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FAZ.NET-Tatortsicherung : Am Ende ist für alle Zahltag

  • -Aktualisiert am

Thomas Vollmer (Jürgen Maurer) kommt nach zehnmonatiger Haftstrafe auf freien Fuß. Die Haft hat für seine Position im Motorradclub der „Miners“ drastische Folgen. Bild: WDR/Thomas Kost

Der „Tatort“ aus Dortmund bietet Wild-West-Schießereien und nachträgliche Handyortungen, dazu machen runtergekommene Bauunternehmen Millionenumsätze. Klingt nach Hollywood-Phantasien? Wir haben nachgefragt.

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          Im „Tatort: Zahltag“ hat der Präsident des Motorradclubs „Miners“, Thomas Vollmer (Jürgen Maurer), seine zehnmonatige Strafe im Gefängnis abgesessen und vom Vizepräsidenten Luan Berisha (Oliver Masucci) samt Empfangskomitee abgeholt. Doch kurz nach seiner Freilassung wird ein Mitglied des Motorradclubs am helllichten Tag auf offener Straße von einem Auto gerammt und bei der anschließenden Schießerei hingerichtet und ausgeraubt. Die Täter werden kurz darauf selbst tot aufgefunden, und wegen der Ortungsdaten des Smartphones des Rockers führen die Spuren nun auch zu deren vermeintlichen Feinden: der Mafia.

          Wie verworren das Drehbuch von Jürgen Werner tatsächlich ist, wird im zweiten Handlungsstrang deutlich: Nach einer Beschwerde des Polizeioberkommissars Daniel Kössiks (Stefan Konarske) ermittelt Johannes Pröll (Milan Peschel) von der Dienstaufsicht wegen eines Toten gegen Hauptkommissar Peter Faber (Jörg Hartmann). Hauptkommissarin Martina Bönisch (Anna Schudt) und Polizeioberkommissarin Nora Dalay (Aylin Tezel) geraten dann auch noch in den Hahnenkampf der beiden. Viel Stoff für Konflikte und große Egos. Und die Ermittlungen? Die führen die beiden Teams im Halbstreit oder jeder auf eigene Faust. Wer blickt da eigentlich noch durch?

          Zum Glück gibt’s Technik, die so vieles leichter macht. Bei der Schießerei haben schaulustige Passanten die Szene mit ihren Smartphones gefilmt. Das schützt sie zwar nicht vor Kugeln, aber hilft den Dortmunder Ermittlern, die Täter zu identifizieren und zu orten – auch nachträglich. So können mindestens genau so komplizierte Feindschaften und Machenschaften von Scheinfirmen aufgedeckt werden. In Kombination mit den Actionszenen erinnert alles an die Genauigkeit von Hollywood: Wir haben nachgefragt.

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          Frage 1: In der neuen Folge von „Tatort“ wird mal eben ein Smartphone geortet, was die Ermittler schnell auf die richtige Spur bringt. Wie schwierig ist es wirklich, die Position eines Smartphones festzustellen?

          Da sind Martina Bönisch (Anna Schudt) und Peter Faber (Jörg Hartmann) zu spät. Die gesuchten Täter fielen selbst einem Anschlag zum Opfer.
          Da sind Martina Bönisch (Anna Schudt) und Peter Faber (Jörg Hartmann) zu spät. Die gesuchten Täter fielen selbst einem Anschlag zum Opfer. : Bild: WDR/Thomas Kost

          Antwort von Nina Vogt (Pressestelle Polizeipräsidium Dortmund): Es gibt verschiedene Möglichkeiten – in Zusammenarbeit mit den Netzbetreibern – über eine Auswertung der Verkehrsdaten ein Handy zu orten. Um diese auszuschöpfen, müssen aber strenge rechtliche Voraussetzungen erfüllt sein. Das heißt, es muss in Fällen der gefahrenabwehrenden Maßnahme eine akute Gefahr für das Leben eines Betroffenen bestehen (z.B. bei angekündigten Suiziden oder vermissten erkrankten Personen). Oder aber die Qualität der zugrunde liegenden Straftat muss einen richterlichen Beschluss bedingen, der bei der Strafverfolgung für eine solche Ortung nötig ist.

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          Frage 2: Und ist das auch nachträglich möglich, wenn das Smartphone schon längst bei der Polizei ist?

