.
          Turbinenläufer im Gasturbinenwerk von Siemens Energy

          Steuertipp : Aktien von Siemens Energy verkaufen

          Ob die Aktie von Siemens Energy eine gute Anlage ist, muss jeder selbst wissen. Aus steuerlicher Sicht lohnt sich der Verkauf.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.