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FAZ.NET-Tatortsicherung : Wie oft wird am Staat vorbei adoptiert?

  • -Aktualisiert am

Bedrohtes Glück: Sabine Hallmann (Katharina Heyer) mit dem kleinen Leon (Paul Lehmann) Bild: rbb/Andrea Hansen

Was im neuen Polizeiruf aus dem deutsch-polnischen Grenzgebiet zunächst wie eine Entführung aussieht, ist in Wahrheit ein Fall von illegalem Kinderhandel. Wie verbreitet ist das?

          Der sechs Monate alte Leon Hallmann wird aus dem Krankenhaus entführt. Die beiden Kommissare Lenski (Maria Simon) und Raczek (Lukas Gregorowicz) nehmen gerade die Ermittlungen auf, da taucht das Kind plötzlich in einem polnischen Krankenhaus wieder auf.

          Doch das Glück ist nur von kurzer Dauer. Die Eltern von Leon (Katharina Heyer, Tobias Oertel), sind gar nicht seine richtigen Eltern. Ein Vaterschaftstest stellt sich als gefälscht heraus. Und dann wird auch noch der Entführer tot aufgefunden – erschlagen und mit seinem Auto versenkt.

          Die Spur führt schnell zu Leons leiblicher Mutter, Anna Kowalska (Agnieszka Grochowska) und ihrem Mann (Piotr Stramowski). Doch ist der auch der Vater des kleinen Leon? Und warum wurde das Kind überhaupt entführt?

          ***

          Frage 1: Das Auto mit der Leiche von Pawel Ruzanski sollte in einem Kanal versenkt werden. Ein Beamter von der Spurensicherung erklärt, dass das nicht geklappt hat, weil sich im Auto immer eine Luftblase bildet, die es oben hält. Stimmt das?

          Anna Kowalska (Agnieszka Grochowska) bereut ihre Entscheidung.

          Antwort von Stefanie Klaus (Sprecherin Polizeidirektion Brandenburg):

          Normalerweise geht das Auto unter. Selbst, wenn sich da eine Luftblase bildet, muss die ja auch kräftig genug sein, um ein Auto, das ja doch ein paar Kilo wiegt, oben zu halten. Außerdem ist ein Auto ja auch nicht luftdicht, sonst würden Sie beim Fahren darin ersticken. Das heißt, es kommt immer Luft – und dementsprechend auch Wasser – rein. Dass ein Auto also mehrere Stunden über Wasser bleibt halte ich für ausgeschlossen.

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          Frage 2: Das Ehepaar Hallmann versucht seit langem ein Kind zu bekommen. Robert Hallmann erzählt an einer Stelle, seine Frau habe 10 künstliche Befruchtungen, 15 Hormonbehandlungen und 10 Abgänge hinter sich. Ist das realistisch?

          Quälender Kinderwunsch: Sabine und Robert Hallmann (Tobias Oertel) warten im Krankenhaus, aus dem ihr Sohn kurz zuvor entführt wurde.

          Antwort von Dr. med. Kay-Thomas Moeller (Kinderwunschzentrum Potsdam):

          Die Aufzählung von Robert Hallmann ist medizinisch ziemlicher Unsinn. Wenn eine Frau zehn „Abgänge“ hinter sich hat, dann ist nicht das Problem schwanger zu werden, sondern schwanger zu bleiben. Wo kommen aber dann die zehn künstliche Befruchtung her und die 15 Hormonbehandlungen? Ganz grundsätzlich sind Aufzählungen wie 10,15,10 immer Hinweise auf grobe Schätzungen. Hier hat offensichtlich ein Drehbuchschreiber dem Drang zum Stereotyp und zum Drama nachgegeben.

          ***

          Frage 3: Der entführte Leon ist nicht das Kind der Hallmanns, sondern das von Anna Kowalska. Die Hallmanns haben es für viel Geld „wild adoptiert“. Die Polizei scheint die Sache wenig zu interessieren. Kommen solche illegalen Adoptionen oft vor?

          Reicht ein Duchsuchungsbeschluss zur Aufklärung? Kriminalhauptkommissarin Olga Lenski (Maria Simon, Mitte) und ihr Kollege Adam Raczek (Lucas Gregorowicz, rechts) suchen Bartosz Kowalski (Piotr Stramowski) auf.

          Antwort von: Antje Grabeley (Stellvertretende Presssprecherin Ministerium für Bildung, Jugend und Sport, Brandenburg):

          Wenn eine Mutter versucht, ihr minderjähriges Kind einer dritten Person gegen eine Geldzahlung zu überlassen, handelt es sich nicht um eine „illegale Adoption“, sondern um eine Straftat, nämlich Kinderhandel (§ 236 StGB). Wenn eine unbefugte Person ein minderjähriges Kind in Adoption vermittelt, das heißt, keine anerkannte Adoptionsvermittlungsstelle beteiligt ist oder eine Adoptionsfachkraft gegen eine Geldzahlung ein Kind vermittelt, ist das ebenfalls als Straftatbestand des § 236 StGB anzusehen, es sind entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Im Jahr 2016 wurden in ganz Deutschland 14 Fälle von Kinderhandel erfasst.

          Mit der Einführung des Haager Adoptionsübereinkommens sind alle am Adoptionsverfahren beteiligten Fachstellen verpflichtet, dem Kinderhandel entgegenzuwirken. Im Adoptionsverfahren sind entsprechende Standards und Prüfkriterien einzuhalten, so dass die Vermittlung eines Kindes zu geeigneten Adoptionsbewerbern nur unter fachlicher Begleitung erfolgt.

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          Frage 4: Im Film fahren die Kommissare Razek und Lenski einfach zwischen Deutschland und Polen hin und her und ermitteln auf beiden Seiten der Grenze. Funktioniert die Zusammenarbeit im echten Leben auch so gut?

          Antwort von: Stefanie Klaus (Pressesprecherin Polizeidirektion Brandenburg):

          Die Zusammenarbeit funktioniert im Grenzgebiet gut. Es gibt deutsch-polnische Streifenwagen, in denen jeweils ein deutscher und ein polnischer Polizeibeamter sitzen. Die dürfen auf beiden Seiten der Grenze fahren. Auch Nacheile ist kein Problem. Also, wenn ein Verdächtiger über die Grenze flüchtet, dann können die Kollegen ihn ohne Probleme nach Polen verfolgen. Natürlich werden sie aber unterwegs dann die polnischen Kollegen verständigen.

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