          Ein Rentner führt aus einem Altenheim ein Bauunternehmen? Das kann nur ein Strohmann sein.
          Ein Rentner führt aus einem Altenheim ein Bauunternehmen? Das kann nur ein Strohmann sein. : Bild: WDR/Thomas Kost

          Antwort von Nina Vogt (Pressestelle Polizeipräsidium Dortmund): Eine solche Auswertung ist ad hoc nicht unbedingt bei jedem Smartphone möglich. Dabei kommt es vor allem auf die jeweilige Konfigurierung eines Gerätes an. Hat der Besitzer beispielsweise die Ortungs-/Lokalisierungsdienste eingeschaltet, ist es in den meisten Fällen nicht schwer, die Daten dieses Telefons recht schnell auszulesen. Das können Sie an Ihrem eigenen Handy selbst testen – sowohl Android als auch iOS haben in ihren Einstellungen entsprechende Möglichkeiten. Auch das Auslesen dieser Daten durch die Polizei erfordert aber bestimmte rechtliche Voraussetzungen und eine Anordnung durch die zuständige Staatsanwaltschaft. Auch über die Anfrage an den Netzbetreiber ist eine solche Auswertung bei Vorliegen der rechtlichen Voraussetzungen möglich, aber auch aufwendiger.

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          Frage 3: Im „Tatort“ gibt eine Schießerei auf offener Straße. Wie oft kommt es wirklich zu „Schießereien“ in Dortmund?

          Wen eine Position in der Hierarchie der „Miners“ frei wird, wird aufgerückt. Doch was, wenn der Präsident Thomas Vollmer (Jürgen Maurer, links) zurückkommt? Rechts der Vizepräsident Luan Berisha (Oliver Masucci)
          Wen eine Position in der Hierarchie der „Miners“ frei wird, wird aufgerückt. Doch was, wenn der Präsident Thomas Vollmer (Jürgen Maurer, links) zurückkommt? Rechts der Vizepräsident Luan Berisha (Oliver Masucci) : Bild: WDR/Thomas Kost

          Antwort von Nina Vogt (Pressestelle Polizeipräsidium Dortmund): Dazu können wir keine statistischen Daten liefern. Schusswaffengebräuche können unter (versuchten) Tötungsdelikten laufen, unter gefährlicher Körperverletzung, unter dem Versuch einer gefährlichen Körperverletzung. Und um herauszufinden, ob ein solcher jeweiliger Sachverhalt dem Kriterium einer „Schießerei“ entspricht, müsste ich in einzelnen Sachverhalten nachlesen. Festzustellen ist jedoch, dass es in Dortmund selten zu Schüssen kommt, die auf Personen abgegeben werden, und noch seltener zu wechselseitigen Schüssen. Dabei handelt es sich um Einzelfälle.

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          Frage 4: Schaulustige Passanten filmen die Szene, und die Ermittler fragen zur Täterermittlung, neben privaten Überwachungskameras und der Verkehrsüberwachung, auch explizit Videoportale im Internet ab. Gehört das wirklich zum Standardrepertoire der Kriminalpolizei?

          Hauptkommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) ermittelt am Tatort. Irgendwas fehlt dem Opfer.
          Hauptkommissar Peter Faber (Jörg Hartmann) ermittelt am Tatort. Irgendwas fehlt dem Opfer. : Bild: WDR/Thomas Kost

          Antwort von Nina Vogt (Pressestelle Polizeipräsidium Dortmund): Die Beamten der Kriminalpolizei nutzen alle ihnen zur Verfügung stehenden Mittel, um einen Sachverhalt aufzuklären. Wenn es Hinweise gibt, dass dazu auch Beiträge auf derartigen Portalen beitragen können, dann werden sie natürlich im Rahmen der rechtlichen Möglichkeiten auch diese nutzen.

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          Frage 5: Bei den Ermittlungen findet eine Kommissarin heraus, dass die kriminellen Gruppen zusammen Steuern hinterziehen. Ist das von ihr beschriebene Szenario realistisch?

          Auch Johannes Pröll (Milan Peschel) ermittelt wegen eines Toten. Hier allerdings intern gegen den Hauptkommissar Peter Faber.
          Auch Johannes Pröll (Milan Peschel) ermittelt wegen eines Toten. Hier allerdings intern gegen den Hauptkommissar Peter Faber. : Bild: WDR/Thomas Kost

          Antwort von Nina Vogt (Pressestelle Polizeipräsidium Dortmund): Im Bereich der Wirtschaftskriminalität sind die Gründung von Scheinfirmen und das Verschieben von Gewinnen sehr aktuelle Themen, mit denen es die Ermittler in unterschiedlichen Größenordnungen tagtäglich zu tun haben. Daher ist ein solcher Fall zwar für die Sendung konstruiert, aber sicher nicht realitätsfern.

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