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FAZ.NET-Tatortsicherung : Ein Messer im Hals ist noch kein Motiv

  • -Aktualisiert am

Klarer Fall von „Vorhang zu und viele Fragen offen“: Leere Blicke bei Eva Saalfeld (Simone Thomalla) und Andreas Keppler (Martin Wuttke). Bild: MDR/Steffen Junghans

Die Kommissare Saalfeld und Keppler ermitteln in einem brutalen Mordfall an Leipzigs Stadtrand. Weitere Taten folgen. Alles wirkt ziemlich inszeniert. Wie realistisch ist dieser schwer entwirrbare „Tatort“?

          4 Min.

          Ein Mann wird brutal in seinem Schlafzimmer erschlagen. Und auch wenn Bargeld aus seinem Tresor gestohlen wurde, vermuten die Kommissare Eva Saalfeld (Simone Thomalla) und Andreas Keppler (Martin Wuttke) eine Tat aus Hass. Denn das Opfer, der Abfallunternehmer Harald Kosen, war ein unangenehmer Zeitgenosse.

          Schon am Tatort deutet sich eine dunkle Familiengeschichte an. Und je mehr Geheimnisse die Kommissare aufdecken, desto mehr Morde geschehen. Gibt es einen Serientäter in der Familie? Die Spuren scheinen darauf hinzudeuten. Doch das Motiv für die Mordtaten bleibt bis zum Schluss im Dunkeln - und eigentlich auch darüber hinaus.

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          Frage 1: In der Anfangsszene läuft ein Mann mit einem Messer im Hals durch Leipzig. Wie lange kann man so überleben?

          Der Kriminaltechniker Wolfgang Menzel (Maxim Mehmet, links) ist diesmal sehr gefragt, kann es Keppler aber nicht recht machen.
          Der Kriminaltechniker Wolfgang Menzel (Maxim Mehmet, links) ist diesmal sehr gefragt, kann es Keppler aber nicht recht machen. : Bild: MDR/Steffen Junghans

          Antwort von Carsten Hädrich (Oberarzt am Institut für Rechtsmedizin Leipzig):

          Mit einem Messer im Hals kann man prinzipiell schon überleben. Entscheidend ist, welche Strukturen im Hals getroffen werden. Gefährlich wird es, wenn die Luftröhre, Halsschlagadern oder das Halsmark durchtrennt sind. Dann tritt der Tod sehr rasch ein. Wenn diese drei Strukturen nicht verletzt sind, kann man damit lange herumlaufen. Es ist allerdings schmerzhaft. Ich würde empfehlen so schnell wie möglich einen Notarzt aufzusuchen und das Messer so lange drin zu lassen. Würde man es rausziehen und eine Halsschlagader oder Vene wäre durchtrennt, würde man in wenigen Minuten das Bewusstsein verlieren und handlungsunfähig sein. Das kann sich wie ein schwerer Schlaganfall auf das Hirn auswirken. Im besten Fall.

          ***

          Frage 2: Bei zwei Opfern werden Spuren von Chloropren-Kautschuk unter den Fingernägeln gefunden. Dieser Stoff wird bei der Herstellung von Neoprenanzügen verwendet. Wie sinnvoll ist es, einen Neoprenanzug zu tragen, um keine DNA am Tatort zu hinterlassen?

          Keppler schließt von Blut auf Familie
          Keppler schließt von Blut auf Familie : Bild: MDR/Steffen Junghans

          Antwort von Carsten Hädrich:

          Ich finde es nicht sehr sinnvoll. DNA-Spuren, die an Tatorten gefunden werden, stammen meistens von direktem Anfassen mit bloßen Händen, sind Speichelspuren vom Sprechen, Kopfhaare oder Blutspuren eines verletzten Täters. Das alles kann ein solcher Anzug auch nicht verhindern. Zu empfehlen wären da eher Gummihandschuhe, eine Taucherkappe und ein Mundschutz gegen den Speichel beim Sprechen.Wird der Täter schwer verletzt, hält auch so ein Neoprenanzug die Blutspuren nicht komplett zurück. Ein Neopren-Anzug ist unhandlich, auffällig und deckt eben nicht diejenigen Stellen ab, die hauptsächlich Spuren hinterlassen, also Hände, Gesicht  und Wunden. Ich würde davon abraten.

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          Frage 3: Der Täter vertauscht in einem Fall die Infusion Polivitamin mit einer Kaliumchlorid-Lösung. Das Opfer kann jedoch überleben. Ist das realistisch?

          Hat mit dem Romantitel „Ein hinreissender Schrotthändler“ von Arnold Stadler nicht viel gemein: Abfallunternehmer Harald Kosen (Bernhard Schütz) attackiert seinen Schwiegersohn (Alexander Khuon).
          Hat mit dem Romantitel „Ein hinreissender Schrotthändler“ von Arnold Stadler nicht viel gemein: Abfallunternehmer Harald Kosen (Bernhard Schütz) attackiert seinen Schwiegersohn (Alexander Khuon). : Bild: MDR/Steffen Junghans

          Antwort von Carsten Hädrich:

          Vielleicht war noch nicht genug Kaliumchlorid in die Adern geflossen, sprich, die Infusion wurde schnell genug abgestellt oder es war nur wenig Kalium in der Lösung. Entscheidend ist, wie viele Kaliumionen ins Blut gelangen, also wie groß die Menge der Lösung und wie hoch deren Kalium-Konzentration ist. Wenn das Kaliumchlorid mit dem Blutstrom im Herzen ankommt, führt es zu Herzrhythmusstörungen und zu einem Herzstillstand. Den kann man aber durch Reanimationsmaßnahmen überbrücken und auch wieder beheben. In der Herzchirurgie wird diese Methode seit langem genutzt, um ungestört am stehenden Herzen zu operieren.

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