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FAZ.NET-Tatortsicherung : So leicht kann man Crystal Meth kochen?

Sehen nicht aus, als wären sie im „Paradies“ gelandet: Die Tatort-Ermittler Moritz Eisner (Harald Krassnitzer) und Bibi Fellner (Adele Neuhauser) Bild: ARD Degeto/ORF/Hubert Mican

Im neuen Tatort „Paradies“ werden Rentner zu Schmugglern und aus Medikamenten Drogen. Die Kommissare Eisner und Fellner staunen über ihr Österreich, wir haben es hinterfragt. Der Sonntagskrimi im Realitätstest.

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          Jeden Sonntag locken die fiktiven Fälle der Tatort-Reihe Millionen Zuschauer in Deutschland, Österreich und der Schweiz vor die Bildschirme. Doch passt auch zusammen, was allwöchentlich zusammenermittelt wird?

          „Tatortsicherung“ ermittelt den Realitätsgehalt des aktuellen Sonntagsabendkrimis. Hält die Handlung der Folge „Paradies“ mit einer Rentnergang zwischen Banktresor, Medikamentenschmuggel und Drogenküche der Wirklichkeit stand? Wir haben Experten gefragt.

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          Frage 1: Warum ermittelt Kommissar Moritz Eisner eigentlich immer in einer anderen Ecke Österreichs? Laut Figurenbeschreibung ist er Sonderermittler des Innenministeriums. Gibt es den Job wirklich und ist das Einzugsgebiet ganz Österreich?

          Antwort von Roman Hahslinger (Pressestelle der Landespolizeidirektion Wien):

          Sonderermittler des Innenministeriums ist nicht ganz richtig – richtig wäre ’Ermittler des Bundeskriminalamts’. Dann ist er für ganz Österreich zuständig und kann auch im Ausland ermitteln. Das Bundeskriminalamt ist aber direkt dem Innenministerium unterstellt.

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          Frage 2: Ist es in Österreich wirklich so einfach, in fremde Schließfächer hineinzuschauen?

          In der Regionalbank: Der Inhaber des Schlüssels muss sich nur ausweisen, und hat automatisch Zugang zu dem Schließfach.“ (Minute 14)

          Im Seniorenheim verfügen die Bewohner über auffällig viel Geld: Peter Weck als Paul Ransmayer

          Antwort von Maria Geyer (Generalsekretärin des Österreichischen Bankenverbandes):

          Wenn es ein Safe ist, dann stimmt das nicht. In diesem Fall muss die Bank den Inhaber des Schlüssels auch als zugangsberechtigt identifizieren oder er muss eine notariell beglaubigte Vollmacht mit sich führen, aus der hervorgeht, dass er berechtigt ist.

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          Frage 3: „Du bist auch schon paranoid, hinter jeder G’schicht‘ siehst du einen Fall“ (Minute 22). Kommt diese „Krankheit“ häufig vor bei Kommissaren?

          Hinter jeder G’schicht‘ ein Fall: Berufsrisiko auch für die „richtigen Kollegen“ von Eisner und Fellner?

          Antwort von Roman Hahslinger (Pressestelle der Landespolizeidirektion Wien):

          Auf jeden Fall. Ich war selbst 16 Jahre lang Kripobeamter. Man sieht die Welt mit anderen Augen, leider wird man immer misstrauischer und vermutet oft strafbare Handlungen, wo manchmal gar keine sind. Der Kripobeamte ist immer auf der Suche nach einem interessanten Fall.

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          Frage 4: Im neuen ORF-Tatort heißt es, dass der österreichische Staat den Internet-Handel mit rezeptpflichtigen Medikamenten verbietet (Minute 39). Stimmt das?

          Antwort von Dr. Karma Hohl (Rechts- und sozialpolitische Abteilung der Österreichischen Apothekerkammer):

          Ja, das stimmt, nach dem Arzeimittelgesetz, § 59, Absatz 9 und 10, ist die Abgabe rezeptpflichtiger Medikamente nur in Apotheken erlaubt, nicht aber im Internethandel.

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          Frage 5: Ist es realistisch, dass ehemalige Kollegen nach ihrem Ruhestand noch einmal reaktiviert werden, um undercover zu ermitteln?

          Auf der Grazer Polizeidienststelle: „Ihr habt’s privat ermittelt, noch dazu einen pensionierten Kollegen eingeschmuggelt, und jetzt, wo das schiefgegangen ist, kommt’s zu mir?“ (Minute 57)

          Ein reaktivierter Polizist (Branko Samarovski, li. neben Peter Weck) ist undercover in einem Altenheim unterwegs. Szene wie im richtigen Leben?

          Antwort von Roman Hahslinger (Landespolizeidirektion Wien):

          Ja.

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          Frage 6: Kann Crystal Meth wirklich in Hinterhofhexenküchen aus Rohrreiniger und Hustensaft hergestellt werden? Wie gefährlich ist das?

          Keine Routine für Ermittlerin Fellner: Der eigene Vater wird begraben

          Antwort von Stefan Deibl (Pressereferent der Pharmazeutischen Abteilung der Apothekerkammer Österreichs):

          Prinzipiell kann man Crystal Meth aus einfachen Mitteln gewinnen, zum Beispiel auch aus Hustensaft. Man muss dafür kein Pharmaziestudium absolviert haben. Die Frage ist nur, wie rein man es hinbekommt. Auf die Qualität kommt es an. Aber generell ist das in Hinterhofhexenküchen herstellbar.

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          Frage 7: Werden tatsächlich Drogen aus Tschechien via Ungarn nach Österreich eingeführt – und wie könnte man das unterbinden?

          Die Dosis macht das Gift: Tristesse im Altersheim

          Antwort von Roman Hahslinger (Landespolizeidirektion Wien):

          Drogen werden von überall nach Österreich geschmuggelt. Es gibt verschiedenste Transitrouten, so auch von Tschechien über Ungarn nach Österreich. Was man dagegen machen kann? Kontrollieren, kontrollieren, kontrollieren.

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          Frage 8: Ist „eine Leiche wegtragen“ wirklich keine Beihilfe zum Mord?

          Altenpfleger Robert: „A Leich’ wegbringen is kaa Beihilfe“ (Minute 76)

          Erst den Toten wegschaffen, und dann den eigenen Abgang vorbereiten: Endstation für Pauls Traum vom Paradies

          Antwort von Roman Hahslinger (Landespolizeidirektion Wien):

          Es kann Beihilfe zum Mord sein, wenn zum Beispiel damit die Tat vertuscht werden soll.

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          Fernsehkritik: So fand unser Autor den „Tatort: Paradies“ - wie fanden Sie ihn?

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