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FAZ.NET-Tatortsicherung : Sind das die Arbeitsbedingungen in Qatar?

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Die Kommissare Max Ballauf und Freddy Schenk erfahren von ihrem Kollegen Tobias Reisser, was dessen Hintergrundrecherchen ergeben haben. Bild: WDR/Martin Valentin Menke

Im Kölner „Tatort“ ermitteln die Kommissare Ballauf und Schenk in zwei Fällen parallel. Dabei erfahren sie von den Machenschaften eines Architekturbüros bei einem Bauprojekt für die Fußball-WM in Qatar. Ist da was dran?

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          Marion Faust stürzt von einem Balkon im dritten Stock eines Kölner Hotels. Was für die Kommissare Freddy Schenk (Dietmar Bär) und Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) zunächst aussieht wie ein Suizid, stellt sich als Mord heraus. Vor ihrem Tod machte die Hotelangestellte mehrere besorgte Anrufe bei Susanne Baumann, einer Mitarbeiterin des Architekturbüros Könecke & Partner, die seit geraumer Zeit unauffindbar ist.

          Susanne Baumann wird von ihrem Ehemann Lars vermisst, der im selben Architekturbüro arbeitet und eigentlich in Qatar sein müsste, wo er den Bau eines Hotels für die Fußball-WM 2022 beaufsichtigen soll. Er scheint auch Marion Faust zu kennen und kurz vor ihrem Tod einen heftigen Streit mit ihr gehabt zu haben. Dadurch gerät er ins Visier der Kommissare. Doch als die Polizei ihn zur Rede stellen will, taucht er unter.

          Schenk und Ballauf müssen nun herausfinden, welche Verbindung zwischen den beiden Frauen besteht. Am Rande erfahren sie, in welche Machenschaften das Architekturbüro bei seinen Bauprojekten in Qatar verstrickt ist. Welche Arbeitsbedingungen herrschen tatsächlich auf den Baustellen des WM-Landes?

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          Frage 1: Lars Baumann erwähnt gegenüber einem Kollegen des Architekturbüros, die Arbeiter in Qatar würden beim Bau des Hotels für die Fußball-WM 2022 streiken, weil sie nicht bezahlt werden und ihnen das Material ausgeht (Minute 11). Wie ist es wirklich um die Arbeitsbedingungen für Bauarbeiter in Qatar bestellt?

          Die Architekten Terstegen und Kastner arbeiten an einem Bauprojekt in Qatar. Was dort für Arbeitsbedingungen herrschen, interessiert sie wenig.
          Die Architekten Terstegen und Kastner arbeiten an einem Bauprojekt in Qatar. Was dort für Arbeitsbedingungen herrschen, interessiert sie wenig. : Bild: dpa

          Antwort von Maike Rademaker (Sprecherin Bundesvorstand Deutscher Gewerkschaftsbund):

          In der Baubranche in Qatar sind hauptsächlich Wanderarbeiter aus Ländern wie Nepal, Bangladesch und Indien beschäftigt. Bislang galt für sie das Kafala-System. Danach standen Wanderarbeiter im völligen Abhängigkeitsverhältnis zu ihren Arbeitgebern und wurden häufig von Schleusern ins Land gelockt. Dort angekommen, wurden Pässe konfisziert und die vorher unterschriebenen Verträge durch weitaus schlechtere Verträge ersetzt. Die Migranten hatten kein Recht auf Streik oder gewerkschaftliche Organisation. Kündigungen und Arbeitsniederlegungen galten als Gesetzesverstoß, auch dann, wenn der Arbeitgeber den Arbeitseinsatz unter unzumutbaren Arbeitsbedingungen verlangte oder keinen Lohn zahlte. Aufgrund der geringen Strafen und des schwachen Überwachungssystems mit unzureichenden Inspektoren hatten die Arbeitgeber dabei nichts zu befürchten.

          Als die hohe Zahl an Todesfällen auf qatarischen Baustellen bekannt wurde, und immer mehr Fälle von „gestrandeten“ Migranten, die ohne Einkünfte und sozialen Schutz im Land festsaßen, an die Öffentlichkeit kamen, formierte sich internationaler Protest, insbesondere beim Internationalen Gewerkschaftsbund IGB.

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          Frage 2: Können deutsche Gewerkschaften darauf Einfluss nehmen, dass Arbeiter bei deutschen Bauprojekten in Qatar unter besseren Bedingungen arbeiten können?

          Antwort von Maike Rademaker:

          Der DGB hat keinen direkten Einfluss auf die Arbeitsbedingungen in deutschen Bauprojekten im außereuropäischen Ausland. Aber unsere Mitgliedsgewerkschaft, die IG BAU (Bauen-Agrar-Umwelt), hat gemeinsam mit der BHI (Bau- und Holzarbeiter Internationalen) mit ausländischen Bauunternehmern schon mehrere internationale Rahmenabkommen verhandelt, die die Arbeitsbedingungen regeln. Und bei der „Internationalen Arbeitsorganisation“ lief ein Verfahren wegen Verstößen gegen internationales Arbeitsrecht, das erst im Herbst letzten Jahres beigelegt wurde, nachdem die qatarische Regierung sich bereiterklärt hatte, grundlegende rechtliche Reformen vorzunehmen, das Kafala-System abzuschaffen und Arbeitern Mitsprache zu ermöglichen.

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