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FAZ.NET-Tatortsicherung : Warum eigentlich „Smoke on the Water“?

Spurensuche mit Blick in die Zukunft: Kommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) ermittelt Bild: Julia von Vietinghoff

Sex und Macht, ein korrupter Politiker und kriminelle Polizisten. Der neue „Polizeiruf 110“ aus München spart nicht mit Anspielungen auf die schlechte Welt. Aber was daran könnte zutreffen? Der Sonntagskrimi im Realitätstest.

          Erst scheint es nur ein Eifersuchtsdrama zu sein, doch dann kommt so ziemlich alles zusammen, was sich an Verschwörungstheorien zusammen puzzeln lässt. Im Mittelpunkt ein macht- und sexsüchtiger Politiker mit Adelstitel, altklugem Kind und schwangerer Gattin. In der Rahmenhandlung werden Rüstungsindustrie und Friedensaktivisten in Stellung gebracht, alte Internatsfreunde gegeneinander ausgespielt und eines der berühmtesten Gitarrenriffs der Rockgeschichte ins Fenster gestellt.

          Das ist viel Stoff auf einmal, der schnell vorüber zieht. Lohnt es sich, über den „Polizeiruf 110: Smoke on the Water“ länger nachzudenken? Wir haben Experten gefragt - wie groß ist der Wirklichkeitsgehalt der Handlung?

          ***

          Der Fall scheint abgeschlossen, bevor der Film richtig losgeht: „Totschlag im Affekt“. Der Tatverdächtige hat gestanden. Die Ermittlungen werden eingestellt, die Akten an die Staatsanwaltschaft weitergegeben. Kommissar Hanns von Meuffels (Matthias Brandt) zweifelt aber die Aussage an und nimmt weitere Untersuchungen vor. (8. Minute).

          Frage 1: Darf ein Kommissar einfach auf eigene Faust weiter ermitteln?

          Antwort von Wolfgang Behr (Pressestelle des Polizeipräsidiums München):

          „Es ist grundsätzlich nicht die einsame Entscheidung eines Polizisten, ob ein Fall erledigt ist. Das entscheidet die Staatsanwaltschaft. Ein Kommissar hat außerdem Kollegen, mit denen er sich austauscht. Wir haben ja zum Glück nicht 50 Mordfälle am Tag, deshalb ist normalerweise mindestens ein weiterer Beamter bei den Ermittlungen dabei. Wenn der Kommissar aber glaubt, es müssen noch weitere Dinge abgeklärt werden, dann kann es durchaus sein, dass er weiter ermittelt.“

          Grautöne: Der Fall ist scheinbar gelöst, doch Kommissar von Meuffels ist nicht überzeugt

          Der Film thematisiert Satelliten-Leitsysteme und ihre militärische Nutzung. Der zielgenaue Einsatz von Waffen funktioniere durch das Leitsystem, heißt es. „Dank Copernicus kann man ein Kamel auf 300 Kilometer trotz Sandsturm mit dem Marschflugkörper direkt ins Arschloch treffen“, wird drastisch die Zielgenauigkeit erklärt.

          Frage 2: Stimmt es, dass zivile Satelliten-Leitsysteme auch militärisch genutzt werden und sind die wirklich so präzise, wie im Film beschrieben? (19. Minute)

          Antwort von Andreas Nett (Pressesprecher des Bundesamts für Ausrüstung, Informationstechnik und Nutzung der Bundeswehr):

          „Der ersten Teil der Frage können wir mit 'Ja' beantworten. Das prominenteste System ist GPS, das gibt es mit zwei Codes in unterschiedlicher Güte. Eines, das Sie sicherlich aus Ihrem Smartphone kennen, steht Zivilisten zur Verfügung. Es ist mit dem C/A-Code ausgestattet und nicht ganz so exakt wie das militärisch genutzte mit dem P/Y-Code. Doch auch das hat eine Standardabweichung von drei Metern. Was aber kein Problem ist, denn Flugkörper sind Raketen mit Sprengköpfen, bei denen es nicht erforderlich ist, dass sie exakt einen Punkt treffen - wie in dem Beispiel der Hintern des Kamels.“

          Demonstration gegen die Von und Zus, während Corry Hüsken (Judith Bohle), die Freundin der Ermordeten, ein Bündnis mit dem Ermittler schließt

          Holger Zacharias, der etwa zehn Jahre alte Sohn des adeligen Politikers von Cadenbach, freut sich schon aufs Internat, weil er dort die „ersten weltweiten Kontakte knüpfen“ könne (31. Minute).

          Frage 3: Steht „Networking“ tatsächlich auf dem Lehrplan von sogenannten Elite-Internaten?

          Antwort von Kathrin Gallitz (Stellvertretende Pressesprecherin im bayrischen Staatsministerium für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst):

          „Die bayerischen Lehrpläne enthalten kein Fach „Networking“. Genauso wie die öffentlichen müssen sich auch die privaten Schulen am Lehrplan orientieren. Ob an privaten Schulen ein Wahlfach 'Networking' angeboten wird, kann ich Ihnen nicht sagen. Von einem derartigen Angebot an staatlichen Schulen ist mir nichts bekannt. Aufgrund der verpflichtenden Berücksichtigung des Lehrplans für die Schulen in Bayern ist es ausgeschlossen, dass das fachliche Wissen und die dazugehörigen Kompetenzen hinter 'Kontakten oder deren Vermittlung' zurücktritt.“

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