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FAZ.NET-Tatortsicherung : So hält man den BER in Schuss

Blutiger Einstand: Die Kommissare Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) Bild: rbb/Oliver Feist

„Berlin, du kannst so hässlich sein“, kann man mit Peter Fox nach dem neuen Hauptstadt-„Tatort“ nur sagen. Und auf dem BER-Gelände ist sogar alles noch viel absurder als im Film, haben wir herausgefunden.

          4 Min.

          Für den neuen „Tatort“ aus Berlin haben sich die Senderstrategen des RBB und der Autor Stefan Kolditz („Unsere Mütter, unsere Väter“) einiges vorgenommen. Von den Themen allein der ersten Folge machen andere zehnteilige Krimi-Reihen: SM-Sex, Korruption bei der Polizei, Flugplatzdebakel BER, Drogenproblematik, Flüchtlingsproblematik, jüdisches Leben, Heimkinder, Jugendkriminalität, Geschwisterliebe, Gewalt an Schulen, um nur die wichigsten zu nennen. Als Zuschauer kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, das neue Team, bestehend aus Nina Rubin (Meret Becker) und Robert Karow (Mark Waschke) habe sämtliche Stoffe, welche die beiden Vorgänger Ritter und Stark in der Bundeshauptstadt hatten achtlos auf der Straße liegen lassen, in kürzester Zeit aufzuarbeiten. Das ist für den Zuschauer oft anstrengend, auch wenn einem das ungeheure Potential der neuen Konstellation gleich ins Auge springt.

          Uwe Ebbinghaus

          Redakteur im Feuilleton.

          Ähnlich wie beim „Polizeiruf 110“ aus Rostock und der viel gelobten amerikanischen Serie „True Detective“ enthält die neue Staffel darüber hinaus Motive, die sich über mehrere Folgen hinweg entwickeln, wobei das wichtigste die Unberechenbarkeit Karows ist: Was hat der offenbar strafversetzte neue Kollege auf dem Kerbholz, war er korrupt, ist er es noch, welche Agenda jenseits aller Dienstvorschriften verfolgt er?

          Kocht keinen Kaffee und ermittelt in Karows Spezialauftrag: Praktikantin Anna Feil (Carolyn Genzkow)

          In einem Interview hat Hauptdarsteller Mark Waschke betont, dass den Beteiligten am neuen Berliner „Tatort“ ein bestimmter Realismus sehr wichtig gewesen sei - ein Anspruch, der in der Drogenkurier-Handlung der ersten Folge zweifellos eingelöst wird. Dennoch sind unserer Tatortsicherung wieder einige überflüssige Drehbuch-Köder ins Netz gegangen.

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          Frage 1: Im neuen „Tatort“ aus Berlin wird die Kommissarin wegen eines Mordfalls aus dem Urlaub geholt. Ist das üblich bei der Polizei?

          Antwort von Udo Bühler (Pressestelle des Hessischen Landeskriminalamts Wiesbaden):

          Damit es so weit kommt, müsste ein größerer Notstand eintreten. So etwas habe ich aber noch nicht erlebt. Es gibt bei der Polizei immer Kollegen, die gleiche Tätigkeiten verrichten, und wir haben natürlich auch Urlaubsvertretungen. Was vorkommt, ist, dass ein Polizist in Urlaub gehen will, er aber aus dienstlichen Gründen um Verschiebung gebeten wird.

          ***

          Frage 2: In diesem „Tatort“ gibt es bei der Kriminalpolizei zwei Praktikanten, die mitermitteln. Gibt es das tatsächlich? Die eine Praktikantin sagt noch, sie habe vor zwei Tagen erst ihre Prüfung bestanden und wolle Kriminalkommissarin werden.

          Will das schnelle Geld machen, um einer schweren Kindheit zu entfliehen: Jo (Emma Bading).

          Antwort von Udo Bühler:

          Praktikanten bei der Polizei? Das gibt es nicht. Mit der erwähnten Prüfung kann eigentlich nur die erste Fachprüfung nach dem Bachelor-Studium gemeint sein. An die schließt sich allerdings unmittelbar die Arbeit in einem Kommissariat an. Was es bei uns gibt, ist, dass ein Beamter, der sich durch besondere Leistung hervorgetan hat, gefragt wird, ob er sich nicht für den höheren Dienst bewerben möchte. In diesem Fall bekommt er die Möglichkeit, in anderen Bereichen zu hospitieren, um seinen Erfahrungsschatz zu vergrößern. Das ist aber weit von dem entfernt, was man normalerweise unter einem Praktikum versteht. Praktikanten hätten im Bereich von polizeilichen Ermittlungen auch nichts zu suchen.

          ***

          Frage 3: Im neuen „Tatort“ spielen sogenannte Mulis, Drogenkuriere, welche die Ware im Körper tragen, eine große Rolle. Ist das in der Realität auch so?

          Farblich eine Abwechslung, aber fern jeder Realität: Die Polizei hinter einem blau-weißen Absperrband

          Antwort von Udo Bühler:

          Der Begriff „Muli“ ist bei uns ungebräuchlich. Ich kenne das Phänomen nur unter dem Namen „Bodypacker“. Menschen, die Drogen im eigenen Körper transportieren, meistens Kokain oder Heroin in Präservativen verpackt, werden, besonders am Flughafen, häufig aufgegriffen. Maschinen, bei denen man damit rechnet, dass Drogen eingeflogen werden, werden besonders streng kontrolliert. Gibt es ein Verdachtsmoment, kann der Zoll ein Ultraschall des Magen-Darm-Trakts vornehmen. Dabei muss man mit besonderer Schonung vorgehen. Wenn ein Päckchen platzt, kann das tödlich sein.

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