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FAZ.NET-Tatortsicherung : Schlager und Schläger aus Sachsen

  • -Aktualisiert am

Die Unschuld im Sachsenzwinger: Kommmisarsanwärterin Maria Mohr (Jella Haase) macht Bekanntschaft mit den „Herzensbrechern“ Bild: MDR/Andreas Wünschirs

Schimanski war dagegen ein Waisenknabe: Das erste vorwiegend weibliche „Tatort“-Team pfeift in Dresden konsequent auf Dienstvorschriften aller Art. So lässt sich Sachsen aber auch nicht retten.

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          Das neue Ermittlungsteam aus Dresden, bestehend aus den beiden Oberkommissarinnen Henni Sieland (Alwara Höfels) und Karin Gorniak (Karin Hanczewski), sagen in der ersten Folge patriarchalischen Strukturen aller Art den Kampf an. Das bekommt vor allem der altherrenhaft aufgekratzte Chef des Kommissariats, Peter Michael Schnabel (Martin Brambach), zu spüren, der mit seinen tendenziell sexistischen und rassistischen Sprüchen nicht recht landen kann. Laufend steckt er Rügen ein, ohne selbst welche wegen missachteter Dienstvorschiften zu erteilen.

          Die Frauenquote wird in Dresden noch gestärkt durch die junge Kripo-Anwärterin Maria Magdalena Mohr (Jella Haase), deren Werdegang allerdings ein trauriges Ende nimmt. Aber gibt es tatsächlich eine Quotenregelung bei der Dresdner Polizei - und ist die Ermittlungsarbeit in Sachen tatsächlich so gesetzesvergessen, wie im neuen „Tatort“ dargestellt?

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          Frage 1: Gibt es bei der Polizei – und bei der in Dresden im Besonderen – eine Quotenregelung? Kann das zu einer überproportionalen Besetzung von Kommissariaten mit Frauen führen?

          Ermitteln am Rande des Irrsinns: Die Kommissarinnen Henni Sieland (Alwara Höfels) und Karin Gorniak (Karin Hanczewski)
          Ermitteln am Rande des Irrsinns: Die Kommissarinnen Henni Sieland (Alwara Höfels) und Karin Gorniak (Karin Hanczewski) : Bild: MDR/Andreas Wünschirs

          Antwort der Pressestelle des Polizeipräsidiums Dresden:

          Es gibt keine Quotenregelung! Der Frauenanteil in der Dresdner Kriminalpolizei liegt bei 30 Prozent, auf die gesamte Polizeidirektion gesehen bei rund 28 Prozent. Es ist also eine „gesunde“ Mischung. Mordfälle werden in Dresden von der Morduntersuchungskommission (MUK) bearbeitet, die aus einem Stammbestand von sieben Beamten besteht. Bei Bedarf wird die Zahl zum Teil deutlich erhöht.

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          Frage 2: Im neuen „Tatort“ weigert sich ein Fotograf, einer Polizistin Dateien auszuhändigen. Darf er das? Die Polizistin bekommt die Dateien dann schließlich doch als Gegenleistung für ein Date.

          Deals mit Fotografen: Kommissarsanwärterin Maria Mohr (Jella Haase) verlernt in Dresden schnell alle Schulweisheit.
          Deals mit Fotografen: Kommissarsanwärterin Maria Mohr (Jella Haase) verlernt in Dresden schnell alle Schulweisheit. : Bild: MDR/Andreas Wünschirs

          Antwort von Rechtsanwalt Henning Brühl (Anwaltskanzlei Derra, Meyer & Partner, Dresden):

          Wenn wirklich aufgrund dieser Fotos konkrete Ermittlungserfolge wegen eines Mordes zu erwarten gewesen wären, könnte die Polizei schon einige Hebel in Bewegung setzen, um an diese Fotos heranzukommen. Dazu braucht sie keinen Deal einzugehen, der ja auch juristisch sehr bedenklich ist. Grundsätzlich aber darf die Polizei niemandem einfach die Kamera abnehmen und Fotos und Daten auswerten. Bevor eine Kamera ausgewertet werden kann, ist ein richterlicher Beschluss oder zumindest ein Beschluss des Staatsanwaltes einzuholen.

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          Frage 3: Die beiden Kommissarinnen fahren dem Verdächtigen Maik Pschorrek auf den Wagen auf, um so im Kofferraum befindliche Rechner zur Überprüfung einkassieren zu können. Was ist davon zu halten?

          Schmieriger geht es kaum: Schlager-Manager Maik Pschorrek (Andreas Guenther) in der Ermittlungszange
          Schmieriger geht es kaum: Schlager-Manager Maik Pschorrek (Andreas Guenther) in der Ermittlungszange : Bild: MDR/Andreas Wünschirs

          Antwort von Rechtsanwalt Henning Brühl (Anwaltskanzlei Derra, Meyer & Partner, Dresden):

          Das geht natürlich gar nicht. Erst einmal haben wir es bei diesem Szenario mit Sachbeschädigung und Körperverletzung zu tun, und natürlich mit einem Verkehrsdelikt. Was die Kommissarinnen da machen, ist also ganz klar eine Straftat. Auf Grund der laufenden Ermittlungen dann Dinge zu beschlagnahmen, geht natürlich auch nicht. Grundsätzlich braucht man dazu einen richterlichen Beschluss. Einen Computer zu konfiszieren ist besonders kritisch, weil dieser Vorgang  Persönlichkeitsrechte des Inhabers betrifft. Wenn aufgrund der auf dem Rechner gefundenen Daten eine Anklage erhoben werden soll, dann kann es durchaus sein, dass dieser Beweis nicht verwertet werden darf, weil der Beweis mit unzulässigen Mitteln beschafft worden ist. Das sind dann die sogenannten Früchte des verbotenen Baumes.

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