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FAZ.NET-Tatortsicherung : Wer leidet am McCoy-Goldstein-Syndrom?

  • -Aktualisiert am

Jetzt schon ein Klassiker des Weimar-Fernsehkrimis: Kira Dorn (Nora Tschirner) und Lessing (Christian Ulmen) ermitteln zum vierten Mal im Auftrag des MDR Bild: MDR/Neugebauer

Im neuen „Tatort“ aus Weimar wird eine Menge Porzellan zerdeppert. Auch seltene Gifte und Krankheiten spielen eine Rolle. Einige brachten sogar unsere Experten ins Grübeln.

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          Fast wie ein Märchen zeigt dieser „Tatort“ eine bunte Parallelwelt: „Der scheidende Schupo“, Polizist Ludwig Maria Pohl (Arndt Schwering-Sohnrey), immer nur kurz „Lupo“ genannt, ist süchtig nach Tütenkakao und außerdem fleurophil, er redet sogar mit den Blumen; der Führerin im Porzellanmuseum bringt er welche, nur um zu gestehen, dass er doch in Kommissarin Dorn (Nora Tschirner) verschossen ist; die Führerin wiederum rasiert in Wut seine geliebten Schneerosen ab und stirbt, als sie die Säge in den Boden rammt, in dem eine reaktivierte Fliegerbombe vergraben wurde, die dadurch explodiert.

          Jetzt suchen Dorn und ihr Mann Lessing (Christian Ulmen) den Eingräber der Bombe und bald darauf auch denjenigen, der „Lupo“ mit Rizin vergiftet hat. Währenddessen kommt heraus, dass dieser Jemand der Sohn des gestorbenen Porzellanpatriarchen Scholder sein soll und damit viel zu erben hat. Dabei werden allerlei Väterbüsten zerschmissen, Tassen geworfen und Gothaer Kränze gespachtelt.

          Was ist echt und was gefälscht? Wir haben die Produkte der „Tatort“-Manufaktur auf den Anteil an Wirklichkeitstreue überprüft.

          ***

          Frage 1: „Lupo“ vergiftet sich unwissentlich selbst mit Rizin, das seine ehemalige Kindergärtnerin, „Tante“ Olga, aus Wunderbäumen extrahiert. Funktioniert die Rizinherstellung wirklich so? Was sind Wunderbäume?

          Bewandert in der Wunderbaum-Nutzung: Olga Kruschwitz (Carmen-Maja Antoni, li.) mit Hauptkommissarin Kira Dorn (Nora Tschirner).

          Antwort von Prof. Dr. Dietrich Mebs (emeritierter Rechtsmediziner, Uni Frankfurt):

          Rizin wird tatsächlich aus Wunderbäumen gewonnen, chemisch kann es nicht erzeugt werden. Wunderbäume sind Sträucher, so ein bisschen wie Unkraut; heimisch sind sie in mediterranen Gebieten, aber auf der ganzen Welt verbreitet. Die Früchte sind stachelig und bestehen aus kleinen Bohnen. Daraus kann man auch Rizinusöl erzeugen – dabei werden sie heiß ausgepresst und das Gift dadurch zerstört, es denaturiert. Wenn man aber einfach so auf den Früchten herumkaut, ohne sie zu erhitzen, kann man sich leicht vergiften.

          ***

          Frage 2: Laut toxikologischem Institut im „Tatort“ gibt es kein Gegenmittel, daher scheint der Polizist zunächst dem Tod geweiht. Am Ende werden aber doch Antikörper in seinem Blut festgestellt, sodass „Lupo“ dennoch überleben wird. Gibt es Gegenmittel oder Antikörper gegen Rizin?

          Fleurophil: Polizist „Lupo“ (Arndt Schwering-Sohnrey) lässt Blumen sprechen.

          Antwort von Prof. Dr. Dietrich Mebs (emeritierter Rechtsmediziner, Uni Frankfurt):

          Nein, es gibt kein Gegenmittel. Rizin ist hochtoxisch und zerstört das Gewebe, die Opfer bekommen Blutungen, vor allem im Darmbereich. Wer es eingenommen hat, verblutet innerlich. Allerdings könnte es natürlich sein, dass die Amerikaner in ihrem Biokampfstoff-Programm Antikörper entwickelt haben. Die wären dann aber nirgendwo erhältlich.

          ***

          Frage 3: Der Vater eines Großteils der Figuren, Porzellanpatriarch Scholder, litt, genauso wie sein Sohn und Testamentsverwalter (an dem er die Vaterschaft jedoch vertuschte), am „McCoy-Goldstein-Syndrom“: dem Zwang, in Stresssituationen stark zu schwitzen und völlig Zusammenhangloses zu erzählen. Die Krankheit sei erblich bedingt, aus ihr könne man die dargestellten Verwandtschaften ableiten. Das sagt jedenfalls Kommissar Lessing. Gibt es so etwas wirklich?

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