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FAZ.NET-Tatortsicherung : Wie oft wird in deutschen Gefängnissen gemordet?

JVA-Abteilungsleiterin Karen Wagner (Sandra Hüller) gerät in den Verdacht, jugendliche Straftäter zu manipulieren Bild: BR/Erika Hauri

Im neuen „Polizeiruf 110“ aus München regierte der Psychoterror hinter Gittern. Gibt es solche Zustände wirklich? Wir haben Experten gefragt. Der Sonntagskrimi im Realitätstest.

          4 Min.

          Woran liegt es wohl, dass nach einer neuen Studie junge Menschen nicht mehr in die Medien drängen, sondern die Polizei ihr Traumarbeitgeber geworden ist? Am Ende gar an den vielen Fernsehkrimis, die fast täglich als Premieren oder Wiederholungen ausgestrahlt werden?

          Uwe Ebbinghaus

          Redakteur im Feuilleton.

          Ein Grund mehr, in der neuen Tatortsicherung dem realistischen Gehalt des Sonntagabendkrimis nachzuspüren. Wie hätte die kriminalistische Arbeit der echten Münchner Ermittler ausgesehen, wie die der Psychologen?

          Hinweis für Mediathek-Spätgucker: Im Rahmen dieser Tatortsicherung gibt es Hinweise auf den Mörder.

          Der München-„Polizeiruf 110: Morgengrauen“ in der Mediathek des Ersten.

          * * *

          Frage 1: Gibt es Star-Kommissare wie Hanns von Meuffels bei der Polizei?

          Kommissar Oberpriller: „Der Herr Staatsanwalt sagt: Wenn Sie es nicht schaffen, dann schafft es keiner.“ (Minute 2)

          Hauptkommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) setzt zum Butterbrot-Trick an

          Antwort von Christoph Reichenbach (Pressestelle, Polizeipräsidium München):

          Ermittler-Stars gibt es bei der Münchner Mordkommission nicht. Das dürfte aber überall in Deutschland so sein. Innerhalb des Kommissariats für Tötungsdelikte, K 11 heißt das in München, gibt es verschiedene Mordkommissionen. In der Praxis ist es so, dass die Mordkommissionen der Reihe nach Fälle zugeteilt bekommen. Wenn die mit ihren Ermittlungen nicht weiterkämen, würde eine Sonderkommission eingerichtet.

          Gibt es bei der Polizei eigentlich die festen Ermittler-Duos, wie man sie aus dem Fernsehen kennt?

          Christoph Reichenbach: Bei der Mordkommission eigentlich nicht. Eine Kommission besteht aus fünf oder sechs Beamten, die in der Regel mindestens Hauptkommissar sind. Das Ganze ist echtes Teamwork. Man trifft sich morgens zum Austausch, um alle auf den gleichen Wissensstand zu bringen. Eigentlich rückt man nur bei Vernehmungen paarweise aus.

          * * *

          Frage 2: Wie unterscheidet sich der Kriminaldauerdienst (KDD) von der Mordkommission?

          Betrachtet sich als „Fußvolk“ der Kriminalpolizei: KDD-Kommissar Marcel Oberpriller (Andreas Lust)

          Antwort von Christoph Reichenbach (Pressestelle, Polizeipräsidium München):

          Der Kriminaldauerdienst (KDD) ist genauso eine kriminalpolizeiliche Dienststelle wie die Mordkommission. Der KDD ist die Einheit, die sämtliche kriminalpolizeilichen Aufgaben im Erstzugriff aufnimmt – in Zeiten, in denen die Fachdienststellen nicht besetzt sind.

          * * *

          Frage 3: Gibt es für Achtzehnjährige eigene Bereiche in der JVA München, in denen sie schon einen Tag nach der Festnahme untergebracht werden?

          Ausgestoßen in der Jugendabteilung: Martin Scharl (Manuel Steitz)

          Antwort von Dr. Jochen Menzel (stellvertretender Anstaltsleiter der JVA München-Stadelheim):

          Ja. Wir haben eine Jugenduntersuchungshaftabteilung für den Großraum München, in der heute 51 Jugendliche zwischen 14 und 18 Jahren untergebracht sind. Mit 14 Jahren beginnt die Strafmündigkeit. Als Erwachsener gilt man mit 21 Jahren. Dazwischen befindet sich die Gruppe der sogenannten Heranwachsenden. Unsere Jugendabteilung besitzt eine besondere Ausstattung für sozialpädagogische und psychologische Betreuung.

          Können Gefängnispsychologen Gespräche zwischen Polizei und Inhaftiertem mithören – so wie im neuen „Polizeiruf“ dargestellt?

          Jochen Menzel: Um Gottes Willen, nein. Fürs Abhören braucht man einen richterlichen Beschluss. Wir hätten daran auch kein Interesse. Wir sind ja keine Ermittler, sondern eine vollstreckende Behörde. Im Jahr haben wir etwa 9000 Anwalts- und Polizeibesuche.

          * * *

          Frage 4: Die Psychologin Karen Wagner betrachtet den Personal-Eintrag Hanns von Meuffels' auf dem Büro-Bildschirm (Minute 11): Haben JVA und Polizei in München ein gemeinsames Intranet?

          Wer hat sich da einen Scherz erlaubt? Meuffels’ Dienstnummer führt bis zur Durchwahl, die mit einer 0 beginnt, ins Finanzamt München. Auch interessant: Es gibt eine Faxnummer, aber keine Mailadresse in dieser Intranet-Personensuche. Und was eine SMC-Nummer sein soll, weiß bei der Münchner-Polizei niemand.

          Antwort von Christoph Reichenbach (Pressestelle, Polizeipräsidium München):

          Nein, ein gemeinsames Intranet gibt es nicht. Es werden in der Personensuche auch keine Mobil-Nummern veröffentlicht. Die Bereitschaftsnummern hat nur die Einsatzzentrale.

          * * *

          Frage 5: An der Wand einer Zelle im neuen „Polizeiruf“ sieht man Garderobenhaken (Minute 12) – das geht nicht, oder?

          Gedreht wurden die JVA-Szenen in einem früheren Frauengefängnis, dort zum Teil auch in den einstigen Besucherräumen.

          Antwort von Dr. Jochen Menzel (stellvertretender Anstaltsleiter der JVA München):

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