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FAZ.NET-Tatortsicherung : Peilsender sind besser als Liebes-Algorithmen

Mediziner haben bei der Liebesformel längst aufgegeben. Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) in der Gerichtsmedizin Bild: WDR/Thomas Kost

Im neuen „Tatort“ aus Köln dreht sich alles um die wahre Liebe. Findet man die neuerdings durch Datenanalyse? Und wie glaubwürdig ermitteln Ballauf und Schenk? Der Sonntagskrimi im Realitätstest.

          4 Min.

          In Köln gibt es sie noch, die echte Liebe – das denken viele in der Domstadt sogar im Karneval. Doch Kommissar Ballauf (Klaus J. Behrendt) zweifelt daran. Was bei seinem verödeten Beziehungsleben auch nicht verwundern kann. Gemeinsam mit seinem Kollegen Freddy Schenk (Dietmar Bär) ermittelt er im neuen „Tatort“ im Dunstkreis einer Online-Partnervermittlung, deren leitende Angestellte ermordet wurde. Schon bald stellt sich heraus: Wahre Gefühle sind auch im Zeitalter der digitalen Liebe Mangelware.

          Oliver Georgi

          Redakteur in der Politik.

          Hält dieser „Tatort“, was er verspricht, hält die Handlung der Wirklichkeit stand? Auch wenn das für die Qualität eines Fernsehkrimis nicht entscheidend ist – wir waren neugierig und haben Experten gefragt.

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          Frage 1: Die Partnervermittlung des Mordopfers wirbt damit, die perfekte Liebesformel gefunden zu haben. Gibt es die?

          Natascha Klein: „Viele denken, Liebe sei ein Zufall. Aber zufällig wählt man immer wieder den falschen Partner. Das ist doch kein Zustand, haben wir uns gedacht bei Lovecast. Und haben ein Computerprogramm entwickelt, das berechnet, wie gut zwei Menschen zueinander passen.“ (Minute 1)

          Natascha Klein (Suzan Anbeh) hat großen beruflichen Erfolg mit ihrer Online-Dating-Plattform „Lovecast“ – privat läuft ihr Liebesleben eher turbulent
          Natascha Klein (Suzan Anbeh) hat großen beruflichen Erfolg mit ihrer Online-Dating-Plattform „Lovecast“ – privat läuft ihr Liebesleben eher turbulent : Bild: WDR/Thomas Kost

          Antwort von Constanze Rinck (Familientherapeutin und Paarberaterin aus Köln):

          Nein, das ist Quatsch. Liebe kann man nicht berechnen. Ob eine Paarbeziehung funktioniert, hängt von unzähligen Eigenschaften ab, vom Charakter, von gemeinsamen Interessen, auch von der gesellschaftlichen Stellung. Aber nicht von einer einfachen Formel, die man einfach auf zwei Menschen anwenden könnte. Unser Beziehungsleben ist nicht digital.

          ***

          Frage 2: Die Partnervermittlung im Film behauptet ja, einen Algorithmus gefunden zu haben, der „zuverlässig berechnet, wie ähnlich sich zwei Menschen sind“. Passen zwei Menschen wirklich am besten zusammen, wenn sie sich maximal ähnlich sind?

          Gerd Machnow: „Sie wissen wahrscheinlich, dass heute jede dritte Beziehung im Internet anfängt. Weil die Leute den Zufall blöd finden. Sie wollen planen. Und der Algorithmus erhöht die Chancen.“ (Minute 5)

          Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) fühlt „Lovecast“-Inhaber Gerd Machnow (Bernd Moss) auf den Zahn
          Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) fühlt „Lovecast“-Inhaber Gerd Machnow (Bernd Moss) auf den Zahn : Bild: WDR/Thomas Kost

          Antwort von Constanze Rinck (Familientherapeutin und Paarberaterin aus Köln):

          Das kann man pauschal nicht sagen. Sicher ist: Vordergründige Ähnlichkeiten wie Hobbys oder eine Vorliebe für scharfes Essen alleine reichen für eine gute Partnerschaft nicht aus. Viel wichtiger ist, dass sich zwei Menschen auf der Bewusstseinsebene ähneln. Das heißt, dass sie von den gleichen Dinge berührt werden und die Welt ähnlich sehen. Auf der anderen Seite gibt es aber auch viele glückliche Partnerschaften, die auf großen Gegensätzen beruhen - „Gegensätze ziehen sich an“, sagt ja der Volksmund. Ob und warum eine Partnerschaft gelingt, ist aber immer individuell. Das kann niemand berechnen.

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          Frage 3: Sind Partnervermittlungen generell Humbug?

          Algorithmus-Skeptiker Max Ballauf kann sich keinen Reim machen auf sein Verhältnis mit Kriminalpsychologin Lydia Rosenberg (Juliane Köhler)
          Algorithmus-Skeptiker Max Ballauf kann sich keinen Reim machen auf sein Verhältnis mit Kriminalpsychologin Lydia Rosenberg (Juliane Köhler) : Bild: WDR/Thomas Kost

          Antwort von Constanze Rinck:

          Nein – in meinen langen Berufsjahren als Familien- und Paartherapeutin habe ich schon viele Paare erlebt, die sich über eine Partnervermittlung kennengelernt haben und sehr glücklich sind. Umgekehrt gilt aber: Paare, die sich über eine Partnervermittlung kennengelernt haben, weil sie angeblich so gut zusammen passen, haben es keinesfalls leichter als „normale“ Beziehungen.

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          Frage 4: Im Kölner Tatort loggt sich Gabi, die neue Assistentin von Ballauf und Schenk, bei einer Online-Partnerbörse ein, um einen Verdächtigen ausfindig zu machen. Wie oft spielen Beamte den Lockvogel?

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