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FAZ.NET-Tatortsicherung : Was tun, wenn das eigene Kind entführt wird?

In der Hand des Entführers: Die Tochter des Bauunternehmers Wieler Bild: SWR/Martin Furch

Im neuen Tatort aus Konstanz wird die Tochter eines wohlhabenden Bauunternehmers entführt. Der Vater schaltet nicht die Polizei ein. Macht er sich strafbar? Der Sonntagskrimi im Realitätstest.

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          Am Bodensee gibt es im Herbst viel Nebel. Dieser verschleiert im neuen „Tatort“ zunächst, dass ein mutmaßlicher Mörder vom Schweizer Kommissar Matteo Lüthi erschossen wird. Auch der Ermittlungsnebel um die Konstanzer Kommissare Klara Blum und Kai Perlmann lichtet sich nur langsam. Es gibt gleich mehrere Tote, die nicht zueinander passen wollen.

          In erster Linie haben es Blum und Perlmann mit einer Entführung zu tun. Anna, die Tochter von Reto und Martha Wieler, ist in die Hände eines Kriminellen gelangt, der schon Erfahrung mit dieser Art der Geldbeschaffung gesammelt hat.

          Wir haben Experten gefragt, wie man sich in einem solchen Fall am besten verhält. Und weil im Film ein Schiff über ein Fahrrad fährt, haben wir einen Physiker um seine Einschätzung gebeten: Unter welchen Umständen können Fahrräder schwimmen?

          ***

          Rechtsmediziner: „Nix, keine Schmauchspuren ... Sein Oberkörper hat im Wasser gelegen! ... Normalerweise finden wir dann aber wenigstens Reste. Schmauchspuren sind nicht so einfach abzuwaschen ...“ (Minute 10)

          Frage 1: Wie verlässlich sind Schmauchspuren, und hinterlassen alle Waffen eine Schmauchspur?

          War es Notwehr oder eine Hinrichtung? Der Schweizer Matteo Lüthi (Roland Koch) hat geschossen

          Antwort von Peter Korn (Leiter der Kriminalinspektion 8 im Polizeipräsidium Konstanz):

          „Schmauchspuren können je nach Fallkonstellation mit bloßem Auge oder erst nach kriminaltechnischer Behandlung erkennbar sein. Schmauchspuren unterliegen wie viele andere Spurenarten auch den verschiedenen Umwelteinflüssen und können dadurch auch beeinträchtigt werden.

          Sämtliche Feuerwaffen hinterlassen mehr oder weniger Schmauchantragungen am Täter und gegebenenfalls am Opfer. Dies ist beim jeweiligen Schusswaffentyp unterschiedlich und hängt im konkreten Einzelfall von weiteren Einflussfaktoren ab.“

          ***

          Frage 2: Klara Blum behauptet, dass das FBI Schmauchspuren als Beweismittel nicht akzeptiert (Minute 12). Wie verhält es sich in Deutschland?

          Schmauchspuren hätten Lüthi frühzeitig entlastet

          Antwort von Peter Korn (Leiter der Kriminalinspektion 8 im Polizeipräsidium Konstanz):

          „Die kriminaltechnischen Methoden der Schmauchspurensicherung und ihre Sichtbarmachung sind vor deutschen Gerichten anerkannt. Die jeweiligen Methoden und kriminaltechnischen Analysen werden im Rahmen der gerichtlichen Beweisaufnahme von Sachverständigen im Rahmen ihrer gutachterlichen Tätigkeit vorgetragen und unterliegen der freien Beweiswürdigung des Gerichts.“

          ***

          Frage 3: Wie so häufig in Krimis setzen die Eltern auch in diesem die Polizei über die Entführung ihres Kindes nicht in Kenntnis. Das ist verständlich, weil sie Angst davor haben, dass sie ihr Kind in noch größere Gefahr bringen. Andererseits: Ist man, wenn ein Kind entführt wird, nicht rechtlich dazu verpflichtet, die Entführung der Polizei zu melden?

          Frau Wieler: Das hast du doch alles entschieden mit der Polizei. Wie alles. (Sie will die Polizei anrufen)

          Herr Wieler: Mach es nicht! Bitte mach es nicht!“ (Minute 24)

          In einem Käfig gefangen: Anna Wieler (Annina Euling)

          Antwort von Andreas Mathy (Staatsanwalt in Konstanz):

          Vorausschicken möchte ich zunächst, dass meine nachfolgenden Ausführungen nicht eine offizielle und gar noch verbindliche Rechtsauffassung der Staatsanwaltschaft Konstanz insgesamt widerspiegeln, sondern nur meine persönliche Ansicht zu den von Ihnen aufgeworfenen Fragen. Hinzu kommt, dass besondere Umstände des jeweiligen Einzelfalles auch zu einer in concreto anderen Sichtweise führen könnten. Wichtig scheint mir außerdem zu betonen, dass es aus Sicht der Ermittlungsbehörden prinzipiell immer angeraten erscheint, die Polizei einzuschalten, auch wenn ich nachfolgend die Auffassung vertrete, dass eine Nichteinschaltung nicht strafbar wäre.

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