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FAZ.NET-Tatortsicherung : Wir sagen jetzt nicht „Bingo!“

Frage 4: Im neuen „Tatort“ wird eine Frau, nachdem ihr der Täter „Muskelrelaxans verabreicht hat, die Treppe hinuntergeworfen. Das Mittel wird angeblich nur noch in der Notfallmedizin verwendet, es soll, wie es im Film heißt, nach dreißig Sekunden die Skelettmuskulatur entspannen, so dass jeder größere Sturz tödlich endet. Wie perfekt ist dieser Mord?

Wie realistisch ist der Mord von Martin Kern (Roman Knizka) an seiner Frau?

Antwort von Prof. Dr. Marcel A. Verhoff (Direktor des Instituts für Rechtsmedizin Universitätsklinikum Frankfurt):

Bei dem Wirkstoff könnte es sich um Succinylcholin handeln. Wird es in die Vene gespritzt, kann die Wirkung in 30 Sekunden einsetzen: Die Muskulatur erschlafft. Wenn eine Person ohne erkennbaren Grund die Treppe heruntergefallen ist, wird man sich fragen, warum. Eine Obduktion in der Rechtsmedizin ist wahrscheinlich. Dabei wird man die Einstichstelle sehen. Bei den forensisch-toxikologischen Untersuchungen wird das Succinylcholin nachgewiesen. Es ergeben sich dann Täterhinweise in Richtung medizinisches Personal. Also insgesamt wäre das kein perfekter Mord.

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Frage 5: Im neuen Fall aus Frankfurt spielt eine Musik-CD, die am Tatort in Endlosschleife gespielt wurde und angeblich aus den achtziger Jahren stammt, eine wichtige Rolle. Im Film heißt es, CDs hielten nur 30 bis 40 Jahre. Stimmt das – und wie kann man den Alterungsprozess aufhalten?

Gespenstischer Tatort: Eine Familie wurde ausgelöscht und im Hintergrund spielt Musik.

Antwort von Stephan Jockel (Pressesprecher Deutsche Nationalbibliothek/Deutsches Musikarchiv):

Dass CDs aus den achtziger Jahren noch laufen, ist nicht ungewöhnlich. Wir haben im Musikarchiv aber auch schon CDs mit Schadensbildern gehabt, bei denen Zersetzungsprozesse festzustellen sind. Zerstört wird dabei die inhalttragende Schicht, die Silberfolie. Wenn Sie eine solche CD gegen das Licht halten, sieht es aus wie ein Sternenhimmel. Alterungsprozesse hängen zum einen von dem verwendeten Material und dem Presswerk ab, zum anderen von den Lagerungsbedingungen. Hierbei sind die Temperatur und die Luftfeuchtigkeit entscheidend. Wir lagern Tonträger in einem klimatisierten Magazin bei 17 bis 18 Grad Celsius, die Luftfeuchtigkeit sollte zwischen 40 und 50 Prozent liegen. Ungünstig ist immer, wenn die CDs bedruckt sind, was bei Kauf-CDs ja eigentlich Standard ist.

Ein Archiv wie unseres kann sich aber natürlich nicht darauf verlassen, dass CDs 30 bis 40 Jahre halten. Der Zerfall beginnt wesentlich früher quasi mit der Auslieferung. Die Fehler, also die Zerstörung wird aber erst wesentlich später bemerkt bzw. ist später erst hörbar. Mit der Angabe 20 – 25 Jahre läge man genauer. Dabei kommt es auf die Produktionsjahre an. Frühe Produktionen haben eine kürzere Lebensdauer, späte Produktionen halten wegen modifizierter Herstellungsprozesse länger. Entscheidend ist die Fehlerkorrektur der Player.

Daher haben wir damit begonnen, alle CDs, die wir in unseren Beständen haben, in ein Langzeitarchiv, auf Festplatte, umzukopieren. Allein im vergangenen Jahr haben wir 120.000 Tonträger migriert, insgesamt sind es 350.000.

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Frage 6: Sehen wir das richtig, dass das Lied „It could be you“, das im neuen „Tatort“ als angeblicher Achtziger-Jahre-Hit eine wichtige Rolle spielt, eigens für diesen „Tatort aufgenommen wurde?

Muss man diesen Hit gekannt haben? „It could be you“ von Margaux & The Point

Antwort von Ulli Rattay (Verlag „rent a dog/ Rattay Music):

Ja, das stimmt. Die Musik für diesen „Tatort“ haben Sven Rossenbach und Florian van Volxem gemacht, die ja auch schon für Dominik Graf und andere Filmemacher gearbeitet haben. Die beiden haben den Achtziger-Jahre-Sound nachgestellt mit der Sängerin Margo van Bergen aus Holland. Matti Rouse hat den Text geschrieben und dann ging alles Rubbeldikatz. Drei Versuche, und sie hatten etwas im Kasten, das den Produzenten gefiel.

Und das Lied soll über den „Tatort“ hinaus verkauft werden?

Ja, das war ein Vorschlag vom HR selbst. Die fragten, ob man das Stück nicht für eine Veröffentlichung zur Verfügung stellen könnte. Und jetzt kann man den Song eben als Download kaufen.

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So fand unser Autor den neuen „Tatort„ aus Frankfurt – wie fanden Sie ihn?

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Trailer : „Herbstsonate“

„Herbstsonate“, 1978. Regie: Ingmar Bergman. Darsteller: Ingrid Bergman, Liv Ullmann, Lena Nyman.

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