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FAZ.NET-Tatortsicherung : Und wer beseitigt jetzt die Unordnung?

  • -Aktualisiert am

Sorgen trüben die Gesichter: Die Kommissare Felix Murot (Ulrich Tukur) und Magda Wächter (Barbara Philipp, beide hinten) haben es mit einem äußerst gewieften Täter zu tun. Bild: HR

Ein irrer Apotheker will im neuen „Tatort“ die Menschen von ihren Qualen befreien - und bringt sie dafür um. Mit Kommissar Murot treibt er ein sonderbares Psycho-Spiel. Wie stimmig ist das alles?

          Ein tiefer Kehlenschnitt; eine tote junge Frau in blutgetränktem Badewannenwasser; ein rauchender Kommissar (Ulrich Tukur), der an den Blutspritzern an der Wand herumfummelt: „Es lebe der Tod“ heißt dieser „Tatort“, und schon der Titel zeigt an, dass die Kategorien und Begriffe, Tod und Leben, Traum und Wirklichkeit hier verschwimmen, wie ja in den Tukur-Folgen eigentlich immer. So entpuppt sich der eingangs gefilmte düstere Baum als Abbild auf einer Fototapete - und die Leiche als lebendig.

          Um einen irren Serienmörder (Jens Harzer) endlich zu erwischen – einen reichen Apotheker, der seine Opfer zunächst mit Medikamenten sediert und ihnen dann die Pulsadern in der Badewanne aufschneidet –, stellt das LKA Wiesbaden ihm eine Falle: ein vermeintlicher Trittbrettfahrer wird ins Spiel gebracht, der allerdings nicht exakt den Ritualen des eigentlichen Killers folgt. Der Trick funktioniert – der Täter meldet sich bei Kommissar Murot, der als Lockvogel fast selbst zum Opfer wird.

          Doch nach der Verhaftung fehlen die Beweise; der Täter will nur mit Murot reden. Ihm erzählt er nach und nach, warum er zum Mörder wurde: um angeblich unglückliche Menschen von ihrem Leid zu „erlösen“. Unsere Fragen sind profaner: Dürfen Polizisten tatsächlich Morde faken? Und ab wann ist Zahnweh tödlich? Wir haben Experten gefragt.

          ***

          Frage 1: Wird beim LKA Wiesbaden bei Geburtstagsfeiern für gewöhnlich mit Champagner angestoßen wie in dieser „Tatort“-Folge?

          Am Rhein gibt es doch eigentlich auch gute Tropfen, doch Murot bevorzugt Champagner.

          Antwort von Max Weiß (Hessisches Landeskriminalamt Wiesbaden):

          Normalerweise wird zu solchen Anlässen nicht mit Champagner angestoßen, sondern mit Kuchen. Wenn man als Polizist Alkohol im Dienst trinken will, muss das vorher nämlich die Behördenleitung freigeben, und das macht die nur bei besonderen Veranstaltungen. Theoretisch wäre es möglich, dass zu diesem Anlass Champagner getrunken wird, aber das kommt höchstens mal bei Ausständen vor, und auch da nur in Ausnahmefällen. Bei den knapp neunhundert Kollegen in Wiesbaden wäre es wohl auch ein bisschen viel, wenn wir bei jedem Geburtstag Champagner trinken würden.

          ***

          Frage 2: Als die Polizei das Haus des Mörders durchsucht, verwüstet sie es nicht, ändert aber doch die Ordnung der Dinge darin. Ist das erlaubt – oder muss sie die Einrichtungsgegenstände in der vorgefundenen Anordnung belassen oder wenigstens wieder aufräumen, wenn sie fertig ist?

          Alles ist an seinem Platz: Steinmetz als Kind in häuslicher Umgebung

          Antwort von Max Weiß (Hessisches Landeskriminalamt Wiesbaden):

          Nein, die Polizei muss nicht aufräumen. Wenn sie einen Durchsuchungsbeschluss hat, darf sie die betreffende Wohnung zwar nicht sinnlos verwüsten, aber eben sorgfältig durchsuchen. Das heißt zum Beispiel bei einem mutmaßlichen Drogendealer, dass sie die Kissen seiner Polstercouch aufschlitzen darf, denn in so einem Fall wäre ja zu vermuten, dass dort Drogen lagern könnten. Was sie hingegen nicht darf, ist, mit Absicht Dinge zu zerstören, wenn das keinen Zweck erfüllt, zum Beispiel einfach den Fernseher zertrümmern, obwohl es offensichtlich keinen Grund dafür gibt. In solch einem Fall hätten Betroffene, die den Rechtsweg beschreiten und eine Schadenersatzklage gegen den Staat anstreben, wahrscheinlich Aussicht auf Erfolg. Aber nicht, wenn es um reine Unordnung geht.

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