https://www.faz.net/-gsb-8xbuj

FAZ.NET Tatortsicherung : Was tun bei einem Nagel im Oberschenkel?

25 Jahre kollegiale Treue steht plötzlich auf dem Prüfstand: die Kommissare Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) Bild: X Filme/Hagen Keller

Der neue „Tatort“ macht aus Kommissaren Invaliden. Hat die Polizei im Fernsehen an der falschen Stelle gespart? Und hat der Kommissar im blutigen Gemetzel richtig reagiert? Wir haben nachgehakt.

          5 Min.

          Der neue Münchner „Tatort“ knüpft nahtlos an eine frühere Folge an: von dem Kapuzenträger, der einen Familienvater hinterhältig in einer Fußgängerzone erstochen hatte, fehlt weiter jede Spur. Das treibt neben der Witwe Ayumi (Luka Omoto) auch das Kommissarduo Franz Leitmayr (Udo Wachtveitl) und Ivo Batic (Miroslav Nemec) zunehmend in die Verzweiflung. Doch dann kommt es in München zu einem Mordversuch, der frappierende Ähnlichkeiten mit dem früheren Fall aufweist. Und plötzlich geht alles ganz schnell: mutmaßlicher Täter in Untersuchungshaft, Prozessbeginn in München.

          Niklas Záboji

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Doch das zwielichtige Gebaren zweier Justizangestellter bei der Überführung des Gefangenen macht den Kommissaren einen Strich durch die Rechnung. Plötzlich wird scharf geschossen und es fließt Blut in Strömen. Ist das sich anschließend abspielende Szenario auch in der Realität denkbar - oder hätte schon der zu Filmbeginn erwähnte DNA-Massentest das ganze Theater ersparen können? Hat Kommissar Leitmayr wirklich fahrlässig und als Ersthelfer falsch gehandelt? Wir haben Experten befragt.

          ***

          Im dem früheren Münchener „Tatort: Die Wahrheit“ konnte der Täter nicht überführt werden – wie jetzt bekannt wird auch deshalb nicht, weil Dezernatsleiter Karl Maurer einen sogenannten DNA-Massentest aus Kostengründen eingestellt hat. So blieb der Mörder von Ben Schröder auf freiem Fuß und kann im neuen „Tatort“ abermals zuschlagen.

          Frage 1: Wie genau muss man sich einen solchen DNA-Massentest vorstellen?

          Der Mord, über den man alles wusste – bis auf die entscheidende Antwort, wer ihn begangen hat.
          Der Mord, über den man alles wusste – bis auf die entscheidende Antwort, wer ihn begangen hat. : Bild: X Filme/Hagen Keller

          Antwort von Markus Ellmeier (Polizeipräsidium München):

          Die Durchführung einer DNA-Reihenuntersuchung erfordert einen richterlichen Beschluss. Eine Beteiligung ist grundsätzlich freiwillig – die zwangsweise Durchsetzung einer DNA-Entnahme ist nur dann möglich, wenn zusätzlich Verdachtsmomente für eine Tatbeteiligung vorliegen. Die konkrete Durchführung wird je nach Gegebenheit an einem zentralen Ort oder über Vorladungen zu Einzelterminen durchgeführt. Zu einer DNA-Reihenuntersuchung werden Personen vorgeladen, die sich zum Beispiel aufgrund ihres Wohnortes oder des Sitzes ihres Arbeitgebers am Tatort zur Tatzeit aufgehalten haben könnten. So gibt es durchaus Untersuchungen mit einer vierstelligen Zahl an Teilnehmern. Die Probenentnahme erfolgt durch einen Abstrich der Mundhöhlenschleimhaut.

          ***

          Frage 2: Und kann es tatsächlich vorkommen, dass die Polizei aus finanziellen Gründen auf die Durchführung des Tests verzichtet, obwohl man in einem Mordfall ermittelt?

          Antwort von Markus Ellmeier:

          Der Verzicht beziehungsweise der im „Tatort“ erwähnte Abbruch eines DNA-Tests aus finanziellen Gründen ist in der Realität nicht denkbar.

          ***

          Nur weil der Museumswärter Thomas Barthold (Gerhard Liebmann) seiner Mordlust noch ein zweites Mal freien Lauf lässt, kann der mutmaßliche Mörder von Ben Schröder gefasst werden. Barthold kommt daraufhin in die Straubinger Untersuchungshaft und soll in Begleitung zweier junger Justizvollzugsbeamter zum Prozessbeginn nach München überführt werden.

          Weitere Themen

          Schau bewaffneten Salafisten zu

          Brief aus Istanbul : Schau bewaffneten Salafisten zu

          Egal ob Corona oder bewaffnete Salafistenvereine: Erdogan blendet die Gefahren, die der Türkei drohen, komplett aus – denn die größte Bedrohung für seine Macht bleiben Kritiker.

          Topmeldungen

          Afghanen auf einem Abschiebeflug nach Kabul im Juli 2019

          Migrationspakt der EU : Ideen, zum Scheitern verurteilt

          Schon Deutschland hat Probleme, abgelehnte Asylbewerber in ihre Herkunftsstaaten zurückzuführen. Wie soll das dann kleineren Staaten gelingen? Die geplanten „Rückführungs-Partnerschaften“ der EU werden kaum funktionieren.
          Stapelweise Tablets: Schulleiter Felix Blömeke (Mitte) mit den Kollegen Kim Bucher und Roland Glotzbach

          Corona-Sonderprogramm : Der Schulleiter und die 95 Geräte

          Eine Gesamtschule in Schwalbach hat im Zuge des Corona-Sonderprogramms vom Landkreis iPads erhalten. Jetzt sollten die Geräte an die Schüler verteilt werden. Klingt vielversprechend. Ist aber kompliziert.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.