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FAZ.NET-Tatortsicherung : So leicht geht Urkundenfälschung?

Mann mit roter Vespa und feinem Gespür für Bläschenbildung: Kommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow) Bild: SR/Manuela Meyer

Ein dubioser Koch, der erst Notizen fälscht und dann auch noch einen Mord vortäuscht – im „Tatort: Söhne und Väter“ wird viel gelogen. Stimmt denn wenigstens das Urteil über Bordeaux-Austern?

          „Ich bin nur für die Wahrheit zuständig, nicht für die Gerechtigkeit.“ Kommissar Jens Stellbrink (Devid Striesow) gibt sich im neuen „Tatort“ des Saarländischen Rundfunks erst zufrieden, als das Rätsel um den toten früheren Radprofi Dirk Rebmann (Crisjan Zöllner) lückenlos aufgeklärt ist. Dass der Weg dorthin einer Ermittlungsodyssee gleicht, liegt nicht nur an der listigen Daniela Rebmann (Sanne Schnapp), die den Mord an ihrem Gatten bis zuletzt leugnet. Sondern auch an dem Koch und Ausbilder Jean Carlinó (Jophi Ries), der einen Mord gesteht, welchen er gar nicht begangen hat. Aus welchem Grund er nachts in die Wohnung des toten Schülers Enno Bartsch (Filip Januchowski) einsteigt, um dessen Tagebuch zu manipulieren – das bleibt bis zum Schluss ungeklärt.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Wie ambitioniert ist es eigentlich, eine Handschrift täuschend echt fälschen zu wollen? Kann man bestimmte Vergiftungen tatsächlich durch Bläschen an der Haut feststellen? Und was hat es mit der angeblich herausragenden Qualität von Meeresfrüchten aus Bordeaux auf sich? Wir haben uns mit Experten darüber beraten.

          *** 

          Frage 1: Können versierte Gauner eine Handschrift über mehrere Tagebuchseiten hinweg, innerhalb von wenigen Stunden und für das menschliche Auge nicht erkennbar fälschen, sodass nur ein Gutachter die Echtheit widerlegen kann?

          Original oder Fälschung, das ist hier die Frage – die nur der Gutachter beantworten kann.

          Antwort von Dr. Gudrun Bromm (Institut für Schrift- und Urkundenuntersuchung e.V.):

          Im Einzelfall kann es möglich sein, dass ein versierter Schreiber mit einer überdurchschnittlichen Beobachtungsgabe und grafischen Gewandtheit eine fremde Schrift – für einen Laien zunächst nicht erkennbar – mit Hilfe einer Vorlage fälscht. Allerdings nehmen die Chancen für eine gelungene Fälschung mit der Länge und der Komplexität der zu kopierenden Schreibleistung deutlich ab. Faktoren, die eine erfolgreiche Nachahmung begünstigen, wären beispielsweise eine zufällige Schriftähnlichkeit zwischen der nachzuahmenden Schrift und der Schreibweise des Fälschers, oder ein relativ einfacher grafischer Aufbau der zu fälschenden Schrift.

          ***

          Frage 2: Wie genau geht ein Gutachter beim Schriftabgleich vor, welche Instrumente stehen ihm zur Verfügung?

          „Jetzt brauchen wir einen Plan“: Für seinen Lehrling riskiert Jean Carlinó (Jophi Ries) alles.

          Antwort von Dr. Gudrun Bromm (Institut für Schrift- und Urkundenuntersuchung e.V.):

          Die Forensische Schriftuntersuchung bedient sich zweier methodischer Ansätze. Zunächst wird in den physikalisch-technischen Analysen die materielle Beschaffenheit eines Schriftstücks analysiert. Hieran schließen schriftvergleichende Untersuchungen an. Dabei werden in einem detaillierten, systematischen Vergleich die grafischen Merkmale einer fraglichen Schrift mit den Schreibleistungen einer als Urheber in Frage kommenden Person geprüft. Im Unterschied zur Sichtweise vieler Laien bleibt der Schriftvergleich durch einen Sachverständigen nicht auf Buchstabenformen oder die Schriftgröße fokussiert. Vielmehr werden die Schreibleistungen in einem fachgerechten Vergleich wie beispielsweise nach dem „Modell der graphischen Grundkomponenten“ auf Entsprechungen beziehungsweise Abweichungen in den Merkmalsbereichen Strichbeschaffenheit, Druckgebung, Bewegungsfluss, Bewegungsführung, Formgebung, Schriftlage, Zeilenführung, vertikale und horizontale Proportionen sowie Flächengliederung geprüft.

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